ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Christel Taube: Vorbild für junge Forscherinnen

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Christel Taube: Vorbild für junge Forscherinnen

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1110 / B-966 / C-962

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Prof. Dr. med. Christel Taube vermochte als Hochschullehrerin die Begeisterung für das wissenschaftliche Arbeiten zu wecken. Insbesondere für Studentinnen und junge Forscherinnen ist sie ein ermutigendes Beispiel. Foto: privat
Prof. Dr. med. Christel Taube vermochte als Hoch­schullehrerin die Begeisterung für das wissen­schaftliche Arbeiten zu wecken. Insbe­sondere für Studentinnen und junge Forscherinnen ist sie ein ermutigendes Beispiel. Foto: privat

Prof. Dr. med. Christel Taube vermochte als Hochschullehrerin die Begeisterung für das wissenschaftliche Arbeiten zu wecken. Insbesondere für Studentinnen und junge Forscherinnen ist sie ein ermutigendes Beispiel.

Auch als Frau und Mutter kann man sich in einem von Männern dominierten universitären Umfeld behaupten: Für Studentinnen und junge Forscherinnen ist Prof. Dr. med. Christel Taube (76) ein ermutigendes Beispiel dafür. Die Professorin für Pharmakologie und Toxikologie sowie stellvertretende Institutsdirektorin an der Universität Halle-Wittenberg hat über Jahrzehnte an einer fundierten und praxisnahen Ausbildung von Studierenden mitgewirkt.

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Christel Taube wurde am 27. Juli 1936 in Sonneberg/Thüringen als Tochter des Chemikers Dr. Hans-Joachim Reusch und seiner Ehefrau Erika geboren. Sie wuchs gemeinsam mit einem jüngeren Bruder auf. Nach der Schulzeit in Sonneberg legte sie 1954 die Abiturprüfung an der dortigen Oberschule ab. Dann schrieb sie sich für das Fach Humanmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein, wo sie auch ihr Staatsexamen ablegte.

Nach dem Studium begann Taube 1960 ihre Pflichtassistentenzeit an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und war dort an den Kliniken für Pädiatrie, Chirurgie und Innere Medizin tätig. 1961 erhielt sie die ärztliche Approbation. Wegen der Geburten ihrer beiden Töchter unterbrach sie dann zunächst ihre Tätigkeit. Bereits 1958 hatte sie den Chemiker Professor Rudolf Taube geheiratet. 1965 kehrte sie ins Berufsleben zurück und wurde wissenschaftliche Assistentin am Institut für Physiologische Chemie der Universität Greifswald. 1966 wurde sie zum Dr. med. promoviert. Für ihre Arbeit erhielt sie schon als junge Forscherin viel Anerkennung. Sie wurde 1967 mit dem Ernst-Moritz-Arndt-Preis ausgezeichnet, dem Wissenschaftspreis der Universität Greifswald. 1969 erwarb sie die Facharztbezeichnung für Biochemie.

Im Jahr 1970 wechselte sie an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dort war sie zunächst als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie tätig. 1973 wurde sie Oberärztin und übernahm die Leitung der Abteilung für Biochemische Pharmakologie. 1977 erwarb sie die Facharztbezeichnung für Pharmakologie und Toxikologie und erhielt die Lehrbefähigung.

Taubes wissenschaftliche Schwerpunkte waren anfänglich die Themen Blutgerinnung und der Prostanoidstoffwechsel, die sich dann aber zu dem übergeordneten Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiteten. 1979 habilitierte sie sich. Zur außerplanmäßigen Professorin wurde sie 1985 ernannt. Im selben Jahr wurde sie auch stellvertretende Direktorin des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Halle-Wittenberg. Schließlich wurde sie 1990 zur Universitätsprofessorin berufen. 1996 trat sie in den Ruhestand.

Auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen arbeitete sie eng mit Klinikern und Vertretern anderer theoretischer Institute zusammen, aber auch mit pharmazeutischen Unternehmen. Sie beschäftigte sich insbesondere mit dem Einfluss von Herz-Kreislauf-Medikamenten sowie Ernährungsfaktoren auf die Prostanoidbiosynthese. Alter, Geschlecht, Ernährung, Begleitkrankheiten und Mobilität in ihrem Einfluss auf die Arzneimittelwirkung waren für sie wichtige Aspekte in der Forschung. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden in 147 Publikationen und 176 Vorträgen veröffentlicht. Sie führten zu zwei Patenten.

Als Hochschullehrerin sah sie es als ihre Pflicht an, der künftigen Ärztegeneration einen fundierten Wissensstock mit auf den Weg zu geben. Tatsächlich war es ihr immer ein Anliegen, die wissenschaftlichen Grundlagen der Biochemie sowie später der Pharmakologie und Toxikologie so zu vermitteln, dass die Studenten – bei denen die Pharmakologie mitunter als „stupides Lernfach“ gilt – befähigt werden, die grundsätzlichen Mechanismen einer Pharmakotherapie im Kontext von Konstitution und Lebensgewohnheiten zu begreifen.

Die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war ihr ein wichtiges Anliegen. Von ihren ehemaligen Diplomanden und Doktoranden wird Taube hoch verehrt. Sie verstand es, junge Menschen für ihr Fach und die Forschung zu begeistern.

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