ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2013Antibiotika: Ungesteuerten Verbrauch beenden
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Angesichts der prekären Lage, in der sich die Infektiologie befindet, muss daran erinnert werden, dass die Antibiotika erst 1946 in Deutschland eingeführt wurden.

Keinesfalls war die Medizin davor so hilflos wie heute. Im Gegenteil, seit Semmelweis und Lister war das Problem der Krankenhausinfektionen beherrscht, insbesondere da die sich dann entwickelnde bakteriologische Ära mit Antisepsis und Asepsis strenge Hygienevorschriften in den Krankenhäusern zur Folge hatte. Es gab keine nosokomialen Infektionen und keine resistenten Keime.

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Alle mittelbaren und unmittelbaren Folgen einer kritiklosen Therapie mit Antibiotika, wie die Entwicklung resistenter Keime, die Schädigung der Symbioseflora mit Folgekrankheiten, die Schwächung des Immunsystems, waren schon seit 1948 bekannt und veröffentlicht. Der Siegeszug der Antibiotika war aus bekannten Gründen nicht aufzuhalten. Es mag sein, dass die leichte Behandelbarkeit zu einer Vernachlässigung der Expositionsprophylaxe geführt hat. Hinzu kommt, dass sich zu den bekannten pathogenen Erregern jetzt zusätzlich aus harmlosen Kommensalen und Symbionten, also opportunistischen Erregern, antibiotikaresistente Keime entwickelten, mit denen die heutige Medizin nicht fertig wird.

Die Besinnung auf die Vorantibiotikaära mit deren Hygiene und Therapie kann jetzt weiterhelfen. Voraussetzung ist allerdings, den ungesteuerten Verbrauch von Antibiotika in allen Lebensbereichen zu beenden.

Dr. med. Claus Ruda, 12167 Berlin

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