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Wir bedanken uns bei allen, die die S3-Leitlinie zur Lokaltherapie gelesen und einen fachlich-kritischen Diskurs dazu in Form von Leserbriefen geführt haben. Herr Prof. Dr. Dissemond beschreibt sehr treffend, dass den Wundauflagen als solchen häufig zu viel Bedeutung beigemessen wird und die Wundheilung letztendlich zentral von der kausalen Behandlung und nicht von den Wundauflagen abhängig ist.

Eine Diskussion um die Entbehrlichkeit von Wundauflagen wäre in der Tat nicht zielführend. Aufgrund fehlender belastbarer Studienergebnisse hat die Leitliniengruppe daher „Good Clinical Practice“-Empfehlungen verabschiedet, die klare Anforderungen an die Wundbehandlung (siehe unter anderem die Empfehlungen E 28 und E 29) definieren und damit die Grundlage für die Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden auf der Basis systematisch konsentierter Expertenmeinung geschaffen.

Ebenso wurden zu beachtende Kriterien für den Einsatz von Wundbehandlungsprodukten mit den beteiligten Fachgesellschaften der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) konsentiert. Die Beachtung dieser Kriterien sollte zu einem sinnvollen Einsatz der Wundauflagen im Rahmen einer patientenorientierten Behandlung führen.

Fehlende Evidenz sollte nicht Befürchtungen schüren, sondern zu einer klaren Forderung nach einer Nutzenbewertung der Wundauflagen mit patientenrelevanten Endpunkten führen.

Die Negativempfehlung für medizinischen Honig resultiert in der Tat aus einer Untersuchung zum chronischen Ulcus cruris venosum, und vergleichbare Daten für das diabetische Fußsyndrom liegen nicht vor. Aufgrund der vorliegenden Evidenz hat sich die Leitliniengruppe unter Abwägung möglicher Patientenbelastung und Kosten für eine Negativempfehlung entschlossen.

Wie von Herrn Dr. Zerm korrekt angegeben, fehlt auch der Beleg eines positiven Effektes von Honig auf die Wundheilung durch qualitativ hochwertige Studien. Dies gilt für alle Wunden im Zielbereich der Leitlinie.

Wir teilen den Wunsch von Herrn Dr. Zerm nach qualitativ hochwertiger Evidenz, nicht nur für die Honigtherapie.

Die Empfehlung der Leitlinie, dass die hyperbare Sauerstofftherapie „nach Ausschöpfen von Revaskularisationsmaßnahmen, bei amputationsbedrohter Extremität als zusätzliche Therapieoption verwendet werden sollte“, wurde auf Basis der vorliegenden Evidenz zum Zeitpunkt der Empfehlungskonsentierung verabschiedet. Bei der Aktualisierung der Leitlinie wird die Empfehlung an neue, relevante Evidenz angepasst.

Wir danken Herrn Dr. Reiß für seine kritischen Anmerkungen und teilen seine Auffassung, dass eine zielführende Wundbehandlung die Beachtung hygienischer Aspekte, die Einhaltung von Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts sowie individuelle Körperhygiene ebenso erfordert, wie zum Beispiel die aktive periodische Wundreinigung.

Die systematische Aufarbeitung der Evidenz gilt heutzutage als Qualitätsstandard von Leitlinien (1, 2). Die Leitlinie wurde aufgrund der Methodik ihrer Erstellung von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. gemäß deren Regelwerk als S3-Leitlinie (3) anerkannt, wie Herr Prof. Dr. Kröger richtig beschreibt. Den Unterschied zwischen einer S3- und einer S1-Leitlinie können Herr Prof. Dr. Kröger und alle Interessierten jederzeit auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften nachlesen (3).

Eine S3-Leitlinie setzt eine systematische Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin und eine strukturierte Konsensfindung in einem repräsentativen Gremium voraus.

Wird keine belastbare Evidenz gefunden, verbleibt erhebliche Unsicherheit, die ausgedrückt und mit der umgegangen muss.

Notwendig sind Transparenz und Entscheidungshilfen, die durch die Evidenzdarlegung und klar als Expertenmeinung gekennzeichnete Empfehlungen geschaffen wurden.

Diese Evidenzlage muss auch bei der Patientenaufklärung und in der Praxis berücksichtigt werden. Um dem Anspruch auf Transparenz gerecht zu werden, sind im Methodenbericht zur Leitlinienentwicklung die Prozessschritte ausführlich beschrieben.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0374b

Dr. med. Mike Rüttermann

Consultant Plastic Surgeon

University Medical Center Groningen

9700 RB Groningen/NL

mikeruettermann@yahoo.com

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Brouwers MC, Kho ME, Browman GP, Burgers JS, Cluzeau F, Feder G, Fervers B, Graham ID, Grimshaw J, Hanna SE, et al.: AGREE II: advancing guideline development, reporting, and evaluation in health care. Prev Med 2010, 51: 421–4 CrossRef MEDLINE
2.
Deutsches Instrument zur methodischen Leitlinien-Bewertung (DELBI). Fassung 2005/2006 + Domäne 8 (2008). www.leitlinien.de/leitlinienmethodik/leitlinienbewertung/delbi.
3.
Das AWMF-Regelwerk Leitlinien. Ständige Kommission „Leitlinien“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).1th edition 2012. www.awmf.org/leitlinien/awmf-regelwerk/ll-entwicklung/awmf-regelwerk-01-planung-und-organisation.html.
4.
Rüttermann M, Maier-Hasselmann A, Nink-Grebe B, Burckhardt M: Local treatment of chronic wounds in patients with peripheral vascular disease, chronic venous insufficiency and diabetes. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(3): 25–31. VOLLTEXT
1.Brouwers MC, Kho ME, Browman GP, Burgers JS, Cluzeau F, Feder G, Fervers B, Graham ID, Grimshaw J, Hanna SE, et al.: AGREE II: advancing guideline development, reporting, and evaluation in health care. Prev Med 2010, 51: 421–4 CrossRef MEDLINE
2.Deutsches Instrument zur methodischen Leitlinien-Bewertung (DELBI). Fassung 2005/2006 + Domäne 8 (2008). www.leitlinien.de/leitlinienmethodik/leitlinienbewertung/delbi.
3.Das AWMF-Regelwerk Leitlinien. Ständige Kommission „Leitlinien“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).1th edition 2012. www.awmf.org/leitlinien/awmf-regelwerk/ll-entwicklung/awmf-regelwerk-01-planung-und-organisation.html.
4.Rüttermann M, Maier-Hasselmann A, Nink-Grebe B, Burckhardt M: Local treatment of chronic wounds in patients with peripheral vascular disease, chronic venous insufficiency and diabetes. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(3): 25–31. VOLLTEXT

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