ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996GnRH-Analogon Buserelin: Depotform entspricht operativer Kastration

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GnRH-Analogon Buserelin: Depotform entspricht operativer Kastration

Ajnwojner, Susi

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LNSLNS Der häufigste bösartige Tumor bei Männern jenseits des 50. Lebensjahres ist das Prostatakarzinom. Es steht in der Krebssterblichkeitstabelle der Männer hinter dem Bronchialkarzinom und dem Dickdarmkrebs an dritter Stelle. Weil der Tumor oft erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt wird, ist die palliative Behandlung des bereits metastasierten oder nicht mehr lokal begrenzten Karzinoms von besonderer Bedeutung.
Als therapeutische Möglichkeiten kommen dabei die Orchiektomie oder die chemische Kastration mittels LHRH-Analoga in Frage. Das Behandlungsprinzip besteht in beiden Fällen in einem Hormonentzug. In etwa 80 Prozent der Fälle ist das Prostatakarzinom hormonsensibel und reagiert auf die Androgendeprivation, wie sie durch die chirurgische Kastration oder die kontinuierliche Applikation von LHRH-Analoga erreicht wird, mit einer Tumorregression.
Für die Orchiektomie als Therapiemethode sprechen nach Ansicht von Professor Dr. H. Schulze (Dortmund) in erster Linie die niedrigen Kosten des Eingriffs. Außerdem treten danach weder feminisierende Symptome noch kardiovaskuläre Komplikationen auf. Als nachteilig werden von vielen Patienten aber die psychische Belastung durch den Eingriff sowie dessen Irreversibilität betrachtet.
LHRH-Analoga bewirken, wenn sie kontinuierlich oder als Depot-Präparat gegeben werden, nach einem anfänglichen Testosteronanstieg, dem sogenannten Flare-up, einen Abfall des männlichen Sexualhormonspiegels auf Kastrationsniveau. Der initiale Testosteronanstieg kann dabei das Tumorwachstum stimulieren. Um dies zu vermeiden, sollte etwa eine Woche vor der LHRH-Analoga-Therapie mit der Gabe eines Antiandrogens, etwa Flutamid, begonnen werden. Darauf hat Schulze bei einem wissenschaftlichen Symposium der Hoechst AG anläßlich der Einführung von Profact Depot® (Buserelin) in Frankfurt hingewiesen.
Die meisten Patienten bevorzugen offenbar die medikamentöse Therapie. Dies habe eine Studie mit 150 Patienten mit metastasiertem Prostata-Karzinom ergeben, die gemeinsam mit ihren Ehefrauen intensiv über die beiden Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt wurden, berichtete Schulze. Ein Viertel aller Patienten entschiede sich danach für die Orchiektomie wegen der Einfachheit des Eingriffs und des zu erwartenden Erfolgs.


Verbesserte Lebensqualität
Drei Viertel bevorzugten die LHRH-Analoga-Therapie. Sie wollten in erster Linie eine Operation vermeiden, setzten auf den Erfolg der Behandlung und waren von der einfachen Anwendung überzeugt. Für sie war auch die Empfehlung des Arztes ausschlaggebend. Nach drei Monaten hielten 93 Prozent der Patienten und 91 Prozent der Ehefrauen ihre damalige Entscheidung für richtig. Drei Jahre später wurde der Einfluß der gewählten Therapie auf die Lebensqualität und den psychosozialen Status während der ersten sechs Monate nach Therapiebeginn untersucht. Dabei schnitten die Patienten, die die LHRH-Analoga-Therapie gewählt hatten, deutlich besser ab.
Die Ergebnisse einer offenen, nicht vergleichenden multinationalen Studie zur Wirksamkeit und Kinetik der neuen Zwei-Monats-Depot-Formulierung des LHRH-Analogons Buserelin bei 239 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom stellte Professor Dr. Gerd Ludwig (Frankfurt) vor.
Es habe sich gezeigt, daß das LHRH-Analogon aus der Depotformulierung sicher und gleichmäßig freigesetzt werde, so daß die Testosteronspiegel konstant unterhalb des Kastrationsniveaus gehalten werden könnten. Dies gelte auch noch nach
1 000 Therapietagen. Vorteilhaft sei auch, daß nach zwei Monaten erst 85 Prozent der Substanz abgebaut werden, so daß der Arzt immer über eine 14tägige Sicherheitsreserve verfügt, die dem Patienten einen zusätzlichen zeitlichen Spielraum läßt. Die Lebensqualität wurde auch in dieser Studie durch das LHRH-Analogon günstig beeinflußt. So habe sich die Leistungsfähigkeit im ersten Behandlungsjahr nahezu verdoppelt. Auch die Schmerzintensität konnte bei Patienten mit Metastasen deutlich gemindert werden, erklärte Ludwig weiter. Insgesamt sei die klinische Wirksamkeit des Depot-Buserelins vergleichbar mit der einer operativen Kastration. Die verlängerte Wirkdauer sei insbesondere im Hinblick auf die Patientencompliance von Vorteil. Susi Ajnwojner

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