ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Bereitschaft: Anachronistisch und fahrlässig
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Als niedergelassener Kinder- und Jugendpsychiater in Bayern sehe ich die bayerische KV-Lösung, nun alle Arztgruppen einschließlich der hochspezialisierten Fachärzte wie Radiologen, Laborärzte, aber auch Kinder- und Jugendpsychiater in den hausärztlichen Bereitschaftsdienst einzugliedern, als anachronistisch und fahrlässig an.

Die Anforderung, nach 20 Jahren Weiterbildung in einem kinder- und jugendpsychiatrisch und vor allem sehr psychotherapeutisch ausgelegten Spezialfeld nun den Informationsstand des allgemeinen Arztes aus dem Studium weiter präsent zu halten, entspricht doch nicht mehr der Entwicklung unseres Fachgebietes der Medizin.

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Wenn ich in meinem eigenen fachspezifischen Alltag gefordert bin, wie jeder andere Kollege auch, die eigenen Grenzen zu wahren, anzuerkennen und spezialisiert weiterzuverweisen, scheint mir die Beteiligung am hausärztlichen Bereitschaftsdienst in der Versorgung älterer, multimedikamentös eingestellter Patienten und ihrer Beschwerden als fahrlässig . . .

In diesem Rahmen hilft mir auch keine Nachfortbildung, sondern nur die Anerkennung, dass sich unsere Fachspezifikationen in soweit differenziert haben, dass dieses mittelalterliche Bild vom Arzt, der alle Disziplinen beherrscht, einfach überholt ist.

Ich anerkenne die Mehrbelastungen insbesondere in ländlichen Gebieten und die Überbelastung der im Bereitschaftsdienst tätigen Kollegen vor Ort. Ich denke, es geht darum, eine zeitgemäße, moderne und sinnvolle ärztliche Bereitschaftsdienstversorgung zu gewährleisten, im Zweifelsfall auch sektorenübergreifend oder in Kooperation mit Krankenhäusern, die wiederum gleichzeitig finanziell unter der Bereithaltung ihrer Notdienste leiden, und den entsprechenden Notdienstpraxen, und nicht in einem Verzweiflungsakt darum, einen fragwürdigen Sicherstellungsauftrag bezüglich der hausärztlichen Notversorgung zu gewährleisten, in dem die spezialisierten Ärzte rekrutiert werden.

Jörg Mangold, 91567 Herrieden

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