ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Börsebius: Was die Sphinx der Geldpolitik meint

GELDANLAGE

Börsebius: Was die Sphinx der Geldpolitik meint

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1120 / B-972 / C-968

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Ein Notenbankchef hat es wahrlich nicht leicht. Vor allem nicht, wenn er der größten der Welt, der Federal Reserve (Fed), vorsteht. Wenn er sich äußert, hängen Heerscharen von Börsianern an seinen Lippen, und ein vermeintlich falsches Zucken oder ein dezent gesetztes Hüsteln kann im computerunterstützen Sekundenhandel die Kurse an den Finanzmärkten empfindlich beeinflussen. Eigentlich darf Ben Bernanke gar nichts Konkretes sagen, sondern lediglich vage andeuten, aber genau in dem immanenten Interpretationsspielraum liegt die Krux. Kritiker nörgeln denn auch, dass Kaffeesatzleserei etwa ähnlich gute oder schlechte Ergebnisse bringe.

So ein sphinxhaftes Verhalten zeigte der Chef der US-Notenbank Ende Mai, als er zwar der Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik das Wort redete, in der anschließenden Diskussion aber andeutete, einen Kurswechsel nicht auszuschließen. Zwischen den Zeilen also scheint die Botschaft zu sein, ein Weitermachen wie bisher werde es nicht mehr geben.

Will heißen, dass möglicherweise ein Paradigmenwechsel bevorsteht. Im konkreten Fall dürfte Bernanke in der Tat eine – neue – Ära wieder steigender Zinsen angekündigt, pardon, vorsichtig angepiekst haben. Zu hoch schätzt man anscheinend bei der Fed das Blasenbildungsrisiko aufgrund überbordender Liquidität ein.

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Dass dies nicht nur ein Indiz ist, mag sich dem Betrachter auch aus dem Umstand erschließen, dass auch der Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, kurz zuvor in ein ähnliches Horn blies. Wie schnell allerdings die Notenbanken umschalten, vermag ich auch nicht schlüssig zu beurteilen. Sicher scheint mir aber zu sein, dass ein Wechsel der Notenbankpolitik bevorsteht, das Timing ist eben nur noch nicht klar.

Was aber bedeutet das für den Anleger? Die vielen frustrierten Festgeldinhaber können darauf hoffen, dass es in absehbarer Zeit wieder mehr Zinsen gibt, während auf der anderen Seite die historisch niedrigen Finanzierungskosten für Häuslebauer nicht mehr lange zu haben sein werden. Vor allem aber gilt für Rentenfonds: Höhere Renditen bedeuten fallende Kurse. Also möglichst schnell raus aus dieser Anlageklasse. Ehrlich jetzt. Das ist mein voller Ernst.

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