ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2013Wundprodukte nicht komplett entbehrlich
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Es wird deutlich dargestellt, dass die Evidenzgrundlage für die Bewertung der meisten aktuell für die Wundbehandlung eingesetzten Wundprodukte unzureichend ist. Wenn nun aber der Mangel an Evidenz dazu führen sollte, dass diese Wundprodukte als nicht effektiv angesehen werden und in der Folge möglicherweise nicht mehr erstattet werden, dann werden wir den in den letzten Jahrzehnten entwickelten Fortschritt komplett stoppen. Wir scheitern hierbei an unseren eigenen Ansprüchen an solche Medizinprodukte. Es wird oft erwartet, dass der Einsatz eines bestimmten Wundproduktes die zuvor stagnierende Wundheilung beschleunigt. Man sollte in den Produkten aber das sehen, was sie sind – Hilfsmittel, die einige Teilaspekte des sehr komplexen Behandlungsablaufs, wie beispielsweise Exsudatmanagement oder Schmerzvermeidung, sehr effektiv unterstützen können und somit die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern (1). Diese Parameter sind als Zielkriterien in vielen Studien aber nicht abgebildet. Ob die Wunden letztendlich heilen oder nicht, ist zentral von der kausalen Behandlung und nicht von den Wundprodukten abhängig. Als Beispiel ist es bei einem Ulcus cruris venosum essenziell, ob die zugrundeliegende chronische venöse Insuffizienz (CVI) therapiert wurde. Für die Behandlung der CVI gibt es dann auch eine deutlich bessere Evidenz (2, 3). In solchen Metaanalysen findet man bereits in der Einleitung den Hinweis, dass die moderne feuchte Wundtherapie der Behandlungsstandard dieser Patienten sein sollte.

Es gilt zu befürchten, dass ein Fehlen der Evidenz der Wundprodukte dahingehend interpretiert werden kann, dass diese Wundprodukte komplett entbehrlich sind. Diese Schlussfolgerung wäre aber falsch, denn einige dieser Wundprodukte können eingebettet in eine kausale Therapie die Wundheilung in vielen Aspekten durchaus sehr effektiv unterstützen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0373b

Prof. Dr. med. Joachim Dissemond

Universitätsklinikum Essen, Klinik und Poliklinik für Dermatologie,
Venerologie und Allergologie

Joachim.dissemond@uk-essen.de

Interessenkonflikt

Prof. Dissemond erhielt Honorare für Beratertätigkeiten von KCI, Medoderm, Urgo, Coloplast und Druco.

Für eine Autorenschaft im Rahmen der Publikation, bei der ein Bezug zum Thema besteht, bekam er Honorare von Lohmann & Rauscher, Druco und Hartmann.

Er wurde honoriert für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen und bekam Erstattung von Kongressgebühren, Reise- und Übernachtungskosten von 3M, B. Braun, Coloplast, Druce, KCI, Lohmann & Rauscher, Customed, Systagenix, UCB-Pharma und Urgo.

Für die Durchführung von klinischen Auftragsstudien erhielt er Honorare von 3M, Convatec, Customed, Urgo und Bayer.

1.
Wozniak G, Mauckner P, Steinsträsser L, Dissemond J: Standardisierte Wundtherapie. Gefäßchirurg 2011; 16: 281–92 CrossRef
2.
Nelson EA, Bell-Syer SE: Compression for preventing recurrence of venous ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2012; 8: CD002303. MEDLINE
3.
O’Meara S, Cullum N, Nelson EA, Dumville JC: Compression for venous leg ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2012; 11: CD000265 MEDLINE
4.
Rüttermann M, Maier-Hasselmann A, Nink-Grebe B, Burckhardt M: Local treatment of chronic wounds in patients with peripheral vascular disease, chronic venous insufficiency and diabetes. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(3): 25–31. VOLLTEXT
1.Wozniak G, Mauckner P, Steinsträsser L, Dissemond J: Standardisierte Wundtherapie. Gefäßchirurg 2011; 16: 281–92 CrossRef
2.Nelson EA, Bell-Syer SE: Compression for preventing recurrence of venous ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2012; 8: CD002303. MEDLINE
3.O’Meara S, Cullum N, Nelson EA, Dumville JC: Compression for venous leg ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2012; 11: CD000265 MEDLINE
4. Rüttermann M, Maier-Hasselmann A, Nink-Grebe B, Burckhardt M: Local treatment of chronic wounds in patients with peripheral vascular disease, chronic venous insufficiency and diabetes. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(3): 25–31. VOLLTEXT

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