ArchivMedizin studieren3/2013Hoch­schul­finan­zierung: Medizinstudium in Halle droht das Aus

Studium

Hoch­schul­finan­zierung: Medizinstudium in Halle droht das Aus

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 3/2013: 7

Hibbeler, Birgit

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Protest gegen die Sparpläne in Sachsen-Anhalt ist groß. Die Landesregierung denkt darüber nach, die Medizin in Halle zu schließen.

Foto: dpa
Foto: dpa

Die Zukunft der Universitätsmedizin in Halle an der Saale ist ungewiss: Es droht die Schließung. Das Land Sachsen-Anhalt muss sparen und will deshalb die Mittel für die Universitäten drastisch kürzen. Den Sparplänen könnte die Medizin in Halle zum Opfer fallen, der Standort Magdeburg soll bleiben. Es mehren sich zwar derzeit die politischen Stimmen, die für einen Erhalt plädieren, doch eine endgültige Entscheidung soll erst nach dem 12. Juli fallen. Dann legt der Wissenschaftsrat ein Gutachten vor.

Anzeige

Der Protest von Studierenden, Klinikmitarbeitern und Bürgern ist groß. Der Fachschaftsrat Medizin hat das Aktionsbündnis „Halle bleibt“ initiiert. Auf einer Kundgebung am 15. Mai sicherte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) den Demonstranten zwar den Erhalt des Hochschulstandortes Halle zu. Auf die mögliche Schließung der Universitätsmedizin ging er allerdings nicht konkret ein.

Für die Ärztekammer Sachsen-Anhalt sind die Sparpläne kurzsichtig. „Der Wegfall einer der medizinischen Hochschulstandorte wäre fatal für die ärztliche Versorgung im Land“, betonte Kammerpräsidentin Dr. med. Simone Heinemann-Meerz. Etwa 60 Prozent der Mediziner blieben nach dem Studium in Sachsen-Anhalt. Beide Unikliniken seien für die Patientenversorgung und die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses wichtig. „Wer über eine Schließung ernsthaft nachdenkt, ignoriert die Probleme im Land.“ Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland bezog klar Position (Seite 18).

Wer soll die Hochschulmedizin bezahlen? Das ist die Grundsatzfrage, die der Fall Halle einmal mehr aufwirft. Forschung und Lehre sind Ländersache. In Zeiten knapper Kassen und beschlossener Schuldenbremse ab 2020 hat aber nicht nur Sachsen-Anhalt Schwierigkeiten, die Finanzierung zu schultern. Beispiel Schleswig-Holstein: Eine Schließung der Fakultät in Lübeck konnte 2010 in letzter Sekunde verhindert werden – allerdings nur, indem der Bund indirekt einsprang.

Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) fordern daher eine Grundsatzdiskussion über die Finanzierungszuständigkeiten von Bund, Ländern und gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung. „Der Bund muss mehr Mitverantwortung für die Finanzierung der Hochschulmedizin übernehmen“, sagte MFT-Präsident Prof. Dr. rer. nat. Heyo Kroemer. Für VUD und MFT steht fest: Die Leistungen der Universitätskliniken sind im DRG-System nicht angemessen abgebildet.

Tatsächlich fehlt ein Gesamtkonzept für die Hochschulmedizin. Während der Standort Halle geschlossen werden soll, steht im Land Brandenburg die Gründung einer neuen Fakultät an (Seite 8). Erst im vergangenen Jahr ging der Standort Oldenburg an den Start. De facto würde also in Halle die Infrastruktur vernichtet, die anderenorts geschaffen wird. Unterdessen hat das Aktionsbündnis „Halle bleibt“ eine Online-Petition gestartet. Bei Redaktionsschluss (21. Mai) gab es bereits mehr als 52 000 Unterstützer.

Dr. med. Birgit Hibbeler

Mehr zum Protest und zur Online-Petition unter: www.halle-bleibt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema