AKTUELL: Akut

Erstmals menschliche embryonale Stammzellen geklont

Dtsch Arztebl 2013; 110(21): A-1014 / B-886 / C-882

Richter-Kuhlmann, Eva

Wissenschaftsgeschichte schrieb vermutlich Shoukhrat Mitalipov von der Oregon Health & Science University in Oregon: 17 Jahre nach Klonschaf Dolly und neun Jahre nach dem vermeintlichen Durchbruch beim Klonen von menschlichen Stammzellen gelang es ihm als erstem Forscher offensichtlich tatsächlich, menschliche embryonale Stammzellen durch Klonen herzustellen. In „Cell“ (2013; 10.1016/ j.cell. 2013.05.006) stellte er seine Experimente jetzt detailliert vor, mit denen sich zu therapeutischen Zwecken genetisch identische Kopien eines Lebewesens schaffen lassen.

Er und sein Team hatten Zellkerne aus Hautzellen von Kindern entnommen und jeweils einen Chromosomensatz einer Eizelle eingepflanzt, aus der sie die Erbinformation zuvor entfernt hatten. Der offenbar entscheidende Punkt bei dem schon oft vorher versuchten somatischen Zellkerntransfer: Mitalipov hielt die Eizelle im Stadium der Metaphase II der Meiose, bis der Zellkerntransfer abgeschlossen war. Zudem nutzten die Forscher eine koffeinhaltige Nährlösung. Bislang waren Klonierungsversuche daran gescheitert, dass mit der Entfernung des Zellkerns aus der Eizelle auch deren Fähigkeit zur ungehemmten Zellteilung verloren ging.

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Aus der sich unter diesen bestimmten Bedingungen entwickelnden Blastozyste entnahm der Forscher die embryonalen Stammzellen. Der Embryo, der genetisch identisch zu jenem Kind war, dem die Hautzelle entnommen worden war, bestand beim Abbruch des Experiments aus etwa 150 Zellen. „Eine gründliche Untersuchung der durch diese Methoden gewonnenen Stammzellen hat ihre Fähigkeit, sich wie normale embryonale Stammzellen in andere Zellarten zu verwandeln, bestätigt“, teilte Mitalipov mit. Die Zellen können nach seiner Meinung Nerven-, Leber-, Herz- und andere Zellen ersetzen und für Transplantationen genutzt werden. Dabei bestehe kaum die Gefahr, dass der Körper die mit seiner eigenen Erbinformation geschaffenen Zellen abstoße.

Der Forscher und sein Team betonen, dass es nicht darum gehe, menschliche Klone zu erschaffen. Ein reproduktives Klonen sei nicht beabsichtigt und zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch nicht möglich, versichert er. Dennoch verurteilen Kirchen, zahlreiche Politiker und auch Wissenschaftler die Experimente, bei denen mehr als 120 menschliche Embryonen gebildet werden mussten, um sechs Stammzelllinien zu erzeugen und gesunde junge Frauen zuvor den Risiken der Eizellentnahme ausgesetzt waren. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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