ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2013Modellbildung in der Medizin: Der virtuelle Patient

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Modellbildung in der Medizin: Der virtuelle Patient

Dtsch Arztebl 2013; 110(21): A-1047 / C-908

Krüger-Brand, Heike E.

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Die Virtualisierung des Menschen hat eine lange Geschichte, wie das Titelbild des vorliegenden Bandes – ein verfremdeter Holzschnitt des Malers Albrecht Dürer – andeuten soll. In der Medizin erhalten virtuelle Techniken und Modelle durch die rasanten Entwicklungen in der Medizin- und Informationstechnik sowie in der Systembiologie eine neue Dimension. Sie scheinen künftig die Entwicklung und Erprobung neuer Medikamente und innovativer Prozeduren an Patientenmodellen zu ermöglichen. Therapien könnten vor der Anwendung am Patienten auf Verträglichkeit und Wirksamkeit mittels individueller Patientenmodelle geprüft werden – Stichwort: individualisierte Medizin.

Was diese Entwicklung für Forschung, Versorgung und Ausbildung bedeutet, und welche ethischen und gesellschaftlichen Aspekte sich möglicherweise daraus ergeben, thematisiert der Sammelband in Aufsätzen aus verschiedenen Fachrichtungen. Anlass war eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen des 18. Dresdner Palais-Gesprächs im September 2011, zu dem das Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt und der Fachausschuss Medizintechnik der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE eingeladen hatten. Der Band enthält sieben Referate aus dieser Veranstaltung und weitere durchweg spannend zu lesende, qualitativ hochwertige Beiträge, so dass sich ein breites fachliches Spektrum ergibt.

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So erläutert etwa der Mathematiker Prof. Dr. Hans-Otto Peitgen, Bremen, wie sich zwar die Radiologie rasant hin zu höheren Auflösungen, neuen funktionellen Kontrasten und höheren Geschwindigkeiten entwickelt. Die Beurteilung der riesigen Datenmengen wird jedoch noch immer weitgehend durch das Auge des geschulten Radiologen limitiert. In der Krebstherapie beruht die Verlaufskontrolle weitestgehend auf einer manuellen Größenbestimmung der Tumoren. Eine computergestützte Volumenbestimmung, das heißt die Nutzung mathematischer Modellierung und Quantifizierung, könnte Peitgen zufolge die Fehleranfälligkeit dieses Verfahrens drastisch verringern.

Weitere Themen betreffen beispielsweise Verfahren der Modellierung und Simulation in der Kardiologie und bei der Implantatversorgung, und auch im Rahmen der ärztlichen Ausbildung spielen virtuelle Patienten zunehmend eine Rolle. Heike E. Krüger-Brand

Wolfgang Niederlag, Heinz U. Lemke, Hans Lehrach, Heinz-Otto Peitgen: Der virtuelle Patient. Zukünftige Basis für Diagnose und Therapie? Health Academy, Band 16, Dresden 2012, 367 Seiten, Hardcover, 25 Euro

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