ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013MDK-Prüfungen in den Krankenhäusern: Ein bisschen Frieden?

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MDK-Prüfungen in den Krankenhäusern: Ein bisschen Frieden?

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1078 / B-937 / C-933

Osterloh, Falk

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Schon lange streiten Krankenkassen und Krankenhäuser darüber, welche Klinikabrechnungen als richtig zu bewerten sind und welche nicht. Nun sollen sie selbst ein Verfahren entwickeln, das Konflikte künftig vermeidet.

Wie lang ist zu lang? Krankenkassen und Krankenhäuser sollen herausfinden, wann Patienten zu lange im Krankenhaus behandelt werden. Foto: mauritius images
Wie lang ist zu lang? Krankenkassen und Krankenhäuser sollen herausfinden, wann Patienten zu lange im Krankenhaus behandelt werden. Foto: mauritius images

Seit Jahren ist es einer der großen Streitpunkte zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern: die Abrechnung der im Krankenhaus erbrachten Leistungen. In regelmäßigen Abständen, zuletzt Ende April, werfen die Kassen den Häusern vor, mehr abzurechnen, als sie tatsächlich geleistet haben. Die Hälfte aller vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) im ersten Halbjahr 2012 überprüften Klinikabrechnungen sei falsch gewesen, hatte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes Medienberichten zufolge erklärt. Der Verband unterliege einer Fehleinschätzung, hatte umgehend der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, betont. Bei den beanstandeten Fällen habe es sich in der überwiegenden Zahl um medizinische Streitfälle gehandelt.

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Die Koalition will beide Organisationen nun damit beauftragen, die Prüfung von Krankenhausabrechnungen neu auszugestalten. Das geht aus einem Änderungsantrag hervor, der im Juni an das „Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Kran­ken­ver­siche­rung“ angehängt werden soll. Bereits bis zum Ende dieses Jahres sollen GKV-Spitzenverband und DKG Regelungen finden, mit denen „Konflikte zwischen den Vertragspartnern bei der Abrechnungsprüfung im Krankenhausbereich“ vermieden und „die Modalitäten der Konfliktlösung stärker in die Eigenverantwortung der Vertragspartner“ gelegt werden.

Konkret soll vereinbart werden, wann die Krankenhäuser die Unterlagen bei den Kassen vorlegen müssen, wie Abrechnungsprobleme vor Einschalten des MDK umgangen werden können, in welchem Stadium der MDK einzuschalten ist oder wie lange eine Prüfung dauern soll. Zudem sollen beide Organisationen bis Ende 2013 einen Schlichtungsausschuss auf Bundesebene bilden, der „verbindliche Entscheidungen zu grundlegenden Kodier- und Abrechnungsfragen“ trifft. Dadurch könnten der „Umfang streitbehafteter Fragen nachhaltig vermindert“ sowie die Sozialgerichte entlastet werden, die bei Abrechnungsstreitigkeiten bislang zuständig sind.

Bis zum Ende des Jahres 2014 sollen GKV-Spitzenverband und DKG darüber hinaus ein Verfahren entwickeln und erproben, mit dem sogenannte sekundäre Fehlbelegungen besser identifiziert werden können, also Behandlungen von Patienten, die eigentlich nicht mehr stationär erfolgen müssten. Dieser Bereich ist der Koalition zufolge ein Schwerpunkt der MDK-Tätigkeit. „Zu prüfen ist, ob unter Anwendung zu definierender Kriterien eine belastbare Prüfung aufgrund von statistischen Abweichungen der Werte für das einzelne Krankenhaus gegenüber den Durchschnittswerten möglich ist und ob im Rahmen einer modellhaften Erprobung unter Praxisbedingungen eine Verminderung des Prüfaufwandes gelingt“, heißt es in dem Antrag.

Die beauftragten Organisationen bewerten die Pläne der Bundesregierung unterschiedlich. „Die geplante Neuregelung stellt einen gewichtigen Schritt in die richtige Richtung dar“, erklärte Baum gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Denn dadurch bestehe die Möglichkeit, die widerstreitenden Interessen der Leistungserbringer und der Kostenträger zu einem Ausgleich zu bringen und das Konfliktpotenzial im Zusammenhang mit MDK-Prüfungen erheblich zu reduzieren.

„Das Problem fehlerhafter Krankenhausabrechnungen basiert nicht auf einem Mangel an Regeln zu offenen Fragen“, sagte hingegen die stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbands, Ann Marini. „Kritisch ist die unsachgemäße Ausnutzung von Spielräumen, die es auch bei weiteren Regeln wieder geben würde.“ Und keine der Maßnahmen setze einen Anreiz für die Krankenhäuser, künftig Fehler zu vermeiden.

Falk Osterloh

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