ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1998Brustkrebs: Primäre Chemotherapie als prognostischer Marker

POLITIK: Medizinreport

Brustkrebs: Primäre Chemotherapie als prognostischer Marker

Dtsch Arztebl 1998; 95(44): A-2753 / B-2344 / C-2082

Leinmüller, Renate

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Studien zur präoperativen Zytostatika-Gabe überprüfen die Möglichkeit der Brusterhaltung und klinischen Remissionsrate.


Beim primär operablen Brustkrebs verspricht die bisher experimentelle Methode einer präoperativen Chemotherapie verschiedene Vorteile: Bei kompletter pathologischer Remission sind die höchsten Überlebensraten zu erwarten, mit einer partiellen Remission steigen die Chancen für eine brusterhaltende Therapie. Diese theoretischen Vorzüge werden in einer bundesweit angelegten Studie überprüft.
Der Grundgedanke für dieses neue Behandlungskonzept fußt auf Erkenntnissen von Prof. Bernhard Fisher (Pittsburgh), der das Konzept - und seine eigenen Ergebnisse - bei einem Symposium in der Frankfurter Universitäts-Frauenklinik ausführte. Fisher hat bereits vor Jahren die heute allgemein akzeptierte Auffassung vertreten, daß der Brustkrebs zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits eine systemische Erkrankung darstellt. Folgerichtig wurde das gängige Konzept der Operation und Radiatio durch eine anschließende Chemotherapie ergänzt, um auch die Mikrometastasen zu "treffen".
Systemische Erkrankung
bei Diagnose
Bei nodalpositiven Frauen konnte dadurch das krankheitsfreie Intervall erheblich verlängert, eine signifikant höhere Überlebenszeit erzielt werden, so Fisher. Bei diesem Vorgehen war allerdings nie zu ermitteln, welche Mikrometastasen auf die zytotoxische Therapie ansprechen: Für den Einzelfall war keine Prognose möglich. Von der neoadjuvanten Chemotherapie erwartet Fisher zwar - über alle Patientinnen gesehen - keine verbesserten Überlebensraten, sehr wohl jedoch prädiktive Aussagen für den Einzelfall. "Wenn der Primärtumor auf die zytotoxische Therapie reagiert, ist anzunehmen, daß diese auch systemisch erfolgreich ist."
In eigenen Studien hat Fisher bei diesem Vorgehen 36 Prozent komplette und 43 Prozent partielle Remissionen in einem Kollektiv von fast 1 500 Brustkrebs-Patientinnen nachgewiesen. Bei über 80 Prozent der Frauen reduzierte sich die ursprüngliche Tumorgröße unter der Chemotherapie auf weniger als die Hälfte; bei vielen Frauen mit großem Tumor konnte deshalb anstelle der vorgesehenen Mastektomie eine brusterhaltende Therapie durchgeführt werden. Darüber hinaus nahm die Gruppe der nodalnegativen Brustkrebs-Patientinnen um 37 Prozent zu. Die Langzeitprognose des Gesamtkollektivs blieb bei diesem Vorgehen unverändert. Diese Ergebnisse haben die German Adjuvant Breast Cancer Group zur Initiierung einer Multicenterstudie unter Leitung von Prof. Manfred Kaufmann (Frankfurt) veranlaßt. Anstelle von Cyclophosphamid wie in den USStudien wird zur Chemotherapie jetzt jedoch Docetaxel mit Adriamycin kombiniert. Damit werden "die derzeit wirksamsten Medikamente" eingesetzt, so Dr. Serban-Dan Costa. In die German-Preoperative-Adriamycin-Docetaxel- (GEPARDO-) Studie sollen rund 200 Frauen mit meßbarem, operablem und histologisch bestätigtem Mammakarzinom (T größer/gleich drei Zentimeter, N 0-2, M 0) aufgenommen und randomisiert vier Zyklen einer dosisintensivierten Chemotherapie mit oder ohne Tamoxifen zugeführt werden. Von der zusätzlichen Tamoxifen-Gabe erhoffen sich die Onkologen eine gesteigerte Effektivität. Acht Wochen nach Therapiebeginn kann dabei die Operation stattfinden. Pilotstudie mit 32 Patienten
Das primäre Zielkriterum der Studie ist die Zahl der pathologisch kompletten Remissionen. Sekundär wird die Steigerung der klinischen Remissionsrate, die Zunahme der brusterhaltenden Operationen sowie die Klärung der Toxizität des Regimes ermittelt. Außerdem soll eine Subgruppenanalyse angeschlossen werden. Geplant ist eine Nachbeobachtungszeit von zwei Jahren.
In einer Pilotstudie mit 32 Patientinnen wurden 60 Prozent partielle und eine komplette Remission beobachtet. Als wichtigste Nebenwirkung zeigte sich eine - meist milde - Mucositis. Durch den Einsatz von Wachstumsfaktoren wie G-CSF (Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor) lassen sich laut Costa zytostasebedingte Neutro- und Leukopenien vermeiden. Dr. Renate Leinmüller

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige