ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Ergometrie kein verlässlicher Parameter
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Als Einrichtung, die Nachsorgeuntersuchungen für Patienten mit koronarer Herzerkrankung durchführt, möchten wir noch folgende Anmerkungen machen:

Es wird zu Recht aufgeführt, dass die „routinemäßige Durchführung einer CT-Angiographie nach koronarer Stentimplantation nicht indiziert“ sei. Dies liegt nicht nur daran, dass die in der CT diagnostizierten Koronarstenosen häufig nicht hämodynamisch relevant sind. Vielmehr hängt die Beurteilbarkeit von Stents unter anderem von deren Beschaffenheit und Größe ab. Zudem sind bei Patienten mit bekannter koronarer Herzerkrankung die Koronargefäße häufig stark verkalkt, was die diagnostische Genauigkeit stark limitieren kann. Die Konsensusempfehlungen der DRG/DGK/DGPK sehen keine gesicherte Indikation bei asymptomatischen und symptomatischen Patienten nach Koronarintervention beziehungsweise Bypass-Operation, es sei denn, es stellt sich dezidiert nur die Frage nach der Bypass-Offenheit (1).

Im Hinblick auf die Durchführung einer Ergometrie bleibt kritisch zu bemerken, dass das angegebene Kriterium einer Ausbelastung („85 % der alterskorrigierten Herzfrequenz“) keinen verlässlichen Parameter darstellt. Die maximale individuelle Herzfrequenz unterliegt einer starken individuellen Variabilität und wird zusätzlich durch die kardiale Medikation beeinflusst (2, 3). Zudem können gerade untrainierte ältere Patienten aufgrund von Defiziten der peripheren Muskulatur auf dem Radergometer keine (kardiale) Ausbelastung erreichen. Hier kann eine Belastung auf dem Laufband – was typischerweise der Alltagsbelastung sehr viel näher kommt – hilfreich sein, um einen möglichst hohen Ausbelastungsgrad zu erreichen und die ohnehin eingeschränkte Sensitivität des Belastungs-EKGs zu verbessern. In Kombination mit einer Laktatdiagnostik und/oder Spiroergometrie können darüber hinaus nicht nur objektivere Kriterien der Ausbelastung erhoben werden, sondern auch die Steuerung des empfohlenen körperlichen Trainings präzisiert werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0403c

Prof. Dr. med. Christof Burgstahler

Prof. Dr. med. Andreas Nieß

Universitätsklinik Tübingen, Abteilung Sportmedizin, Tübingen

christof.burgstahler@med.uni-tuebingen.de

1.
Achenbach S, Barkhausen J, Beer M, et al.: Konsensusempfehlungen der DRG/DGK/DGPK zum Einsatz der Herzbildgebung mit Computertomografie und Magnetresonanztomografie. Röfo 2012; 184: 345–68 MEDLINE
2.
Roecker K, Niess A, Horstmann T, Striegel H, Mayer F, Dickhuth HH: Heart rate prescriptions from performance and anthropometrical characters. Med Sci Sports Exerc 2002; 34: 881–7 CrossRef MEDLINE
3.
Such M, Meyer T: Die maximale Herzfrequenz. Dtsch Z Sportmed 2010; 61: 310–1.
4.
Rassaf T, Steiner S, Kelm M: Postoperative care and follow up after coronary stenting. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(5): 72–82. VOLLTEXT
1.Achenbach S, Barkhausen J, Beer M, et al.: Konsensusempfehlungen der DRG/DGK/DGPK zum Einsatz der Herzbildgebung mit Computertomografie und Magnetresonanztomografie. Röfo 2012; 184: 345–68 MEDLINE
2.Roecker K, Niess A, Horstmann T, Striegel H, Mayer F, Dickhuth HH: Heart rate prescriptions from performance and anthropometrical characters. Med Sci Sports Exerc 2002; 34: 881–7 CrossRef MEDLINE
3.Such M, Meyer T: Die maximale Herzfrequenz. Dtsch Z Sportmed 2010; 61: 310–1.
4.Rassaf T, Steiner S, Kelm M: Postoperative care and follow up after coronary stenting. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(5): 72–82. VOLLTEXT

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