ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Randnotiz: Bach, prä- und postoperativ

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Randnotiz: Bach, prä- und postoperativ

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1063 / B-927 / C-923

Siegmund-Schultze, Nicola

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Mit Musik ist nicht zu spaßen. Der griechische Philosoph Platon hatte eine ausgefeilte Musiktheorie und schrieb der Wirkung bestimmter Tonleitern und Rhythmen auf die Modulation von Emotionen gesellschaftspolitische Konsequenzen zu. Auch in chinesischen Dynastien sah man einen großen Einfluss von Musik auf Charakter und Moral des Menschen, so dass der Grundton der Musik, kosmischen Maßen entsprechend, festgelegt wurde.

Seit einiger Zeit wird Musik – ebenfalls nicht zum Spaß – mit Methoden der evidenzbasierten Medizin untersucht. In einer randomisierten kontrollierten Crossover-Studie mit 74 Notärzten und Rettungssanitätern haben britische Forscher festgestellt, dass der Song „Disco Science“ von Guy Richie mit 104 beats per minute (bpm) den Anteil der Herzdruckmassagen mit optimalem Rhythmus (100–120 bpm) im Vergleich zu keiner und anderer Musik signifikant erhöhte (Emerg Med J 2012; 29: 290–4). Zu wünschen übrig ließ aber die Druckstärke bei der Hälfte der Interventionen, unabhängig von der Musik.

Klassische Musik – und hier liegt offenbar Johann Sebastian Bach etwas vor Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Strauss – wirkt Studien zufolge günstig auf kardiovaskuläre Parameter: Schon das Einspielen einer Bachkantate für zehn Sekunden senkt Pulsfrequenz und systolischen und diastolischen Blutdruck signifikant (MMW 2013; 155: 24). In einer Studie mit 372 Patienten, die kurz vor einer Operation standen, erwies sich eine musikalische Prämedikation in Bezug auf die Angstsymptomatik im Vergleich zu Midazolam als effektiver. Gut möglich, dass Patienten im „Bach-Bett“ am besten aufgehoben sind – prä- und postoperativ.

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