ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Altersabhängige Makuladegeneration: Der Nutzen von Antioxidanzien bei AMD ist begrenzt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Altersabhängige Makuladegeneration: Der Nutzen von Antioxidanzien bei AMD ist begrenzt

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1099 / B-955 / C-952

Gerste, Ronald D.

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Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Erblindungsursache in den Industrienationen. Während man die feuchte (neovaskuläre) Manifestation mit VEGF-Inhibitoren behandeln kann, gibt es keine Therapie der häufigeren trockenen AMD. Große Hoffnungen werden in die Prävention, vor allem durch orale Substitution von Antioxidanzien gesetzt.

In den Jahren 1992 bis 1998 wurden im Rahmen von AREDS (Age-Related Eye Disease Study) 4 757 Probanden rekrutiert, die von nun an täglich eine Nahrungssubstitution bestehend aus 500 mg Vitamin C, 400 IU Vitamin E, 15 mg Betacarotin und/oder 80 mg Zinkoxid oder ein Placebo erhielten. Nach Ende der ursprünglichen Studie im Jahr 2001 wurden 3 549 von 4 203 überlebenden Studienteilnehmern für ein Follow-up gewonnen. Die Zehnjahresergebnisse haben jüngst belegt, dass für Patienten mit bereits bestehenden Frühformen der Makuladegeneration unter der AREDS-Nahrungssubstitution die Wahrscheinlichkeit, eine neovaskuläre AMD zu entwickeln, vermindert war, die Odds Ratio (OR) war auf 0,66 reduziert. Auf die Progression hin zu einer trockenen (atrophischen) AMD hatte die Antioxidanzienzufuhr keinen Einfluss (1).

Eine schlüssige Fortsetzung ist AREDS2 (2). Mehr als 4 000 Patienten wurden rekrutiert, die über eine mittlere Beobachtungszeit von 5 Jahren zusätzlich zu der ursprünglichen AREDS-Formel weitere Antioxidanzien erhielten: entweder Lutein und Zeaxanthin, die ungesättigten Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure, eine Kombination dieser vier oder ein Placebo. Das Risiko von 1 900 Studienaugen der bei Baseline im Schnitt 74 Jahre alten Patienten, die zu Beginn Frühformen der trockenen AMD (sogenannte Drusen: Ablagerungen retinaler Stoffwechselprodukte) aufwiesen, sich zu einer klinisch manifesten Erkrankung zu entwickeln, wurde für die Lutein/Zeaxanthin-Substitution mit einer Hazard Ratio 0,90 (Placebo = 1,0), für die Einnahme der natürlicherweise vor allem in Meeresfischen enthaltenen Omega-3-Fettsäuren mit 0,97 und für die Kombination der genannten Stoffe mit 0,89 errechnet – ohne statistische Signifikanz. Auch auf die Mortalität hatten die Nahrungsergänzungsmittel keinen Einfluss.

Fazit: „Basierend auf den Ergebnissen der AREDS2-Studie kann bei trockener, früher AMD weder zur Einnahme der Makulapigmentbestandteile Lutein und Zeaxanthin noch von Omega-3-Fettsäuren geraten werden“, kommentiert Prof. Dr. med. Frank G. Holz, Direktor der Universitätsaugenklinik Bonn. „Diese Nahrungsergänzungsmittel haben offensichtlich nicht den vermuteten Einfluss auf das Fortschreiten der Erkrankung zu Spätstadien mit Bedrohung für das zentrale Sehen.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Chew E, Clemons T, Agrón E, et al.: Long-term effects of vitamins C and E, β-carotene, and zinc on age-related macular degeneration. Ophthalmology 2013, http://dx.doi.org/10.1016/j.ophtha.2013.01.021.
  2. The Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) Research Group: Lutein_Zeaxanthin and Omega-3 Fatty Acids for Age-Related Macular Degeneration. The Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) Randomized Clinical Trial. JAMA 2013; 309(19), doi: 10.1001/jama.2013.4997.

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