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Wir danken Herrn Dr. Wolter für seinen Leserbrief. Allerdings sind wir nicht davon überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit eine de-novo-Suchterkrankung bei leerer Suchtanamnese zu entwickeln äußerst gering ist. Gerade vor dem Hintergrund der schnell-freisetzenden Opioide wird in der Literatur immer häufiger über die Entwicklung von Medikamentenfehlgebrauch bis hin zur Opioidabhängigkeit berichtet, auch bei Patienten mit scheinbar leerer Suchtanamnese (1). Ob Screeninginstrumente hier die Lösung des Problems darstellen, muss bezweifelt werden. Besonderen Anlass zur Sorge gibt eine retrospektive Analyse von fünf Studien, in denen buccales Fentanyl zur Behandlung von Durchbruchschmerzen bei Nicht-Tumorschmerzpatienten verabreicht wurde (2). Fokus der Datenanalyse war es, die Häufigkeit von sogenanntem „aberrant drug-related behavior“ zu ermitteln. „Aberrant behavior“ als Indikator eines Kontrollverlusts beziehungsweise von Missbrauch und Abhängigkeit wurde unter anderem definiert als unerlaubtes Weiterreichen der verschriebenen Opioide an Dritte, Rezeptfälschungen sowie wiederholte unautorisierte Dosissteigerungen. Obwohl Patienten mit einer Substanzmissbrauchsanamnese von diesen Studien ausgeschlossen waren, entwickelten 11 % der eingeschlossenen und hoch-selektionierten Patienten Verhaltensweisen, die als „aberrant drug behavior“ klassifiziert wurden.

Dies führt zurück zu der prinzipiellen Frage nach Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, eine Opioidbehandlung zu erhalten. Turk und Okifuji zeigten, dass nur das nonverbale Schmerzverhalten und nicht die objektivierbaren Faktoren, wie beispielsweise Schmerzintensität oder körperliche Befunde, die Wahrscheinlichkeit ein Opioid zu erhalten, beeinflusste (3).

Vor dem Hintergrund steigender Opioidverordnungszahlen und der Intensivierung der Behandlung vor allem bei Nicht-Tumorschmerzpatienten, sollten wir uns dieser Zusammenhänge und potenziellen Gefahren bewusst sein (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0402b

Für die Verfasser

Prof. Dr. med. Rainer Sabatowski

UniversitätsSchmerzCentrum

Universitätsklinikum „Carl Gustav Carus“

Technische Universität Dresden

Rainer.sabatowski@uniklinikum-dresden.de

Interessenkonflikt

Prof. Sabatowski nahm Beratertätigkeiten wahr für Cephalon und Janssen-Cilag. Er erhielt Honorare für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen von MSD und Grünenthal. Für die Durchführung von klinischen Auftragsstudien erhielt das UniversitätsSchmerzCentrum Honorare von Grünenthal, Astellas und Allergan.

1.
Scharnagel R, Kaiser U, Schütze A, Heineck R, Gossrau G, Sabatowski R: Chronic non-cancer-related pain: Long-term treatment with rapid-release and short-acting opioids in the context of misuse and dependency. Schmerz 2013; 27: 7–19 CrossRef MEDLINE
2.
Passik SD, Messina J, Golsorkhi A, Fang X: Aberrant drug-related behavior oberserved during clinical studies involving patients taking chronic ppioid therapy for persistent pain and Fentanyl buccal tablet for breakthrough pain. J Pain Symptom Manage 2011; 41: 116–25 CrossRef MEDLINE
3.
Turk DC, Okifuji A: What factors affect physicians' decisions to prescribe opioids for chronic noncancer pain patients? Clin J Pain 1997; 13: 330–6 CrossRef MEDLINE
4.
Schubert I, Ihle P, Sabatowski R: Increase in opiate prescription in Germany between 2000 and 2010—a study based on insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(4): 45–51. VOLLTEXT
1.Scharnagel R, Kaiser U, Schütze A, Heineck R, Gossrau G, Sabatowski R: Chronic non-cancer-related pain: Long-term treatment with rapid-release and short-acting opioids in the context of misuse and dependency. Schmerz 2013; 27: 7–19 CrossRef MEDLINE
2.Passik SD, Messina J, Golsorkhi A, Fang X: Aberrant drug-related behavior oberserved during clinical studies involving patients taking chronic ppioid therapy for persistent pain and Fentanyl buccal tablet for breakthrough pain. J Pain Symptom Manage 2011; 41: 116–25 CrossRef MEDLINE
3.Turk DC, Okifuji A: What factors affect physicians' decisions to prescribe opioids for chronic noncancer pain patients? Clin J Pain 1997; 13: 330–6 CrossRef MEDLINE
4.Schubert I, Ihle P, Sabatowski R: Increase in opiate prescription in Germany between 2000 and 2010—a study based on insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(4): 45–51. VOLLTEXT

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