ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2013Radiologie: Kein Auslaufmodell
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Ihr oben genannter Artikel fordert Widerspruch heraus, und zwar auch von Lesern, welche nicht Radiologen sind, sondern lediglich Röntgenstrahlen im Rahmen ihres Teilgebietes anwenden.

Zunächst ist richtigzustellen, dass im Fall jeglicher Bildgebung das Urheberrecht uneingeschränkt demjenigen zusteht, der das jeweilige Bildwerk anfertigt, und zwar selbstverständlich unabhängig davon, ob die betreffende Bildgebung mit analoger oder digitaler „Hardware“ durchgeführt wird . . .

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Nicht nachvollziehbar erscheint auch, wenn der Autor von einer „im Einzelfall beträchtlichen Unterlegenheit des Radiologen gegenüber dem Kliniker“ spricht. Bei einem konstruktiven Verständnis interdisziplinärer Zusammenarbeit ist der Radiologe nicht als unterlegener „Vertreter einer medizinischen Hilfswissenschaft“ anzusehen, sondern als kompetenter und kompetenzmäßig gleichgestellter Partner des Klinikers.

Dies gilt sicherlich auch für operative Fächer; der operierende Kliniker ist tatsächlich nicht dem Radiologen überlegen, nur weil er das Bildmaterial mit dem Situs unmittelbar vergleichen kann, sondern zunächst einmal weist der Radiologe dem Kliniker im Zweifelsfall den Weg, was wo überhaupt zu operieren ist.

Zur digitalen Nachbearbeitung ist richtigzustellen, dass diese nicht nur gegebenes Bildmaterial potenziell ansehnlicher, aussagefähiger sowie leichter und zuverlässiger interpretierbar macht, sondern ebenso auch tatsächliche morphologische Verhältnisse verfälschen und Artefakte produzieren kann. Dies gilt grundsätzlich auch für zwei-, drei- und vierdimensionale Rekonstruktionen. Je weitergehend technische Verfahren ausdifferenzieren, desto profundere Kenntnisse werden erforderlich sein, um insgesamt die Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Verfahren und ihrer in Betracht kommenden bildgebenden Alternativmethoden zu beurteilen. Je vielfältiger die bildgebenden Techniken werden, desto mehr erfordern sie einen Experten, welcher die betreffenden Methoden unter Kenntnis ihrer Potenziale, Limitierungen und Alternativen anwenden kann und auch Impulse zur technologischen Weiterentwicklung gibt. Für diese Funktion sind und bleiben Radiologen aus meiner persönlichen Sicht auch weiterhin prädestiniert . . . Auch künftig wird eine fundierte Weiterentwicklung der bildgebenden Methoden konstruktiven Dialog mit radiologischen Experten erfordern, auch auf Ebene der Entwickler und Gerätehersteller. Bereits unter diesem Aspekt wird die Radiologie daher auch künftig wohl nicht „zum wissenschaftlichen Auslaufmodell“ werden. Insgesamt kann die Intention dieses Artikels wenig nachvollzogen werden, es sei denn, er wurde abgedruckt, um eine Diskussion zum tatsächlich nach wie vor gegebenen hohen Stellenwert der Radiologie anzustoßen.

Prof. Dr. med. Jörg Piper, Chefarzt der Inneren Medizin, Meduna-Klinik, 56864 Bad Bertrich

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