ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2013Chirurgieassistenz: Ein Irrweg
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. . . Warum verlassen unsere jungen deutschen Kollegen ihre Heimat Richtung Ausland? Sie können in ihrem eigentlichen Beruf (Tätigkeit am Patienten, manuelle Tätigkeit in der Chirurgie) wegen überbordender Verwaltungsaufgaben (Arztberichte, Berichte für MDK etc., Verschlüsselung von Prozeduren, DRG-Problematik, zunehmende Übernahme von Tätigkeiten, die eigentlich den Krankenschwestern zugeordnet sind etc.) nicht in ihrem eigentlichen Aufgabengebiet tätig sein. Die Einführung einer „nichtärztlichen Chirurgieassistenz“ führt dieses Problem ad absurdum.

Die für eine vernünftige chirurgische und operative Ausbildung erforderlichen Ausbildungsphasen (erst zweiter Assistent, dann erster Assistent), die zur Erlernung der basalen chirurgischen Tätigkeiten (Instrumentennutzung, Knüpfen, Präparation, Eröffnung der Brust/Bauchhöhle, Darstellung des Operationsgebietes bis zum Eintreffen des Hauptoperateurs, schichtweiser Wundverschluss etc.) notwendig sind, werden nun paraärztlichen Berufsgruppen übertragen.

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Dies führt groteskerweise dazu, dass sich der auszubildende Chirurg am Schreibtisch und am Computer tummeln soll, während die nichtärztlichen Assistenten im OP wesentliche ärztliche Aufgaben übernehmen sollen.

Ein in Ausbildung befindlicher Chirurg hat sich aus meiner Sicht zu 80 Prozent im OP oder am Patienten aufzuhalten, die Verwaltungsquote sollte 20 Prozent nicht übersteigen.

Durch das vorgeschlagene, eher als perfide zu bezeichnende System mit Einführung von nichtärztlichen Chirurgieassistenten kann diese Quote sicherlich nicht erreicht werden. Die Einführung derartiger kostengünstiger Assistenten wird nur dazu führen, dass unsere werdenden Operateure noch mehr sinnlose Zeit mit schriftlichem Kram . . . verbringen müssen.

Sinnvoller wäre es, derartige „nichtärztliche Assistenten“ zur Entlastung unserer jungen Chirurgen einzusetzen. Hier besteht ein ausgedehntes Betätigungsfeld. Es reicht von der Vorbereitung von Arztberichten und selbstständigen Erstellung von Anfragen des MDK über einfache manuelle Tätigkeiten (Blutentnahmen, Anlage von Infusionen etc.) bis zur Durchführung von einfachen Verbandswechseln inklusive Entfernung von Nahtmaterial.

Alle anderen Tätigkeiten gehören in die Hand von ausgebildeten Ärzten, die ein sechsjähriges Medizinstudium mit adäquater Ausbildung in Anatomie, Physiologie etc. hinter sich haben.

Zusammenfassung: Die Einführung nichtärztlicher Chirurgieassistenten hat in Kliniken, in denen chirurgische Weiterbildungsassistenten angestellt sind, nichts zu suchen! Dies ist ein Irrweg!

Dr. med. Peter Heilberger, 90441 Nürnberg

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