ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Verwaltungsaufwand in den Arztpraxen: Streit um Datenabgleich

POLITIK

Verwaltungsaufwand in den Arztpraxen: Streit um Datenabgleich

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1076

Maus, Josef

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Die KBV will, dass die Aktualisierung der elektronischen Krankenversichertenkarte bei den Krankenkassen und nicht in den Arztpraxen erfolgen soll.

Der Streit darüber, wer für die Aktualisierung der Versichertenstammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte zuständig ist, geht weiter. Dr. med. Andreas Köhler ließ bei der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Vorfeld des 116. Deutschen Ärztetages in Hannover keinen Zweifel daran, dass die Vertragsärzte diese Verwaltungsaufgabe für die Krankenkassen nicht allein übernehmen wollen. Dies ist im Gesetz derzeit so vorgesehen.

Die Kassen richten bereits eKioske für Versicherte ein

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Der KBV-Vorsitzende sagte vor den Delegierten, die KBV habe in der Gesellschafterversammlung der Gematik versucht, den quartalsweisen Abgleich der Versichertenstammdaten auf der Karte nur als freiwillige Zusatzleistung der Vertragsärzte zu definieren. Die Gematik ist zuständig für die Einführung der elektro-nischen Gesundheitskarte. Vertreten sind dort sowohl die Kassenärztliche Bundesvereinigung als auch der GKV-Spitzenverband. „Damit sowie mit zwei Briefen an Minister Bahr“, erläuterte Köhler, „haben wir die entsprechenden Beschlüsse der Ver­tre­ter­ver­samm­lung vom vergangenen Jahr aufgegriffen.“ Als Alternative zur alleinigen Verpflichtung der Vertragsärzte hat die KBV vorgeschlagen, zusätzliche Möglichkeiten für den Abgleich der Stammdaten zu schaffen – etwa indem die Versicherten dies selbst an sogenannten eKiosken in den Geschäftsstellen der Krankenkassen erledigen können. Eine solche Lösung praktizieren bereits die IKK Nord, die Knappschaft und auch große Versorgerkassen wie die Techniker- Krankenkasse und die AOK.

Was Köhler empört, ist, „dass der GKV-Spitzenverband eben dieser Kassen genau die gleiche Lösung in der Gematik abgelehnt hat“. Für den KBV-Vorsitzenden ist das ein weiterer Beleg dafür, welche Entwicklung der Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur genommen hat: „Ursprünglich sollte sie dazu dienen, die Kommunikation zwischen den Ärzten und den Versorgungs-bereichen zu verbessern und nicht zuletzt auch Bürokratie abzubauen. Wenn das Ganze nur dazu dient, Verwaltungsaufgaben der Krankenkassen in die Praxis zu verlagern, dann ist das nicht im Sinne der
Patienten, denn die haben davon gar nichts – außer frustrierten Ärzten und Praxismitarbeitern, die noch weniger Zeit für sie haben.“

Wenn die Gematik zu mehr nicht in der Lage sei, dann müsse die Ärzteschaft in Sachen Vernetzung eigene Wege gehen, kündigte Köhler an. Mit dem KV-Safenet, an das bereits 38 000 Vertragsärzte und eine Reihe von Krankenhäusern angeschlossen seien, verfüge man über entsprechende Strukturen. Der KBV gehe es vor allem darum, dass auch Anwendungen eingebunden würden, die „wirklich einen praktischen Nutzen haben“ und Ärzten sowie Psychologischen Psychotherapeuten die Arbeit erleichterten.

Keine Verpflichtung – aber Mehrwerte für die Arztpraxen

Die KBV werde, sagte Köhler abschließend, dem Anschluss der Arztpraxen an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur nur dann zustimmen, wenn die Verpflichtung zum Stammdatenabgleich in den Praxen entfalle und es zugleich akzeptable Wege zur Einbindung der Mehrwerte im sicheren Netz der KVen gebe.

Josef Maus

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