ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Weiterbildung: Monetär motiviert
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Mit großer Erleichterung habe ich auf dem letzten Ärztetag die, wenn auch knappe, Ablehnung einer ambulanten Pflichtweiterbildung verfolgt. Als Instrument zur Qualitätssicherung der Weiterbildung angepriesen, entpuppt sie sich als letztlich rein monetär motivierter Versuch, „das Förderprogramm, das es für die Allgemeinmedizin gibt (. . .), auf andere Facharztgruppen (. . .) auszudehnen“. Wer würde sich denn nicht von der Allgemeinheit bezahlte „Helfer“ in der eigenen Praxis, die zudem auch noch „Umsätze“ generieren dürfen, wünschen?

Auch der immer gerne herangezogene Vergleich mit der Weiterbildung in Allgemeinmedizin hinkt gewaltig. Dass gerade in diesem Fachgebiet, in dem Leistungen eben ausschließlich ambulant erbracht werden, auch eine ambulante Weiterbildung erfolgen muss, ist logisch und leicht ersichtlich. Dies ist aber in keiner Weise auf andere Fachgebiete übertragbar. Ebenso wie viele Leistungen in den ambulanten Sektor verschoben werden, übernehmen stationäre Einrichtungen über Medizinische Versorgungszentren oder auch einfach durch die Tatsache, dass sie in ländlichen Regionen als einzige spezialärztliche Versorgung bieten, ambulante Aufgaben. Zudem füllen sich die Notaufnahmen zunehmend mit jenen Patienten, denen die Wartezeit auf einen Termin beim niedergelassenen Arzt zu lange scheint. Das sind genau die Patienten aus der Grundversorgung, die wir Weiterzubildenden laut Kollegin Feldmann angeblich nicht sehen.

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Welche Auswirkungen eine Pflicht zur Unterbrechung der stationären Weiterbildung zudem auf Arbeitsverträge und Einkommen, also letztlich auf die Familien- und Berufsplanung junger Kolleginnen und Kollegen hätte, darf sich jeder selbst ausmalen. Trotz des enormen finanziellen und organisatorischen Aufwandes gelingt selbst in der als besonders förderungswürdig angesehenen Allgemeinmedizin die Kompensation dieser Nachteile nur teilweise. Vielleicht ist dies einer der Gründe dafür, dass derzeit immer noch zu wenige Kolleginnen und Kollegen ihre berufliche Zukunft in der Allgemeinmedizin sehen.

Festzuhalten bleibt, dass entgegen dem Titel des Beitrags eben nicht jeder von einer Pflicht zur ambulanten Weiterbildung profitieren würde – für die überwiegende Mehrheit der Weiterzubildenden gilt vielmehr das Gegenteil! Damit ist am Ende auch den Patienten, für deren bestmögliche Versorgung ärztliche Weiterbildung eigentlich betrieben wird, nicht geholfen.

Carsten Mohrhardt, 76287 Rheinstetten

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