ArchivMedizin studieren3/2013Medizinische Fakultät Halle: Studierende protestieren vereint

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Medizinische Fakultät Halle: Studierende protestieren vereint

Hillienhof, Arne

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Die drohende Schließung der Medizinischen Fakultät Halle/Wittenberg schlägt hohe Wellen. Die bvmd wendet sich in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten und die Minister von Sachsen-Anhalt sowie das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium und protestiert gegen die Schließung.

Es ist nicht nachvollziehbar, etablierte und funktionierende Strukturen abzuschaffen, während andernorts ernsthaft Neugründungen von medizinischen Fakultäten erwogen und durchgeführt wurden“, heißt es in dem offenen Brief, den neben dem Präsidenten und dem Pressesprecher der Bundesvereinigung der Medizinstudierenden Deutschlands (bvmd) ebenfalls die Stellvertreter von 33 Lokalvertretungen unterschrieben haben.

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„Wir geben der Landesregierung jetzt die Chance, sich selbst zu erklären und erwarten eine offizielle Stellungnahme der Minister als Antwort auf unseren offenen Brief, um Informationen über die aktuelle Situation und Zukunft der Universitätsmedizin in Sachsen-Anhalt zu schaffen. Danach werden sich dann weitere Stellungnahmen und Aktionen der bvmd richten. Des Weiteren werden wir Magdeburg und Halle natürlich weiterhin in ihren Aktionen gegen eine drohende Schließung unterstützen.“ Michael Gessner, Pressesprecher der bvmd
„Wir geben der Landes­regierung jetzt die Chance, sich selbst zu erklären und erwarten eine offizielle Stellung­nahme der Minister als Antwort auf unseren offenen Brief, um Informa­tionen über die aktuelle Situation und Zukunft der Universitäts­medizin in Sachsen-Anhalt zu schaffen. Danach werden sich dann weitere Stellung­nahmen und Aktionen der bvmd richten. Des Weiteren werden wir Magdeburg und Halle natürlich weiterhin in ihren Aktionen gegen eine drohende Schließung unterstützen.“ Michael Gessner, Presse­sprecher der bvmd

Auch in Zukunft sei eine hochwertige und bedarfsgerechte Ausbildung von Ärzten in Sachsen-Anhalt dringend nötig. Ansonsten werde sich der Ärztemangel weiter verschärfen. „Kostenersparnisse in der Gegenwart werden durch nicht absehbare höhere und unkontrollierbare Kosten in der Zukunft erkauft“, prognostiziert die bvmd.

Die Studierenden warnen, dass der sogenannte Klebeeffekt für die Region wegfallen würde. Gemeint ist damit die Beobachtung, dass viele Medizinstudierende später im Umfeld ihrer ehemaligen Fakultät als Ärzte arbeiten. Aber auch bundesweit gesehen sei es unverantwortlich, eine medizinische Fakultät zu schließen. „Um eine hinreichende Anzahl an Ärzten auszubilden und die Absolventenzahl stabil zu halten, wären die anderen medizinischen Fakultäten gezwungen, noch mehr Studenten pro Jahr auszubilden“, heißt es in einem Positionspapier der bvmd, das diese auf einer Mitgliederversammlung Anfang Mai beschlossen hat. Viele Fakultäten könnten aber aufgrund der räumlichen Situation oder der begrenzten finanziellen Ausstattung ihre Studierendenzahlen nicht steigern.

Die Medizinstudierenden weisen darauf hin, dass die Fakultäten in Sachsen-Anhalt sich in Lehre und Struktur verbessert hätten, zum Beispiel durch neu erstellte Curricula. „Wir halten die Schließung für ein verheerendes Signal, insbesondere in der Phase der Reevaluierung durch den Wissenschaftsrat“, heißt es in dem offenen Brief.

Die bvmd kritisiert, das Land Sachsen-Anhalt rühme sich seiner Universitäten und der damit verbundenen Attraktivität als Wissenschaftsstandort, es werbe aktiv Fachkräfte in anderen Ländern ein – „gleichzeitig soll nun die einzige eigene Nachwuchsgenerierung grundlegend geschwächt werden. Das darf nicht sein!“, heißt es in dem offenen Brief.

Das Land müsse die Schließungspläne dementieren und sich klar für seine beiden medizinischen Fakultäten aussprechen, um dem bereits eingetretenen Imageschaden und der Abwanderung von Wissenschaftlern und Ärzten entgegenzuwirken, so die bvmd. Die Medizinstudierenden fordern die betreffenden Akteure aus Hochschulen, Bundes- und Landespolitik auf, gemeinsam mit den Studierenden die Probleme aufzuarbeiten und eine Lösung zu finden. Dr. med. Arne Hillienhof

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