ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Ernst Klee †: Unbeirrtes Aufklärungsbemühen

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Ernst Klee †: Unbeirrtes Aufklärungsbemühen

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1112 / B-968 / C-964

Gerst, Thomas

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Ernst Klee, Foto: dpa
Ernst Klee, Foto: dpa

Das Ehrenzeichen der deutschen Ärzteschaft gab es für ihn nie. Ernst Klee (1942–2013) hätte es längst verdient gehabt, doch als 1983 sein Buch „Euthanasie im NS-Staat“ erschien, waren die Ärzte offenbar mit ihrer Vergangenheitsbewältigung noch zu wenig vorangekommen, als dass sie die Arbeit dieses unbequemen Aufklärers hätten würdigen können. Und auch unter den Historikern rümpften nicht wenige die Nase, war es doch ein studierter Sozialpädagoge und Theologe, der sich da in ihren Gefilden tummelte und die Aufklärung über die NS-Euthanasie vorantrieb.

Doch Klee ließ sich in seinem Forschungseifer nicht beirren. Immer mehr gerieten die NS-Täter in seinen Fokus. Akribisch wertete er Archivmaterial aus und förderte das zutage, was im Nachkriegsdeutschland lange niemand wissen wollte – viele derjenigen, die 1933 bis 1945 als Mittäter oder -wisser aufgestiegen waren, setzten nach 1945 unbeschadet ihre Karriere fort. Ernst Klee bewies dies eindrucksvoll mit dem „Personenlexikon zum Dritten Reich“.

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Die lange vorgetragene Mär, nur wenige Ärzte hätten sich an den NS-Untaten beteiligt, entlarvte Klee in den Büchern „Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer“ und „Deutsche Medizin. Karrieren vor und nach 1945“. Medizinische Menschenversuche in den Konzentrationslagern fanden nicht isoliert statt, sondern es gab zahlreiche Querverbindungen zur medizinischen Community.

Am 18. Mai ist Ernst Klee im Alter von 71 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Thomas Gerst

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michelvoss
am Dienstag, 2. Juli 2013, 20:43

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aktuelle Beispiele:
Siegfried Borelli: http://www.aerzteblatt.de/archiv/140395/
Kurt-Alphons Jochheim: http://www.aerzteblatt.de/archiv/137312

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