ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2013Klare Entscheidungskriterien fehlen
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Die vorgestellte Leitlinie erfüllt die formalen Kriterien des S3-Niveaus. Die wesentlichen Aussagen basieren aber auf einer Konsensbildung, was eher dem Charakter eines S1-Niveaus entspricht. Welche Aussagekraft kommt dieser Leitlinie nun zu? Hier sind weniger die Autoren gefragt als die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) selber. Welchen Sinn macht eine Leitlinie auf S3-Niveau, wenn von 4 998 analysierten Literaturstellen nur 38 randomisierte kontrollierte Studien darstellen? Gibt es von Seiten der AWMF Mechanismen, die eine gewissen Evidenz als Grundlage der Erstellung einer S3-Leitlinie fordern, oder sagt S3 nur etwas über das Zustandekommen aus, aber nichts über die Aussagekraft des Inhalts?

Diese fehlende Evidenz führt dazu, dass klare Entscheidungskriterien in der Leitlinie fehlen. So heißt es zu den Wundauflagen: „In den dazu vorhandenen Studien kann keines der untersuchten Materialien (Alginat, Schaumstoff, Acrylat, Hydrokolloid, Hydrofaser, feuchte Kompresse, Gaze) gegenüber anderen Materialien einen Vorteil für die Wundheilung nachweisen.“ „Bei der Auswahl der Materialien sollen folgende Gesichtspunkte, in Abstimmung mit den Zielen des Patienten und den Erfordernissen der Wundsituation und Wirtschaftlichkeit, im Vordergrund stehen: Schmerzvermeidung, Praktikabilität für den Patienten, Zustand von Wundrand und Wundumgebung, Haftstarke, Exsudataufnahme und -rückhaltefähigkeit, Allergien und Verträglichkeit (Expertenkonsens).“

Die Aussage, dass „für keines der untersuchten Materialien ein Vorteil nachgewiesen wurde“ führt dazu, dass von keinem der Materialien abgeraten werden kann und der ärztliche und/oder pflegerische Wundexperte selbst die Auswahl treffen soll. Zusammengefasst vertraut die S3-Leitlinie damit dem Ausbildungsstand und der Erfahrung des Wundexperten. Dies stellt die Bedeutung der qualifizierten Wundexperten heraus, deren Ausbildung ein wichtiges Ziel der Initiative „Chronische Wunden e.V. “ ist.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0374a

Prof. Dr. med. Knut Kröger

Klinik für Gefäßmedizin

HELIOS Klinikum Krefeld GmbH, Krefeld

knut.kroeger@helios-kliniken.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Rüttermann M, Maier-Hasselmann A, Nink-Grebe B, Burckhardt M: Local treatment of chronic wounds in patients with peripheral vascular disease, chronic venous insufficiency and diabetes. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(3): 25–31. VOLLTEXT
1.Rüttermann M, Maier-Hasselmann A, Nink-Grebe B, Burckhardt M: Local treatment of chronic wounds in patients with peripheral vascular disease, chronic venous insufficiency and diabetes. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(3): 25–31. VOLLTEXT

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