ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2013Radiologie: Wo die Diagnose entsteht
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Die Stellungnahme von Prof. Werner Golder enthält sicher viele Wahrheiten über die Stellung der Radiologie in der Medizin des 21. Jahrhunderts. Dennoch kann der Artikel aus radiologischer Sicht nicht unkommentiert bleiben: Er impliziert, teilweise offen, teilweise auch zwischen den Zeilen, dass der Radiologe an sich verzichtbar ist, wenn der moderne digitale Datensatz der durchgeführten Untersuchung nur „gut“ genug ist, weil dann ja die Diagnose sich aus den Bildern erschließt. Nein, Herr Prof. Golder, dem ist beileibe nicht so: Die radiologische Diagnose findet nicht im Bild statt, sie findet im Kopf des Radiologen statt, sie entsteht aus den vorliegenden Informationen über den Patienten und dem Gespräch mit dem Patienten und dem Abgleich der durchgeführten Untersuchung mit der radiologischen Erfahrung des Kollegen/der Kollegin bezüglich einer möglichen/wahrscheinlichen Diagnose.

Diesen Prozess auf einen 3-D-Datensatz zu reduzieren, geht völlig an der Wirklichkeit vorbei, und die Radiologen, wenn sie als klinische Radiologen im engen Kontakt und Austausch mit ihren Kollegen aus den anfordernden Fachgebieten leben und arbeiten und auch im Patientenkontakt stehen, sind die Einzigen, die auch seltene Befunde und Befunde aus angrenzenden Organstrukturen, die eigentlich nicht Ziel der Untersuchung waren, eingrenzen und einordnen können und gleichzeitig die Befunde der radiologischen Bilder in den klinischen Kontext einbetten können.

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Radiologie des 21. Jahrhunderts ist eines der am schnellsten expandierenden Fachgebiete der Medizin und übt eine zentrale Funktion in der Diagnostik aus. Sie muss in der Hand des unabhängigen Radiologen bleiben und darf nicht zum Spielball der Interessen mächtiger Fachgebiete werden . . .

Jürgen Witt, Radiologe, 74172 Neckarsulm

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