ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1998Osteoporose: Bericht zur Lage in Europa liegt vor

SPEKTRUM: Akut

Osteoporose: Bericht zur Lage in Europa liegt vor

Marnach, Barbara

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O steoporose ist eine Krankheit, die bei vielen Betroffenen immer noch unerkannt und unbehandelt bleibt. Doch ihre Auswirkungen sind enorm. Das macht der "Bericht über Osteoporose in der Europäischen Gemeinschaft" deutlich, der auf dem Europäischen Osteoporose-Kongreß in Berlin vorgestellt wurde. Wie die Vizepräsidentin des Europäischen Parlamentes, Ursula Schleicher, erklärte, wurden damit zum ersten Mal umfassende Daten zur Osteoporose für die Länder der Europäischen Union (EU) zusammengestellt. Dem Bericht zufolge erleidet in der EU etwa jeder achte Bürger über 50 Jahre eine Wirbelkörperfraktur aufgrund von Osteoporose. Bei jeder dritten Frau und jedem neunten Mann über 80 Jahre treten Oberschenkelhalsbrüche durch Osteoporose auf.

W ie bereits frühere Studien zeigen, hat eine Hüftfraktur insgesamt eine Mortalitätsrate zwischen 15 und 30 Prozent mit der höchsten Zahl an Todesfällen in den ersten sechs Monaten nach der Fraktur. Nach Schätzungen der internationalen Expertengruppe, die den Bericht erarbeitete, muß in den nächsten Jahrzehnten mit einer rasanten Zunahme von osteoporosebedingten Frakturen innerhalb der EU gerechnet werden. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der hohen Geburtenrate in der Nachkriegszeit prognostiziert die Kommission für die nächsten 50 Jahre einen Anstieg allein von Oberschenkelhalsfrakturen um mehr als das Doppelte auf insgesamt etwa 972 000 Fälle pro Jahr. Das ist ein Zuwachs von 132 Prozent. Deutschland ist davon besonders betroffen.

Neben England, Frankreich und Italien gehört Deutschland infolge der Bevölkerungsstruktur zu den Ländern mit der höchsten Zunahme an Schenkelhalsfrakturen in der EU. Abgesehen von dem persönlichen Leid der Patienten entstehen durch die Erkrankung bereits heute beträchtliche Kosten für das Sozialversicherungssystem. Dem Bericht nach belastet Osteoporose das europäische Gesundheitswesen mit mehr als sieben Milliarden DM pro Jahr nur für Krankenhausbehandlungen. Auch bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) findet das Thema Osteoporose vermehrt Beachtung. Zur Zeit arbeitet ein internationales Expertengremium an Therapieleitlinien. WHO-Direktor Dr. André Prost betonte während des Kongresses: "Die Osteoporose gehört inzwischen zu der Gruppe von Erkrankungen, denen bei Prävention und Diagnostik Vorrang in der WHO eingeräumt wird." Barbara Marnach

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