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Kasuistik

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 3/2013: 29

Geddert, Helene

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Eine 52-jährige Patientin stellt sich bei ihrer Gynäkologin mit Hitzewallungen vor. Sie berichtet über eine Gesichtsrötung, starkes anfallsartiges Schwitzen und Herzrasen. Der Zyklus sei in den letzten drei Jahren zunehmend unregelmäßig gewesen. Gegen die klimakterischen Beschwerden verordnet die Gynäkologin eine Hormonersatztherapie. Nach drei Monaten haben sich die Beschwerden der Patientin nicht gebessert, zusätzlich sind auch noch Durchfälle hinzugekommen.

Operationspräparat: kleiner Primärtumor (Pfeil) und große mesenteriale Lymphknotenmetastasen
Operationspräparat: kleiner Primärtumor (Pfeil) und große mesenteriale Lymphknotenmetastasen

Bei der internistischen Abklärung der Diarrhöen ist die Koloskopie endoskopisch und histopathologisch unauffällig. Die Oberbauchsonographie zeigt multiple dringend metastasenverdächtige Rundherde in der Leber, ohne dass sich ein Primätumor erkennen ließe.

Histologie des Tumorgewebes im Dünndarm, des mesenterialen Lymphknotens und der Leber-PE: typisches rosettenförmiges Wachstum der Tumorzellen
Histologie des Tumorgewebes im Dünndarm, des mesenterialen Lymphknotens und der Leber-PE: typisches rosettenförmiges Wachstum der Tumorzellen

Bei der explorativen Laparotomie werden vergrößerte und verfestigte mesenteriale Lymphknoten gefunden und samt des zugehörigen Dünndarmsegmentes onkologisch reseziert sowie eine Leber-Probeentnahme (PE) entnommen.

Auflösung

Es liegt ein Karzinoid (gut differenzierter neuroendokriner Tumor) des Ileums vor. Der Primärtumor ist für eine bildgebende Detektion zu klein und konnte in der Koloskopie nicht erreicht werden. Typisch für diesen Tumortyp ist, dass ein sehr kleiner Primärtumor große Lymphknotenmetastasen und bereits Fernmetastasen aufweist.

Hintergrund

Diese Tumoren produzieren hormonartige Substanzen, die über die Pfortader in die Leber gelangen und dort deaktiviert werden. Erst bei Auftreten von Lebermetastasen gelangen diese in den Kreislauf und verursachen die primäre Symptomatik der Patientin (sogenanntes Flush-Syndrom).

Therapie

Die Patientin erhält eine palliative Therapie mit dem Somatostatin-Analogon Octreotid.

Priv.-Doz. Dr. med. Helene Geddert, St.-Vincentius-Kliniken Karlsruhe

Operationspräparat: kleiner Primärtumor (Pfeil) und große mesenteriale Lymphknotenmetastasen
Operationspräparat: kleiner Primärtumor (Pfeil) und große mesenteriale Lymphknotenmetastasen
Bild 1
Operationspräparat: kleiner Primärtumor (Pfeil) und große mesenteriale Lymphknotenmetastasen
Histologie des Tumorgewebes im Dünndarm, des mesenterialen Lymphknotens und der Leber-PE: typisches rosettenförmiges Wachstum der Tumorzellen
Histologie des Tumorgewebes im Dünndarm, des mesenterialen Lymphknotens und der Leber-PE: typisches rosettenförmiges Wachstum der Tumorzellen
Bild 2
Histologie des Tumorgewebes im Dünndarm, des mesenterialen Lymphknotens und der Leber-PE: typisches rosettenförmiges Wachstum der Tumorzellen

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