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Den Autoren ist für ihre gründliche Darstellung der alarmierenden Entwicklung der Opiatverordnungen (1) zu danken. Psychologische Aspekte spielen bei chronischem Nicht-Tumor-Schmerzen (CNTS) eine herausragende Rolle, weshalb die in der heutigen technisierten Medizin übliche Eskalation in Diagnostik und Therapie häufig nicht zu einer Besserung, sondern zu einer weiteren Verschlechterung führt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei Patienten mit völlig leerer Suchtanamnese unter Opiatanalgesie zu einer de-novo-Suchterkrankung kommt, ist äußerst gering. Wenn in der Literatur dennoch immer wieder relativ hohe Prävalenzraten von Suchtproblemen bei Opiatanalgesiepatienten berichtet werden – die Autoren einer aktuellen Übersichtsarbeit schätzen, dass „opioid use disorders“ bei bis zu einem Drittel der Patienten auftreten (2) – so deutet dies darauf hin, dass die Medikamente häufig Personen mit positiver Suchtanamnese verordnet werden. Dass diese Patienten zu Dosissteigerungen neigen, die dann gravierende Nebenwirkungen bis hin zu dosisabhängigen Todesfällen zur Folge haben, überrascht nicht (3). Die amerikanischen und kanadischen Leitlinien setzen sich mit dieser Problematik auseinander und empfehlen entsprechende Screeninginstrumente (4).

Die längerfristige Wirksamkeit von Opiatanalgetika bei CNTS ist nicht belegt, die optimistische Annahme einer weitgehenden Harmlosigkeit dieser Medikamente hält näherer Überprüfung nicht stand, was auch für die Suchtgefährdung zutrifft, und schließlich kommt der Verordnungsanstieg nicht in erster Linie den Krebspatienten zugute. Diese ernüchternde Bilanz gilt es zur Kenntnis zu nehmen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0402a

Dr. med. Dirk K. Wolter
Specialeansvarlig overlæge Gerontopsykiatrisk enhed
Haderslev, Dänemark

dirk.wolter@rsyd.dk

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schubert I, Ihle P, Sabatowski R: Increase in opiate prescription in Germany between 2000 and 2010—a study based on insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(4): 45–51 VOLLTEXT
2.
Juurlink DN, Dhalla IA: Dependence and addiction during chronic opioid therapy. J Med Toxicol 2012; 8: 393–9 CrossRef MEDLINE
3.
Wolter DK: Suchtgefahr und andere Risiken von (Opiat-) Analgetika – unterschätzt oder übertrieben? Psychotherapie im Alter 2012; 9: 197–212.
4.
Kahan M, Wilson L, Mailis-Gagnon A, Srivastava A; National Opioid Use Guideline Group: Canadian guideline for safe and effective use of opioids for chronic noncancer pain: clinical summary for family physicians. Part 2: special populations. Can Fam Physician 2011; 57: 1269–76, e419–28. MEDLINE
1.Schubert I, Ihle P, Sabatowski R: Increase in opiate prescription in Germany between 2000 and 2010—a study based on insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(4): 45–51 VOLLTEXT
2.Juurlink DN, Dhalla IA: Dependence and addiction during chronic opioid therapy. J Med Toxicol 2012; 8: 393–9 CrossRef MEDLINE
3.Wolter DK: Suchtgefahr und andere Risiken von (Opiat-) Analgetika – unterschätzt oder übertrieben? Psychotherapie im Alter 2012; 9: 197–212.
4. Kahan M, Wilson L, Mailis-Gagnon A, Srivastava A; National Opioid Use Guideline Group: Canadian guideline for safe and effective use of opioids for chronic noncancer pain: clinical summary for family physicians. Part 2: special populations. Can Fam Physician 2011; 57: 1269–76, e419–28. MEDLINE

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