ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Hans-Joachim Woitowitz: Anwalt der Patienten

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Hans-Joachim Woitowitz: Anwalt der Patienten

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1111 / B-967 / C-963

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Prof. Dr. med. Hans-Joachim Woitowitz engagierte sich für die Prävention von Berufskrankheiten und warnte schon früh vor den Gefahren durch Asbest. Sein Einsatz für Asbestopfer ist in höchstem Maße vorbildlich.
Prof. Dr. med. Hans-Joachim Woitowitz engagierte sich für die Prävention von Berufskrankheiten und warnte schon früh vor den Gefahren durch Asbest. Sein Einsatz für Asbestopfer ist in höchstem Maße vorbildlich.

Prof. Dr. med. Hans-Joachim Woitowitz engagierte sich für die Prävention von Berufskrankheiten und warnte schon früh vor den Gefahren durch Asbest. Sein Einsatz für Asbestopfer ist in höchstem Maße vorbildlich.

Nach besten Kräften forschen, kompromisslos mahnen und die Patienten unterstützen: Das ist der Grundsatz von Prof. Dr. med. Hans-Joachim Woitowitz (77). Der ehemalige Leiter des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Gießen sieht sich nicht nur in einer fachlichen, sondern auch in einer moralischen Verantwortung. Er ist bis heute als Sachverständiger für nahezu sämtliche Landessozialgerichte der Bundesrepublik tätig. Asbestopfer unterstützt er bei ihrem Eintreten für eine sachgerechte Anerkennung ihrer Berufskrankheit.

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Hans-Joachim Woitowitz wurde am 18. Oktober 1935 in Allenstein in Ostpreußen als zweites von vier Kindern der Kaufleute Hermann und Hildegard Woitowitz geboren. Nach der Flucht lebte die Familie in Sachsen, dann in Westfalen. Die Abiturprüfung absolvierte Woitowitz 1955 in Bethel bei Bielefeld. Danach schrieb er sich für das Fach Humanmedizin ein und studierte in Marburg und in Köln, wo er 1960 erfolgreich das Staatsexamen ablegte. Ein Jahr später wurde er zum Dr. med. promoviert.

Seine Zeit als Medizinalassistent absolvierte er am Klinikum der Universität zu Köln. Dort begann er auch seine internistische Weiterbildung. 1965 folgte er dann Professor Helmut Valentin, seinem wissenschaftlichen Lehrer, an das neu zu gründende Institut für Arbeits- und Sozialmedizin an der Universität Erlangen-Nürnberg. Zunächst als wissenschaftlicher Assistent, dann als Oberassistent war er hier zuständig für die Poliklinik für Berufskrankheiten. 1971 habilitierte er sich und wurde Privatdozent für die beiden Fächer Arbeitsmedizin und Sozialmedizin.

Frühzeitig erkannte er die Gefährlichkeit von Asbest und trug mit späteren Forschungen maßgeblich zur Aufklärung über die oftmals todbringenden Expositionen bei. Woitowitz erkannte eine arztethische Aufgabe darin, dass die Beschäftigten kaum selbst die existenzbedrohenden Krebsgefährdungen an ihren Arbeitsplätzen erkennen und sich entsprechend schützen können. Im November 1974 folgte er dem Ruf als ordentlicher Professor für Arbeitsmedizin, später Professor für Arbeits- und Sozialmedizin im Zentrum für Ökologie des Klinikums der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er übernahm dort die Leitung des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, die er bis zu seiner Emeritierung 2004 ausübte.

Der Sachverstand von Woitowitz war an vielen Stellen gefragt. 1983 wurde er Leiter der Arbeitsgruppe „Festlegung von Grenzwerten für Stäube“ der Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe. Er fungierte auf Landes- und Bundesebene als kompetenter Politikberater. Unter anderem war er Vorsitzender der Sektion „Berufskrankheiten“ des Ärztlichen Sachverständigenbeirats am Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung sowie Vorsitzender des Sachverständigenkreises „Prävention im Arbeits- und betrieblichen Gesundheitsschutz“ am Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Zudem war er Vorsitzender des interministeriellen Beirats der Zentralen Betreuungsstelle Wismut beim Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften.

Großes Ansehen genoss er nicht nur in der Politik, sondern auch unter Wissenschaftlern. Viele Jahre war er Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin. Bereits 1987 wurde er Fellow des Collegium Ramazzini, New York/Bologna. Ferner engagierte er sich als Mitglied des Vorstands des Ramazzini Institute for Occupational and Environmental Health Research in Solomons, Washington, USA. Er ist Autor von mehr als 500 Publikationen.

Dank seiner Bemühungen, junge Kollegen für sein Fach zu begeistern, wurde die Hessische, später Hessisch-Thüringische Akademie für Betriebsmedizin, Arbeitsmedizin und Sozialmedizin in Bad Nauheim, gegründet. Viele Jahre war er Vorsitzender der Akademie, die später in die Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen integriert wurde.

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