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Medizinische Hochschule Brandenburg: In den Startlöchern

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 3/2013: 8

Richter-Kuhlmann, Eva

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„Am Mute hängt der Erfolg“: Was Brandenburgs Dichtervater Fontane einst lehrte, dient jetzt als Leitgedanke für einen neuen Modellstudiengang Medizin im Land Brandenburg.

Fotos: Städtisches Klinikum Brandenburg/Ruppiner Kliniken Neuruppin
Fotos: Städtisches Klinikum Brandenburg/Ruppiner Kliniken Neuruppin

Während in Sachsen-Anhalt Studierende und Hochschullehrer für den Erhalt ihrer Medizinischen Fakultät Halle/Saale kämpfen, stehen etwa 170 Kilometer entfernt im Land Brandenburg die Zeichen günstiger: Zum Wintersemester 2013/14 sollen in Neuruppin und Brandenburg die ersten 45 Medizinstudierenden ihr Studium an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) beginnen. Mehr als 100 Bewerber haben sich bereits gemeldet.

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Für das Land Brandenburg ist dies ein Novum: Denn als einziges Bundesland in Deutschland hatte der ostdeutsche Flächenstaat bisher keine eigene medizinische Fakultät. Ein Manko, wie das Land Brandenburg meint. Um die medizinische Versorgung des Landes Brandenburg zu unterstützen und dem Nachwuchsmangel in den Kliniken und im Bereich der ambulanten Versorgung entgegenzuwirken, engagierten sich das Städtische Klinikum Brandenburg in Brandenburg an der Havel und die Ruppiner Kliniken für die Gründung dieser privaten Hochschule.

Einen Antrag auf staatliche Anerkennung der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und auf Genehmigung des Brandenburger Modellstudienganges Medizin stellten die Initiatoren im September 2012 beim Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Derzeit wird er vom Wissenschaftsrat geprüft. Dieses Gremium berät den Bund und die Regierungen der Länder unabhängig zu Fragen der Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs.

Prof. Dr. med. Dieter Nürnberg, Chefarzt der Ruppiner Kliniken, sieht dem für Juni zu erwartenden Votum optimistisch entgegen: Im Gespräch mit den Gutachtern des Wissenschaftsrates sei es gelungen, das Bild einer künftigen Brandenburger Hochschullandschaft zu erläutern, in der die Medizinerausbildung einen festen Platz haben sollte. Sozusagen als Brandenburgs Beitrag zur Ausbildung junger Ärzte in Deutschland. „Einen besonderen Fokus legten wir darauf, dass die Ausbildung im Brandenburger Modellstudiengang in einem Netz aus Kliniken und Praxen geplant ist und dem Leitbild der personalen Medizin folgen wird”, ergänzte Prof. Dr. med. Wilfried Pommerien, Chefarzt des Städtischen Klinikums Brandenburg.

Konkret will die MHB mit mehr als 20 brandenburgischen Krankenhäusern und 35 Lehrpraxen zusammenarbeiten. Auch für Dr. med. Hans-Joachim Helming, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, die sich um die ambulante Versorgung in dem Flächenland kümmert, ist die geplante Gründung der neuen Hochschule ein „mutiger und richtiger Schritt“. „Probleme bei der Nachbesetzung freiwerdender Haus- und Facharztpraxen sind in Brandenburg ebenso Alltag wie das intensive Bemühen, Ärzte für die Klinik zu gewinnen“, erklärte er. Jungen Brandenburgern soll durch die MHB die Möglichkeit gegeben werden, in Brandenburg Medizin zu studieren und sich dann auch im Land zum Facharzt weiterzubilden. Helming hofft zudem, dass das sehr praxisorientierte Studium junge Ärztinnen und Ärzte hervorbringen wird, die für die Versorgungsaufgaben im ländlichen Brandenburg bestens vorbereitet sind.

Aber auch diejenigen, die sich für die medizinische Forschung interessieren, sollen in Brandenburg nicht zu kurz kommen. „In den vergangenen Jahren haben die brandenburgischen Krankenhäuser mit großem Aufwand Spitzenmediziner rekrutiert, um die personellen Lücken auf den Führungsebenen zu schließen. Diese Leute bringen neben ihrer fachlichen auch jede Menge wissenschaftliche Kompetenz mit, die bisher aber weitgehend brachliegt“, erläuterte der Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Brandenburg, Dr. med. Udo Wolter, dem Deutschen Ärzteblatt Studieren.de. „Die Hochschule eröffnet ihnen die Möglichkeit, ihr Wissen im Rahmen eines strukturierten Studiums an die nächste Medizinergeneration weiterzugeben.“

Wichtig zu wissen ist für Bewerber, dass das Studium an der MHB dezentral stattfinden wird. So soll es in den ersten drei Jahren weitgehend an den Ruppiner Kliniken in Neuruppin und im Städtischen Klinikum Brandenburg in Brandenburg an der Havel sowie bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten der Region stattfinden. Im vierten und im fünften Studienjahr sollen die Studierenden in den kooperierenden Krankenhäusern Brandenburgs den klinischen Alltag kennenlernen. Im sechsten Studienjahr sollen sie im praktischen Jahr in den kooperierenden Lehrkrankenhäusern tätig werden und dann ihr Staatsexamen ablegen.

Bewerben für das Medizinstudium an der MHB können sich alle Interessierten, die über eine in Deutschland anerkannte allgemeine Hochschulreife verfügen. Die Auswahl der Studierenden soll nach persönlicher Eignung sowie Erfahrungen in der Praxis und nachgeordnet über die Abiturnote in einem zweistufigen Auswahlverfahren erfolgen. Doch was kostet das Studium? Die Kosten des Studiums werden auf die Studierenden umgelegt, jedoch in einen sogenannten Stipendienanteil und einen studentischen Eigenanteil unterschieden. Dabei wird eine Gesamtsumme von 115 000 Euro je Studierendem in fünf Jahren veranschlagt. 16 000 Euro je Studierendem und Jahr sollen jedoch durch kooperierende Krankenhäuser übernommen werden, so dass etwa 7 000 Euro im Jahr als Eigenanteil für den Studierenden verbleiben, die auch später gezahlt werden können. Nach dem Vorbild der Studierendengesellschaft der Universität Witten/Herdecke soll eine Lösung erarbeitet werden. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Auch am start: Kassel School of Medicine

Die Kassel School of Medicine hat im Mai das Bewerbungsverfahren für den neuen Medizinstudiengang in Kassel und Southampton eröffnet. Neben der Abiturnote und Englischkenntnissen gehören die Belegung naturwissenschaftlicher Fächer und die persönliche Motivation zu den Auswahlkriterien der 24 Studierenden pro Jahrgang. Die Studiengebühren betragen pro Jahr 12 000 Euro. Nach dem fünfjährigen Medizinstudiengang, der an der University of Southampton und dem Klinikum Kassel stattfindet, erwerben die Studierenden den Bachelor of Medicine (EU).

Die Bewerbungsunterlagen können bis 30. Juni 2013 eingereicht werden: www.medizin-kassel.de.

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