ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Klonstudie: Forscher bestätigt „unbeabsichtigte Fehler“

AKTUELL: Akut

Klonstudie: Forscher bestätigt „unbeabsichtigte Fehler“

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1064 / B-928 / C-924

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Erst am 15. Mai hatte die Fachzeitschrift „Cell“ eine Studie veröffentlicht, wonach es zum ersten Mal gelungen ist, aus geklonten menschlichen Embryonen Stammzelllinien herzustellen (doi: 10.1016/j.cell.2013.05.006). Nun ist Kritik an der weltweit beachteten Publikation von Shoukhrat Mitalipov vom Oregon National Primate Research Center laut geworden. Nach Angaben eines anonymen Kommentators auf der Website PubPeer – einer Online-Plattform, auf der Wissenschaftler bereits veröffentlichte Facharbeiten begutachten – haben die Autoren ein Foto (jeweils anders geschnitten) doppelt benutzt und in Bildlegenden unterschiedlich identifiziert. Zudem wird eine Abbildung kritisiert, die die Ergebnisse einer Reihe von Wiederholungen eines Versuchs zeigt. Eine Grafik komme darin doppelt vor, zwei weitere seien einander extrem ähnlich (pubpeer.com/publications/F0CFE0360002C2 5DC0BEFE28987D 70). Der PubPeer-Kommentator hält sie daher nicht für biologische, sondern für technische Replikate des Versuchs.

Diese Kritik lässt nicht nur Zweifel an der Arbeit der Stammzellforscher, sondern auch an den Kontrollmechanismen der etablierten Fachzeitschrift aufkommen. Handelt es sich (wieder einmal) um eine Fälschung oder lediglich um Schlamperei? Im aktuellen Fall wurde die Peer-Review-Prüfung offenbar im Eilverfahren erledigt. Nur vier Tage nachdem die Studie bei „Cell“ eingereicht worden war (30. April), akzeptierte das Magazin sie zur Veröffentlichung (3. Mai). Chefredakteurin Emilie Marcus verteidigt die Studie: „Wir glauben nicht, dass sich diese Fehler in irgendeiner Weise auf die wissenschaftlichen Resultate auswirken.“ Auch sehe sie keinen Grund, an der Gründlichkeit der hausinternen Prüfungen zu zweifeln.

Mitalipov selbst bestätigt auf der Internetseite von „Nature“ „unbeabsichtigte Fehler“ in der Arbeit (doi: 10.1038/nature.2013.13060). Sie seien durch zu große Eile passiert. Zugleich betonte Mitalipov: „Die Ergebnisse sind real, die Zelllinien sind real, alles ist real.“

Anzeige

Dennoch äußern sich deutsche Stammzellforscher entsetzt: „Grundsätzlich darf so etwas nicht passieren, schon gar nicht bei einer Veröffentlichung, die quasi der Fälschung von Hwang nachfolgt“, urteilt Prof. Dr. med. Hans Schöler. Der Münsteraner Wissenschaftler bezieht sich dabei auf einen Fälschungsskandal im Jahr 2004, als der Südkoreaner Hwang Woo Suk teilweise frei erfundene Ergebnisse zum Klonen embryonaler Stammzellen veröffentlicht hatte und später zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. zyl

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema