ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2013Radiologie: Der Generalist
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Es ist sicher richtig, dass die digitale Radiographie die Radiologie verändert hat. Der Artikel betont aber doch sehr die scheinbar negativen Seiten.

Die Möglichkeit zur vielfältigen Betrachtung und Bearbeitung der Aufnahmen hat auch sehr viele Vorteile. Es ist mit wenig Aufwand möglich, Voraufnahmen zu beschaffen und in Befunde einzubeziehen. Die Möglichkeit, Kollegen Bilder zur Verfügung zu stellen, kann man auch als Vorteil sehen, zudem ist durch die vereinfachte Handhabung der Bilder eine wesentlich schnellere Befunderstellung möglich.

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Natürlich ist die Radiologie in vielen Fällen ein Dienstleister für andere Fachrichtungen, und der Kontakt zu den Patienten wird zu großen Teilen über die Radiologieassistenten erfolgen. Zumindest unter den Bedingungen eines großen Krankenhauses sind die Kollegen aber dankbar, dass sie diesen Partner haben. Sicher werden viele Fachrichtungen „ihre“ Diagnosen selbst stellen, was ist aber mit den vielen Nebenbefunden und „fachfremden“ Diagnosen? Es ist doch schon immer ein Nachteil der Teilgebietsradiologie, dass hier ein eingeengtes Blickfeld bestehen kann. Die Radiologie hat in vielen Fällen die Aufgabe eines Generalisten, der so in einem Krankenhaus kaum vorkommt. Das haben mir meine Mentoren vor 15 Jahren schon beigebracht, und ich gebe es meinen jüngeren Kollegen so weiter. Nicht umsonst ist in qualitätsgesicherten Tumorkonferenzen oder Zentren fast immer auch ein Radiologe gefordert, und dessen Aufgabe geht deutlich über das Präsentieren der Bilder hinaus.

Das Thema des Umgangs mit Daten ist sicher ein heikles Gebiet. Ich sehe es aber kaum als Problem an, dass andere über „meine“ Bilder verfügen. Natürlich kann man die Daten vielfach aufbereiten, oft ist aber nicht bewusst, dass dabei häufig ein Teil der Information verlorengeht, und „eindrucksvolle plastische Qualität“ ist halt noch keine Diagnose.

Ich stimme dem Kollegen Golder zu, dass die Radiologie nicht allein in der Bildgebung tätig ist und diese in wechselnden Anteilen von anderen Fachdisziplinen wahrgenommen wird. Große Teile der Anwendung ionisierender Strahlen, der MRT und oft auch der Sonographie sind aber Kernbereich unserer Tätigkeit und sollten es auf absehbare Zeit auch bleiben. Hier muss auch betont werden, dass der Strahlenschutz zu diesen zentralen Kompetenzen des Radiologen gehört.

Die minimal-invasiven Interventionen sind ein Bereich, der auch in Kooperation mit Nachbardisziplinen ausgeführt wird. Durch die rasche Entwicklung dieser Techniken wollen und sollen viele Kollegen und Fachrichtungen teilhaben. In diesem Bereich ist so viel Arbeit und Entwicklung möglich, dass es möglich sein sollte, die Aufgaben interdisziplinär zu verteilen . . .

Stephan Triebe, Arzt für diagnostische Radiologie, 85092 Kösching

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