ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

KULTUR

Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1114

Schuchart, Sabine

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Bewegende Geschichten über die Liebe und den Mut, eigene Grenzen zu überwinden – das Deutsche Ärzteblatt stellt eine Auswahl sehenswerter Premieren vor.

Tragikomödie

Ab 13. Juni:

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Foto: Movienet
Foto: Movienet

Tango libre

Der einzelgängerische Gefängniswärter JC (François Damiens) hat nur eine Leidenschaft im Leben: Tango tanzen. Dabei lernt er die attraktive Alice (Anne Paulicevich) kennen (Bild). Am nächsten Tag trifft er die alleinerziehende Mutter im Gefängnis wieder, wo sie zwei Häftlinge – Fernand, ihren Mann (Sergi López), und Dominic, ihren Liebhaber (Jan Hammenecker) – besucht. Der bisher überkorrekt-nüchterne JC gerät in die turbulente Dreiecksbeziehung, die vom Rhythmus des argentinischen Tangos bestimmt ist. Frédéric Fonteyne („Eine pornografische Beziehung“) inszenierte keinen Tanzfilm, sondern ein wunderbar subtiles Porträt über Männer und Frauen und eine berührende Geschichte über den Mut, die eigenen Grenzen zu überwinden.

Belgien/Frankreich 2012, 105 Min. (FSK: 6)

Ab 28. Juni:

Copacabana

Paraderolle für Isabelle Huppert, die als flippige, ewig junge Mutter namens Babou im Konflikt liegt mit ihrer konservativen Tochter Esméralda (Lolita Chammah, auch im wahren Leben Hupperts Tochter). Die will, um Peinlichkeiten vorzubeugen, die egozentrische Mama nicht zu ihrer Hochzeit einladen. Daraufhin versucht Babou, ein seriöses Leben zu beginnen, und heuert bei einer Immobilienfirma im belgischen Oostende an. Sehr amüsanter Mutter-Tochter-Konflikt mit Tiefgang. Nur das Ende fällt leider etwas simpel aus.

Frankreich 2010, 110 Min.

DRAMA

Ab 30. Mai:

To the Wonder

Marina (Olga Kurylenko) und Neil (Ben Affleck) sind frisch verliebt in Frankreich. Neil ist ein gescheiterter Autor, der die USA für ein neues Leben verlassen hat. Zwei Jahre später lebt das Paar in Oklahoma. Dort beginnt Neil eine Affäre mit seiner Jugendfreundin Jane (Rachel Mc-Adams). Marina sucht Beistand bei dem Priester Quintana (Javier Bardem), der in einer tiefen Glaubenskrise steckt. Komplexes, anspruchsvolles Liebesepos von Meisterregisseur Terrence Malick („Tree of Life“), das ohne viele Worte, aber mit umso stärkeren Bildern beeindruckt.

USA 2012, 112 Min.

Ab 6. Juni:

Before Midnight

Während in „To the Wonder“ kaum geredet wird, ist in Richard Linklaters Kultfilmen um die Französin Céline (Julie Delpy) und den Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) das Gegenteil der Fall. Vor 18 Jahren hatten sich die beiden in „Before Sunrise“ im Zug kennengelernt, vor neun Jahren waren sie sich in „Before Sunset“ in Paris wieder begegnet. Im letzten Teil der Trilogie sind sie nun mit dem Alltag ihrer Ehe konfrontiert, über die sie während eines Griechenlandurlaubs diskutieren – ehrlich, scharfzüngig, entwaffnend.

USA/Griechenland 2013, 108 Min. (FSK: 6)

Ab 13. Juni:

The Place Beyond The Pines

Motorradstuntfahrer Luke (Ryan Gosling) erhält die Nachricht, dass er nach einem One-Night-Stand mit der Kellnerin Romina (Eva Mendes) Vater geworden ist. Für Luke tut sich ein neuer Lebenssinn auf. Er versucht, mit Bankeinbrüchen Geld für seine kleine Familie aufzutreiben. Dabei gerät er ins Visier des ehrgeizigen Polizisten Avery Cross (Bradley Cooper). Die Outsider-Liebesballade wird zum Thriller und Derek Cianfrances Nachfolgefilm von „Blue Valentine“ (2010) zur großartigen Studie über Schuld und Sühne.

USA 2012, 140 Min. (FSK: 12)

Ab 20. Juni:

Promised Land

Vordergründig geht es in Gus van Sants Film (Prädikat „Besonders wertvoll“) um die umweltzerstörenden Bohrmethoden der Erdgasindustrie, das Fracking. Die eigentliche Faszination liegt jedoch in der komplexen Figur des Protagonisten Steve Butler (exzellent: Matt Damon). Der Idealist, Mitarbeiter eines US-Gaskonzerns, glaubt zunächst, den Bauern etwas Gutes zu tun, wenn er ihnen Bohrrechte abkauft – bis ihn die massive Gegenwehr eines Umweltaktivisten (John Krasinski) in ein moralisches Dilemma stürzt.

USA 2012, 106 Min. (FSK: 6)

Sabine Schuchart

DVD-TIpp

Fehlgeleitete Entwicklungshilfe

Afrika südlich der Sahara ist die einzige Weltregion, in der die Armut seit 1990 zugenommen hat, obwohl Milliarden Euro an Entwicklungshilfe in die Region geflossen sind. Mehr als 60 Prozent aller Menschen, die weltweit mit dem Aidsvirus infiziert sind, leben hier. Schon seit Jahren argumentieren einige afrikanische Intellektuelle, dass die Entwicklungshilfe die Eigeninitiative ihrer Landsleute ersticke und vor allem den wirtschaftlichen Interessen der Geberländer diene. Dem Sinn und Unsinn langfristiger staatlicher Entwicklungshilfe des Westens (gemeint ist nicht die Nothilfe nach Umweltkatastrophen) spürt der preisgekrönte Dokumentarfilmer und langjährige Afrikakenner Peter Heller in seinem kritischen Report nach – mit bestechenden Bildern und durch zahlreiche Interviews mit Entwicklungshelfern und vor allem den Menschen vor Ort, die von der Hilfe leben. In Kenia, Tansania und Mali ist er auf besonders eklatante Beispiele unsinniger Großprojekte gestoßen.

Peter Heller: „Süßes Gift – Hilfe als Geschäft“, Deutschland 2012, 89 Min., W-Film Distribution, circa 17 Euro (Erscheinungstermin: 24. Mai).

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