ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2013Hydrogelverband obsolet
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Es ist für mich aber ein nicht zu verstehendes Phänomen, dass in keiner der Richtlinien als Grundlage für eine hygienische Wundversorgung vor jeder weiteren Maßnahme ein Seifenbad/Duschbad gehört. Wasser, sogar sterile Kochsalzlösung hätten keine Evidenz ergeben. Hierdurch würde jede chirurgische Händewaschung und jede Empfehlung der Hygienekommission, nach den Kontakten mit Kranken die Hände zu waschen, konterkariert.

Was machen denn die Kollegen bei verdreckten und massiv stinkenden Wunden, bei blutig verklebten Kopfhaaren, bei eingewachsenen Strümpfen, Maden und Insektenbefall?

Der Sinn jeder Spülung besteht doch darin, in den Körperhöhlen und auch auf der Haut die massive Verunreinigung durch beispielsweise Bakterien, Pilze oder Insekten auf ein Minimum zu reduzieren. Steril kann man die Wunde wegen der Umgebung nie bekommen.

Mit dem Beseitigen von Eiweiß, Fett und Detritus entziehen man allen Erregern den Nährboden. Erst nach dieser Grundmaßnahme sind weitere Therapien vorzunehmen.

Womit dann die Wunde versorgt wird, ist ohne wesentliche Bedeutung, falls keine Allergie besteht. Sterile Abdeckung und möglichst täglicher Verbandswechsel sind erforderlich.

Daher sind in unserer Obdachlosenpraxis Hydrogelverbände nicht erlaubt. Spätestens nach 24 Stunden findet sich in Abstrichen fast immer ein massives Wachstum von meist Streptococcus aureus. Bei venös-lymphatischer Stauung ist die Kompressionstherapie essenziell.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0372b

Dr. med. Fred Reiß
Berliner Straße 99

14169 Berlin

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Rüttermann M, Maier-Hasselmann A, Nink-Grebe B, Burckhardt M: Local treatment of chronic wounds in patients with peripheral vascular disease, chronic venous insufficiency and diabetes. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(3): 25–31. VOLLTEXT
1.Rüttermann M, Maier-Hasselmann A, Nink-Grebe B, Burckhardt M: Local treatment of chronic wounds in patients with peripheral vascular disease, chronic venous insufficiency and diabetes. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(3): 25–31. VOLLTEXT

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