ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2013Börsebius: Das kalte Grausen

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Börsebius: Das kalte Grausen

Dtsch Arztebl 2013; 110(21): A-1055 / B-919 / C-915

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Vor gut acht Wochen habe ich mich an dieser Stelle über die Commerzbank und die enormen Verluste ausgelassen, die sowohl vom Steuerzahler als auch von den Aktionären zu verkraften sind („Göttliche Wegelagerer“, Deutsches Ärzteblatt, Heft 13/2013).

Bei der letzten Börsebius-Telefonberatung begrüßten denn auch etliche Anrufer den Inhalt der Kolumne. Sie waren ebenso der Meinung, dass die Commerzbank als ziemlicher Kapitalvernichter gehörig viel Respekt verspielt hat. Aber es gab durchaus auch Kritik an meinem Beitrag, und dies insbesondere von einem Kenner des Geschehens: Einem Mitarbeiter der Frankfurter Kanzlei Hogan & Lovells, der in die Verhandlungen der Bundesregierung (Soffin) in Sachen Kapitalerhöhung der Commerzbank involviert war, stieß der Beitrag mächtig auf.

Der Insider fordert in seinem Schreiben aber leider nur platt den „Austausch des Wirtschaftsjournalisten“ und beklagt die seiner Meinung nach „pauschale“ und angeblich falsche Darstellung. Warum dies so sei, wurde aber nicht näher ausgeführt. Immerhin wurden die in der Kolumne genannten harschen Verluste nicht infrage gestellt. Wie denn auch.

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Nun ist aber mittlerweile zur jüngsten Kapitalerhöhung der Commerzbank die Katze aus dem Sack: Um ihre neuen Aktien mit dem Volumen von 2,5 Milliarden Euro überhaupt platzieren zu können, muss die Bank den Investoren einen überaus niedrigen Preis von 4,50 Euro bieten. Das ist nach alter Rechnung, vor der Zusammenlegung von Aktien im Verhältnis 10 : 1, ein Gegenwert von sagenhaft niedrigen 0,45 Euro. Wer sich überlegt, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen, mag sich das genau überlegen, denn Schleuderpreis heißt noch lange nicht Schnäppchenpreis. Auch wenn der Börsenkurs danach optisch billig ist – preiswert ist die Commerzbank-Aktie erst dann, wenn das Institut nachhaltig profitabel ist. Danach sieht es meiner Meinung nach im Moment noch nicht aus.

Nach wie vor ist die vorläufige Bilanz für den Steuerzahler eine Katastrophe. Der Staat hat in den letzten drei Jahren für Aktien der Commerzbank die gewaltige Summe von 5,05 Milliarden Euro eingesetzt. Nach der Kapitalerhöhung wird das Paket – aus heutiger Sicht – nur etwa 1,55 Milliarden Euro wert sein. Damit ist der Steuerzahler in völlig ungebührlicher Weise an der Sanierung der Commerzbank beteiligt, und zwar zwangsweise. Relativ freiwillig dagegen – es zwingt ja niemand einen Börsianer, Commerzbank-Aktien zu kaufen – ist der Verlust für die Altaktionäre. Aber da der mittlerweile mehr als 90 Prozent beträgt, ist auch das ein absolutes Debakel. Da bleibt nur das kalte Grausen.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 1. Juni 2013 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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