ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Hermann Hepp: Keine Angst vor Grundsatzfragen

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Hermann Hepp: Keine Angst vor Grundsatzfragen

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1109 / B-965 / C-961

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Prof. Dr. med. Hermann Hepp war an vielen Stellungnahmen zu In-vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik beteiligt. Außerdem hat er die Aufarbeitung der Rolle der Frauenärzte in der NS-Zeit vorangetrieben. Foto: Akademie Bayern
Prof. Dr. med. Hermann Hepp war an vielen Stellungnahmen zu In-vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik beteiligt. Außerdem hat er die Aufarbeitung der Rolle der Frauenärzte in der NS-Zeit vorangetrieben. Foto: Akademie Bayern

Prof. Dr. med. Hermann Hepp war an vielen Stellungnahmen zu In-vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik beteiligt. Außerdem hat er die Aufarbeitung der Rolle der Frauenärzte in der NS-Zeit vorangetrieben.

Prof. Dr. med. Hermann Hepp (79) ist einer der führenden Vertreter der Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Deutschland. Mehr als 20 Jahre war er Direktor der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München am Klinikum Großhadern. Die Beschäftigung mit ethischen Fragestellungen zieht sich wie ein roter Faden durch sein Berufsleben. Seit 1996 ist er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), seit 2002 Vorstandsmitglied. Er war an vielen Stellungnahmen und Richtlinien beteiligt – unter anderem zur In-vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik.

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Hermann Hepp wurde am 27. Januar 1934 in Singen am Hohentwiel, Landkreis Konstanz, als drittes von sieben Kindern des Optikermeisters August Hepp und seiner Ehefrau Elisabeth geboren. Nach der Abiturprüfung studierte er zunächst für ein Jahr Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte an der Universität Gregoriana in Rom. 1954 kehrte er nach Deutschland zurück und schrieb sich für das Fach Humanmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ein. Das Staatsexamen absolvierte er 1960 und wurde im selben Jahr von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München zum Dr. med. promoviert.

Seine erste Assistentenstelle trat er 1962 an der Neurochirurgischen Klinik der Universität Freiburg an. Mit dem Wechsel an die Universitätsfrauenklinik in Freiburg traf er 1963 auf seinen maßgeblichen Lehrer, Professor Heinrich Wimhöfer. Dieser förderte ihn in seinen wissenschaftlichen Arbeiten. 1969 habilitierte sich Hepp. 1978 wurde er Ordinarius für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität des Saarlandes. Schließlich folgte er 1984 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der LMU München und übernahm die Leitung der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Großhadern. Diese leitete er bis 2005, obwohl er schon im Jahr 2002 emeritierte.

Hepp genoss nicht nur hohes Ansehen bei seinen Mitarbeitern, sondern kann auch ein bemerkenswertes wissenschaftliches Lebenswerk vorweisen. Er ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und war deren Obmann für das Fach Gynäkologie. Etwa 400 Publikationen veröffentlichte er. Hepp war Herausgeber von Fachzeitschriften, unter anderem „Der Gynäkologe“. Hinzu kommen Bücher und Buchbeiträge. Außerdem veröffentlichte er auch Artikel zu bioethischen Fragestellungen seines Faches. Unter seiner Leitung entstanden 22 Habilitationen, 19 davon in München. Viele seiner Schüler konnten Lehrstuhl- und Chefarztpositionen besetzen. „Er besitzt die wunderbare Fähigkeit, Menschen durch sein Vertrauen stark zu machen und sie zu überragenden Leistungen zu motivieren“, schrieben einige seiner Schüler anlässlich seines 75. Geburtstags im „Frauenarzt“.

Seine Kompetenzen waren an vielen Stellen gefragt. Er engagierte sich in zahlreichen Fachgesellschaften, Gremien und Kommissionen. Besonders hervorzuheben ist dabei seine Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) von 1992 bis 1994. Eine historische Leistung in diesem Amt war die Aufarbeitung der Rolle der Frauenärzte im Nationalsozialismus, die er mit Feingefühl und zugleich mit Mut vorantrieb. Der DGGG-Kongress 1994 in München widmete sich diesem Thema.

Bemerkenswert ist sein Einsatz in der ärztlichen Selbstverwaltung. Er ist Vorstandsmitglied des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK. Bereits seit 1983 war er an Stellungnahmen und Richtlinien des Wissenschaftlichen Beirats zur Pränataldiagnostik, Reproduktionsmedizin, Forschung an Embryonen und zum Schwangerschaftsabbruch beteiligt.

Hepp ist ein herausragender Wissenschaftler und zugleich tief verwurzelt in christlich-humanistischen Werten. Er hatte den Vorsitz der Ethikkommission am Klinikum Großhadern. Von 1987 bis 1993 war er Mitglied der Zentralen Kommission der Bundes­ärzte­kammer zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Reproduktionsmedizin, Forschung an menschlichen Embryonen und Gentherapie.

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