ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996Thrombolyse mit rt-PA beim Schlaganfall

MEDIZIN: Referiert

Thrombolyse mit rt-PA beim Schlaganfall

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LNSLNS Die thrombolytische Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls wurde bisher wegen der hierbei gehäuft auftretenden Hirnblutungen kontrovers diskutiert. Nachdem in einer Pilotstudie bei Patienten der frühzeitige Einsatz von rt-PA zu günstigen Ergebnissen geführt hatte, wurde eine amerikanische Multicenterstudie zu dieser Fragestellung initiiert.
In dieser Studie wurden 624 Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall binnen drei Stunden randomisiert in doppelblinder Manier mit dem Thrombolytikum rt-PA (recombinant tissue plasminogen activator) in einer Dosis von 0,9 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht über 60 Minuten behandelt. Neben den üblichen Ausschlußkriterien für Thrombolysen wurden antikoagulierte Patienten oder Patienten mit Krampfanfall im Rahmen der Apoplexie von der Studie ausgeschlossen. Der Blutdruck wurde gemäß vorher festgelegten Kriterien eingestellt. Eine weitere Behandlung mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregationshemmern war erst nach 24 Stunden möglich.
In der Frühphase konnte in der rt-PA-behandelten Gruppe keine signifikante Verbesserung des neurologischen Defizits gegenüber der Plazebo-Gruppe festgestellt werden, obwohl sich ein positiver Trend bezüglich neurologischer Verbesserung abzeichnete. Dagegen war nach drei Monaten die Wahrscheinlichkeit, keine oder nur eine minimale Störung aufzuweisen, um 30 Prozent größer.
Symptomatische intrakranielle Hämorrhagien traten in den ersten 36 Stunden bei 6,4 Prozent der lysierten Patienten, dagegen nur bei 0,6 Prozent der Kontroll-Gruppe auf. Trotzdem lag die Gesamtmortalität nach drei Monaten in der rt-PA-Gruppe mit 17 Prozent niedriger als mit 21 Prozent in der Plazebo-Gruppe.
Die Autoren folgern, daß trotz einer erhöhten Rate an hämorrhagischen Komplikationen die thrombolytische Behandlung des ischämischen Schlaganfalls mit rt-PA zu einer signifikanten Besserung der neurologischen Defizite nach drei Monaten führt. acc


The National Institute of Neurological Disorders and Stroke rt-PA Stroke Study Group: Tissue plasminogen activator for acute ischemic stroke. N Engl J Med 1995; 333: 1581–7
Dr. J. Marler, Div. of Stroke and Trauma, National Institute of Neurological Disorders and Stroke, Federal Bldg., Rm 800, 7550 Wisconsin Ave., Bethseda, MD 20892, USA

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