ArchivMedizin studieren3/2013Interview: Kampf gegen Industrieeinflüsse

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Interview: Kampf gegen Industrieeinflüsse

Hillienhof, Arne

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Die Medizinstudierenden in Deutschland lässt das Thema Korruption im Gesundheitswesen nicht kalt. Pascal Nohl-Deryk, stellvertretender Bundeskoordinator der AG Gesundheitspolitik in der bvmd, erklärt warum.

Pascal Nohl-Deryk. Foto: privat
Pascal Nohl-Deryk. Foto: privat
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Herr Nohl-Deryk, auf der Mitgliederversammlung der bvmd Anfang Mai haben die Delegierten das Thema Korruption im Gesundheitswesen diskutiert, auf dem Treffen Mitte Juni steht es wieder auf der Agenda. Was war der Auslöser für die bvmd, sich mit dem Thema Korruption zu befassen?

Nohl-Deryk: Unter anderem hat ein Urteil des Bundesgerichtshofs zum Thema Korruption den Anstoß gegeben, sich genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die bvmd selbst nimmt übrigens keine Gelder von bestimmten Industriezweigen an, um möglicher Beeinflussung entgegenzuwirken.

Was macht aus Ihrer Sicht das Gesundheitswesen anfällig für Korruption?

Nohl-Deryk: Die Unübersichtlichkeit und das viele Geld im System bergen eine Gefahr für Fehlverhalten. Interessenkonflikte sind nicht immer klar ersichtlich. Das macht es schwer zu erkennen, wo Korruption möglich ist.

Was halten Sie an Korruption für besonders dramatisch?

Nohl-Deryk: Dass Beeinflussung fast immer unterbewusst geschieht. Das gilt für Ärzte und Studierende.

Was könnten die zuständigen Institutionen dagegen tun?

Nohl-Deryk: Ich frage mich, ob die Institutionen, die helfen könnten, die Situation teilweise unterschätzen. Die Studienlage zur Beeinflussung ist eindeutig. Beispiele von korruptem Verhalten gibt es immer wieder. Uns als bvmd drängt sich der Eindruck auf, dass Player im Gesundheitswesen Fehlverhalten teilweise nur aufgreifen, um einen eigenen politischen Vorteil daraus zu ziehen.

Was fordert die bvmd?

Nohl-Deryk: Wir fordern einen Strafbestand für Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen. Dieser muss in das Strafgesetzbuch integriert werden!

Wir meinen, dass es eine gesetzliche Verpflichtung geben sollte, die Zusammenarbeit zwischen der medizinnahen Industrie und Ärzten offenzulegen.

Hilfreich wäre zum Beispiel, wenn medizinische Sachverständige Interessenkonflikte angeben müssten.

Die bvmd befürchtet, die Qualität der Ausbildungen könnte beeinträchtigt werden. Wo liegt die Gefahr?

Nohl-Deryk: Die Industrie könnte Lehrveranstaltungen direkt inhaltlich beeinflussen oder indirekt Einfluss über die Lehrenden ausüben.

Was wollen Sie künftig tun?

Nohl-Deryk: Die bvmd könnte beispielsweise in Zukunft bewerten, wie sich medizinische Fakultäten gegen Beeinflussungen schützen. Dieses Thema ist in der bvmd aber noch nicht ausdiskutiert.

Das Interview führte Dr. med. Arne Hillienhof.

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