ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Medizinische Notwendigkeit einer stationären Liposuktion

RECHTSREPORT

Medizinische Notwendigkeit einer stationären Liposuktion

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1123 / B-975 / C-971

Berner, Barbara

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Eine gesetzliche Krankenkasse ist verpflichtet, die Kosten einer stationären Liposuktion zu übernehmen, wenn diese medizinisch notwendig ist. Dies hat das Hessische Landessozialgericht (LSG) entschieden.

Bei der Klägerin liegt durch ein Lipödem an Armen und Beinen und an der Gesäßregion eine Krankheit vor, deren Behandlung notwendig ist. Die medizinische Notwendigkeit für eine stationäre oder ambulante Behandlung ergibt sich nach Auffassung des Gerichts nach den Mengen des abzusaugenden Fettgewebes und den damit zusammenhängenden spezifischen Komplikationsmöglichkeiten (zum Beispiel Fettembolie). Diese Differenzierung entspricht den GÄCD-Leitlinien zur Liposuktion, die im ambulanten Bereich eine maximale Aspirationsmenge von 2 000 mL reinem Fettgewebe vorsehen und bis 4 000 mL Aspirationsmenge eine gewährleistete postoperative Nachbetreuung bis 24 Stunden für notwendig erachten. Bei der Klägerin sind diese Werte deutlich höher. Zudem wird in einem medizinischen Gutachten darauf hingewiesen, dass aufgrund der Adipositas der Klägerin ein erhöhtes Operationsrisiko besteht. Keine Rolle spielt in diesem Zusammenhang nach Auffassung des Gerichts, dass es sich bei der Liposuktion um eine neue Behandlungsmethode handelt, für die bis dato keine positive Empfehlung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) vorliegt. Neuartige Behandlungsverfahren bedürfen im Rahmen der Krankenhausbehandlung keiner besonderen Empfehlung. Während für den Bereich der ambulanten Versorgung bezüglich neuer Behandlungsmethoden ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt gilt, ist für den stationären Bereich der Anspruch nur dann ausgeschlossen, wenn der G-BA dazu eine negative Stellungnahme abgegeben hat. Die Liposuktion entspricht zudem den Regeln der ärztlichen Kunst und stellt keine Außenseitermethode im Sinne der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts dar. Eine Behandlung des Lipödems der Klägerin durch eine ambulante Behandlung kommt nicht in Betracht. Die konservativen Behandlungsmöglichkeiten sind ausgeschöpft. Dass eine Gewichtsreduktion die lipödemtypischen Fettansammlungen beeinflussen könne, sei wissenschaftlich nicht erwiesen. Die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung ist nach Auffassung des Gerichts daher verpflichtet, die Kosten für die stationäre
Behandlung zu übernehmen. (Hessisches LSG, Urteil vom 5. Februar 2013, Az.:
L 1 KR 391/12) RAin Barbara Berner

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