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Zunächst ist den Autoren für die Erhebung realitätsbezogener Daten zu danken, die ein anderes Licht auf Prävalenz und Inzidenz der Erkrankung werfen im Vergleich zu den übertriebenen Schätzdaten der vergangenen Jahrzehnte.

Gleichwohl wird die Osteoporose seit zwei Jahrzehnten nicht mehr als eine „systemische Erkrankung“ bezeichnet wird, sondern – einem Paradigmenwechsel entsprechend – als eine „verminderte Festigkeit des Knochens mit erhöhter Frakturwahrscheinlichkeit“ (27. Tagung der „The American Society for Bone and Mineral Research [ASBMR]“, 2005). Sie wird hauptsächlich durch die zivilisatorisch bedingten Bewegungsmangel (1) verursacht. Die Daten von Hadji et al. zeigen darüber hinaus eindeutig, dass – wie von mir seit Jahrzehnten nach soliden Quellen zitiert – die Wirbelfrakturen nicht die häufigsten osteoporotisch bedingten Frakturen sind.

Auch die mehrfach im Artikel zitierte WHO-Definition der Osteoporose war ein Irrweg, bereitet durch den sogenannten Goldstandard „Dual Energy X-ray Absorptiometrie (DXA)“ zur Knochendichtemessung. Die Methode eignet sich zu epidemiologisch-statistischen Zwecken, nicht aber zur Diagnose. Stattdessen sollte eine individuelle Abschätzung der Frakturwahrscheinlichkeit mit dem System WHO-FRAX auf der Basis großer bevölkerungsbasierter Kohorten erfolgen (www.sheffield.ac.uk/FRAX). Diese berücksichtigt neben relevanten klinischen Risikofaktoren wahlweise auch die Knochendichte, die lediglich eine modulierende Wirkung entfaltet (2).

Die mehrfach zitierte S3-Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO) darf ebenfalls nicht unkommentiert bleiben. Ihre Anwendung mit dem internetbasierten Score-System führt nach unserer in Kürze zu publizierenden Vergleichsstudie im klinischen Rahmen zu 2,5- bis 3-mal häufigeren Therapie-Indikationen im Vergleich zum WHO-FRAX-Score-System (30,3 % versus 12,0 %) bei Patienten mit Risikofaktoren. Das DVO-System enthält Überbewertungen von Risikofaktoren, die nicht hinreichend evidenzbasiert sind, wie zum Beispiel der Einfluss des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) oder von Aromatasehemmern (3).

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0401a

Prof. Dr. med. Dipl.-Min. Peter Schneider

Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin

Universitätsklinikum Würzburg

Schneider_P@klinik.uni-wuerzburg.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Frost HM, Schneider P, Schneider R: Behandlungsbedürftige Osteoporose oder physiologische Osteopenie? – WHO Definition im Gegensatz zum Utah Paradigma. Dtsch med Wochenschr 2002; 127: 2570–4. CrossRef MEDLINE
2.
Hillier TA, Cauley JA, Rizzo JH, et al.: WHO absolute fracture risk models (FRAX): do clinical risk factors improve fracture prediction in older women without osteoporosis? JBMR 2011; 26: 1774–82. CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Schneider R, Schneider M, Reiners Chr, Schneider: Effects of levothyroxine on bone mineral density, muscle force and bone turnover markers: a cohort study. JCEM 2012; 297: 3926–34. MEDLINE
4.
Hadji P, Klein S, Gothe H, Häussler B, Kless T, Schmidt T, Steinle T,
Verheyen F, Linder R: The epidemiology of osteoporosis—Bone Evaluation Study (BEST): an analysis of routine health insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(4): 52–7 VOLLTEXT
1.Frost HM, Schneider P, Schneider R: Behandlungsbedürftige Osteoporose oder physiologische Osteopenie? – WHO Definition im Gegensatz zum Utah Paradigma. Dtsch med Wochenschr 2002; 127: 2570–4. CrossRef MEDLINE
2.Hillier TA, Cauley JA, Rizzo JH, et al.: WHO absolute fracture risk models (FRAX): do clinical risk factors improve fracture prediction in older women without osteoporosis? JBMR 2011; 26: 1774–82. CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Schneider R, Schneider M, Reiners Chr, Schneider: Effects of levothyroxine on bone mineral density, muscle force and bone turnover markers: a cohort study. JCEM 2012; 297: 3926–34. MEDLINE
4. Hadji P, Klein S, Gothe H, Häussler B, Kless T, Schmidt T, Steinle T,
Verheyen F, Linder R: The epidemiology of osteoporosis—Bone Evaluation Study (BEST): an analysis of routine health insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(4): 52–7 VOLLTEXT

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