ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1998Kassenarzt-Formulare: Alternative zum technisch veralteten Nadeldrucker

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Kassenarzt-Formulare: Alternative zum technisch veralteten Nadeldrucker

Dtsch Arztebl 1998; 95(44): A-2784 / B-2387 / C-2218

Glöser, Sabine

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LNSLNS Von 1999 an können die meisten Formulare auf Blankopapier erzeugt werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung stellt den Ärzten frei, ob sie das neue Verfahren nutzen wollen.
Vertragsärztliche Formulare können in Zukunft mit einem Laser- oder Tintenstrahldrucker auf Blankopapier erzeugt werden. Die herkömmliche Technik, konventionelle Formularmuster mittels Nadeldrucker zu beschriften, gilt als veraltet und dürfte die niedergelassenen Ärzte in absehbarer Zeit vor Probleme stellen. Der Marktanteil für Nadeldrucker ist auf unter zehn Prozent geschrumpft. Die Wiederbeschaffung der Geräte, Reparaturen und Wartungen werden schwieriger und teurer. Daher hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine technische Alternative entwickelt. Zusammen mit den Krankenkassen will sie vom 1. Januar 1999 an schrittweise ein neues Verfahren in allen KV-Bezirken einführen. Gestartet wird in der KV Hessen. Kassenärzte, die in die aktuelle Technologie investieren möchten, erhalten die Möglichkeit, ihr System umzustellen - gezwungen wird niemand.
Das Konzept der KBV basiert auf einem Feldversuch, der im Jahr 1996 in 25 Darmstädter Arztpraxen vorgenommen wurde. Ziel ist es, das inzwischen weiterentwickelte Verfahren auf alle vertragsärztlichen Formulare anzuwenden. Als Blankoformular wird ein spezielles Sicherheitspapier verwendet, das vor Fälschungen schützen soll: Die Formulare sind auf der Vorderseite farbig und haben einen ultravioletten Aufdruck "GKV" auf der Rückseite, der mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist. Zusätzlich ist ein Wasserzeichen in dem Papier.
Das Sicherheitspapier wird in den Größen DIN A4 und DIN A5 an die Praxen ausgeliefert. Die Kosten dafür tragen die Krankenkassen. Da ein Laserdrucker die Rückseite des Papiers nicht beschriften kann, wird die Größe aller Formulare verdoppelt und die Rückseitenabbildung auf der Vorderseite dargestellt. Rückseitig bedruckte DIN-A4-Formulare werden beim Laserdruck auf zwei Formularseiten ausgedruckt, die - falls nötig - zusammengeführt werden sollten.
Jeder Ausdruck wird, soweit sinnvoll und datenschutzrechtlich zulässig, mit einem Barcode versehen, der das Fälschen von Formularen zusätzlich erschwert. Geläufig ist diese Technik beispielsweise beim Auszeichnen und Einlesen von Preisen im Einzelhandel. In einem etwa 4,5 Quadratzentimeter großen 2D-Barcode, der auf jedes Blankoformular oberhalb des Arztstempels ausgedruckt werden soll, lassen sich 165 Zeichen darstellen. Darin werden Versicherten- und Arztdaten sowie einige Daten des jeweiligen Formulars gespeichert. Die Idee: Werden die sichtbaren Daten auf dem Formular verändert, beispielsweise der Arbeitsunfähigkeitszeitraum verlängert, müßte auch der Barcode verändert werden. Um den Barcode lesbar zu machen, bedarf es jedoch eines Scanners und der entsprechenden Software.
Das Rezept ist das einzige Formular, das vorerst nicht mit der neuen Technik erzeugt werden soll; der übliche Vordruck kann aber mit einem Laserdrucker beschriftet werden. Die 700 Millionen Rezepte, die pro Jahr ausgefertigt werden, werden in den Apothekenrechenzentren mit Imagesystemen gelesen. Die Verarbeitungsmaschinen sind auf DIN-A6-Format justiert. Im Blankoverfahren müßte das Rezept auf DIN-A5Format gebracht werden, und diese Anpassung wäre zu teuer.
Die KBV arbeitet daran, auch die Rezepte mit einem Barcode zu versehen. Er läßt sich auf der Codierleiste im unteren Drittel des Verordnungsblatts aufdrucken. Zusätzliche Kosten entstehen den Vertragsärzten nur durch das Tonerpulver.
Jeder Kassenarzt kann entscheiden, welchen Drukker er verwenden möchte: Ein Laserdrucker arbeitet mitunter zehnmal so schnell wie ein Tintenstrahldrucker. Der ist allerdings preiswerter. Das gleiche gilt für die Anzahl der Schächte: Während in dem hessischen Modellversuch Drei-Schacht-Drucker vorgeschrieben waren, können künftig auch preiswertere Drucker mit nur einer Papierzufuhrkassette verwendet werden.
Für den Ausdruck der Formulare hat die KBV Vorgaben erarbeitet. Sie müssen von den Praxiscomputersystemen eingehalten werden. Die KBV wird die eingesetzte Software überprüfen und vergibt für jedes Softwaresystem, das die Vorgaben erfüllt, ein Zertifikat. Da die Software unterschiedlich ausgestaltet ist, obliegt es den Softwarehäusern sicherzustellen, daß nur Drucker angeschlossen werden, die die Blankoformulare in der vorgeschriebenen Form herstellen können. Dr. Sabine Glöser


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