ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Neurologie: Wegweisend und praxisorientiert

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Neurologie: Wegweisend und praxisorientiert

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1104 / B-961 / C-957

Knecht, Stefan

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Die Gesellschaft wird älter, die Medizin besser und die akut-stationäre Behandlung kürzer. So können Patienten früher nach Hause oder zur Wiederherstellung der Selbstständigkeit in eine Rehabilitationsbehandlung entlassen werden. Dies ist auch sinnvoll, weil frühe Rehabilitation erfolgreicher ist als späte. Was passiert jedoch, wenn eine akut-stationäre ursächliche Behandlung abgeschlossen und eine Rehabilitation nötig ist, Patienten aber noch medizinisch instabil sind? Für Patienten mit Gehirn- oder Nervenerkrankungen existiert in Deutschland ein Modell, das diese Lücke schließen und die intensiv- und rehabilitationsmedizinische Versorgung miteinander verbinden kann – die neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation. Historisch geht diese Frührehabilitation unter anderem auf die extrem hohe Zahl von Straßenverkehrsopfern der 1970er Jahre zurück, und sie erweist sich heute als sehr potentes Instrument, um Pflegebedürftigkeit zu vermindern. In voller Tragweite ist dies allerdings vielerorts noch nicht erkannt.

Jens Rollnik hat jetzt mit Kollegen ein dringend nötiges praxisorientiertes Lehrbuch zur neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation herausgebracht. Es behandelt nicht nur akut- und intensivmedizinische, chirurgische, urologische und augenärztliche Aspekte der Versorgung von Gehirnerkrankten, sondern auch dem Akutmediziner weniger bekannte sozialmedizinische Aspekte, wie die internationale Klassifikation der Funktionen und die Philosophie der Zieldefinition. Erläutert werden etablierte Konzepte und Therapieverfahren verschiedener in der Frührehabilitation tätiger Berufsgruppen. Während bei der Behandlung von Bewusstseinsstörungen neuere Entwicklungen nur unvollständig berücksichtigt sind, ist die Darstellung der motorischen Rehabilitation umfassend und aktuell.

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Insgesamt ist das Buch wegweisend und empfehlenswert für Einsteiger in dieses immer wichtiger werdende Gebiet der Neurologie, aber auch für im akuten Bereich tätige Neurologen, Neurochirurgen und internistische oder anästhesistische Intensivmediziner. Denn letztlich entscheidet die gute neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation, ob in der Akutphase errungene medizinische Erfolge bewahrt und der Ausgangspunkt für die weitere Restitution werden können. Stefan Knecht

Jens Dieter Rollnik (Hrsg.): Die neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation. Springer, Berlin 2013, 377 Seiten, gebunden, 99,95 Euro

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