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Imagekampagne der niedergelassenen Ärzte: Keine Romantik, kein Gejammer

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 3/2013: 24

Korzilius, Heike

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Überzeugte Ärztinnen und Ärzte werben auf Plakaten und in TV-Spots für ihren Beruf. Die Botschaft: „Wir sind für die Patienten da, und wir haben Spaß daran.“

Viele Gesichter in Großaufnahme – alt, jung, ernst, heiter –, dazu eine Botschaft: „Ich arbeite für Ihr Leben gern.“ Seit Ende April werben Deutschlands niedergelassene Ärztinnen und Ärzte auf Plakaten und in Fernsehspots für ihren Beruf und für ein positives Arztbild in der Gesellschaft.

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Aus der Praxis vor die Kamera: Die Berliner Gynäkologin Hürrem Ziir ist eines der Gesichter der Kampagne. Ihr gefällt vor allem der Slogan: „Wir arbeiten für Ihr Leben gern.“ „Das ,Ihr’ finde ich sehr treffend. Letztendlich geht es bei unserem Beruf ja darum, dass wir anderen etwas Gutes tun.“ Über den Dreh zum Fernseh-Spot sagt sie: „Ich hätte es nicht gedacht, aber es hat mir großen Spaß gemacht.“ Fotos: Jens Ihnken, Phil Dera
Aus der Praxis vor die Kamera: Die Berliner Gynäkologin Hürrem Ziir ist eines der Gesichter der Kampagne. Ihr gefällt vor allem der Slogan: „Wir arbeiten für Ihr Leben gern.“ „Das ,Ihr’ finde ich sehr treffend. Letztendlich geht es bei unserem Beruf ja darum, dass wir anderen etwas Gutes tun.“ Über den Dreh zum Fernseh-Spot sagt sie: „Ich hätte es nicht gedacht, aber es hat mir großen Spaß gemacht.“ Fotos: Jens Ihnken, Phil Dera

Dr. med. Hürrem Ziir ist eines dieser Gesichter. Die Gynäkologin aus Berlin ist vom Sinn der Imagekampagne überzeugt: „Viele Menschen vergessen, dass wir diesen Beruf ergriffen haben, um anderen zu helfen, und nicht, um viel Geld zu verdienen.“ Ihr ist es ein Gräuel, wenn sie mit Patientinnen darüber diskutieren muss, warum die Krankenkassen bestimmte Leistungen nicht bezahlen: „Man fühlt sich dann nicht mehr als Mediziner, sondern als Verkäufer und hat das Gefühl, die Patienten glauben, man wolle ihnen das Geld aus der Tasche ziehen.“

Die Kampagne, so hofft sie, kann dazu beitragen, dieses Zerrbild zu korrigieren. Denn Ziir macht ihre Arbeit nach wie vor große Freude: „Wenn mir eine Patientin sagt, sie fühle sich bei mir gut betreut und aufgehoben, ist das für mich mehr wert als alles andere.“

„Ich bin mit meinem Beruf zufrieden“, sagt auch Stephan Bernhardt. Er ist seit fast 20 Jahren als Hausarzt in Berlin niedergelassen und wie Ziir eines der Gesichter der Kampagne. Sein Motiv mitzumachen: „Ich glaube, dass das Vertrauen, das die Ärzte in der Öffentlichkeit genießen, in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Gegen diesen Vertrauensverlust muss man antreten und zeigen, dass wir gute Arbeit leisten.“

Auch den Pauschalverurteilungen in den Medien müsse man etwas entgegensetzen. „Dass, wie in jedem Beruf, nur eine winzige Minderheit betrügt oder korrupt ist, wird dort meistens nicht erwähnt“, kritisiert er die Berichterstattung. „Ich finde es deshalb richtig, dass man in einer Kampagne zeigt: Wir sind für die Patienten da, und wir haben Spaß daran.“

Zu einem realistischen Bild gehört es für Bernhardt aber auch, dass die Kampagne Probleme wie die überbordende Bürokratie in den Arztpraxen aufgreift.

Es soll weder romantisiert noch gejammert werden, heißt es bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die die Kampagne gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder ins Leben gerufen hat: „Wir wollen den Arztberuf so darstellen, wie er ist.“ Auf den Plakaten und in den Spots sind deshalb ausschließlich praktizierende Ärztinnen und Ärzte zu sehen und keine Schauspieler oder Models im weißen Kittel.

Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. med. Andreas Köhler, stellt gleichzeitig klar: „Das ist keine politische Kampagne. Wir wollen die Bevölkerung über den Stellenwert ärztlichen Handelns informieren und wieder mehr junge Ärztinnen und Ärzte für die Arbeit in der eigenen Praxis begeistern.“

Das lässt sich die KBV einiges kosten: 15 Millionen Euro hat die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung, das Parlament der niedergelassenen Ärzte, für die nächsten fünf Jahre bewilligt. Damit sollen TV- und Kinospots, Plakataktionen und Online-Anzeigen finanziert werden. Hinzu kommt eine Website, auf der man sich Spots und Plakate ansehen kann.

Ist das nicht ziemlich viel Geld, um für einen ohnehin hoch angesehenen Beruf zu werben? „Nein“, sagt KBV-Chef Köhler. Heruntergebrochen auf den einzelnen Arzt seien das gerade einmal 1,66 Euro im Monat. Außerdem benötige man für eine Kampagne, die Breitenwirkung entfalten solle, ein gewisses Budget.

Zur Zielgruppe zählt Jonathan Henssler. Er hat vor kurzem sein Medizinstudium abgeschlossen und gerade seine erste Stelle angetreten. „Es ist eigentlich schade, dass die Ärzte eine solche Imagekampagne brauchen“, sagt er. Allerdings findet auch der junge Arzt, dass sich das Ansehen des Berufs in den letzten Jahren gewandelt hat: „Ärzte werden mehr und mehr als Dienstleister gesehen.“ Schon im PJ mache man die Erfahrung, dass durch ökonomische Zwänge immer weniger Zeit für das Gespräch mit den Patienten bleibe. „Da geht viel Idealismus verloren.“ Deshalb findet Henssler die Imagekampagne gut. „Gerade der TV-Spot zeigt, dass man trotz Drucks von außen seine Ideale, sein ärztliches Selbstverständnis bewahren kann.“

Die erste Phase der Kampagne ist Ende Mai zu Ende gegangen. Eine zweite Welle ist für den Herbst geplant. Dann werden Ärztinnen und Ärzte ein weiteres Mal auf Plakaten und erstmals auch im Kino Gesicht zeigen. Heike Korzilius

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