ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2013Brustkrebsprävention bei hohem Risiko: Präventive Effekte von Östrogenrezeptormodulatoren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Brustkrebsprävention bei hohem Risiko: Präventive Effekte von Östrogenrezeptormodulatoren

Dtsch Arztebl 2013; 110(22): A-1100 / B-956 / C-953

Meyer, Rüdiger

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Seit längerem wird vermutet, dass selektive Östrogenrezeptormodulatoren (SERM) wie Tamoxifen oder Raloxifen, die zur Hormonbehandlung bei Mammakarzinom und
zur Osteoporosetherapie angewandt werden, Brustkrebs vorbeugen könnten. Diese Frage ist in einer Metaanalyse von Studien mit vier SERM untersucht worden: Tamoxifen und Raloxifen sowie Lasofoxifen, das bislang nicht auf dem Markt ist, und Arzoxifen, das noch klinisch geprüft wird. Auf der Basis von 83 399 Frauen, die im Mittel für 65 Monate mit SERM oder Placebo behandelt wurden, ergab sich eine Reduktion der Brustkrebsinzidenz um 38 Prozent (Hazard Ratio [HR] 0,62; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,56 bis 0,69). In den ersten 5 Jahren wurde die Inzidenz sogar um 42 % gesenkt (HR 0,58; 95-%-KI 0,51 bis 0,66), in den folgenden fünf Jahren betrug die Reduktion noch 25 Prozent (HR 0,75; 95-%-KI 0,61 bis 0,93). Die Unterschiede waren im Vergleich zu Placebo hochsignifikant. Ein Einfluss auf die Brustkrebs- oder Gesamtsterblichkeit habe sich nicht ergeben, vermutlich wegen der guten Therapieergebnisse im Frühstadium des Karzinoms, meinten die Autoren. Die Number Needed to Treat beträgt 42 Frauen, die ein SERM einnehmen müssten, um einer Frau binnen 10 Jahren eine Erkrankung zu ersparen.

Es wurden aber auch statistisch signifikante Anstiege thromboembolischer Ereignisse ermittelt: um 60 % bei Tamoxifen (Odds Ratio [OR] 1,60; 95-%-KI 1,21 bis 2,12), um 45 % bei Raloxifen (OR 1,45; 95-%-KI 1,18 bis 1,76) und mit einer OR von 2,55 für Arzoxifen (95-%-KI 1,45 bis 4,47) und 2,38 für Lasofoxifen (95-%-KI 1,43 bis 3,97) lagen die Risiken bei diesen Substanzen noch deutlich höher. Die Tamoxifen-Einnahme war auch mit einer erhöhten Rate von Endometriumkarzinomen assoziiert (OR 2,18; 95-%-KI 1,39 bis 3,42), nicht aber Raloxifen (OR 1,09; 95-%-KI 0,74 bis 1,62). Tamoxifen käme demnach für hysterektomierte Frauen infrage, Raloxifen eher für nichthysterektomierte. Für die beiden anderen SERM sei die Datenlage dazu noch unklar.

Kumulative Inzidenz für Mammakarzinome inklusive duktaler Karzinome in situ
Kumulative Inzidenz für Mammakarzinome inklusive duktaler Karzinome in situ
Grafik
Kumulative Inzidenz für Mammakarzinome inklusive duktaler Karzinome in situ

Fazit: Eine von der Stiftung Cancer Research UK beauftragte Meta-analyse bestätigt die chemopräventive Wirkung von SERM, diese nimmt jedoch mit der Dauer der Therapie ab. Eine Senkung der Brustkrebs- oder der Gesamtsterblichkeit war nicht nachweisbar. Das britische National Institute for Health and Care Excellence hat kürzlich reagiert und den Entwurf einer Leitlinie vorgestellt: Bei erhöhtem familiärem Risiko sollten postmenopausale Frauen Tamoxifen oder Raloxifen fünf Jahre lang einnehmen, wenn es in der Anamnese keine thromboembolischen Erkrankungen oder Endometriumkarzinome gibt. Rüdiger Meyer

Cuzick J, Sestak I, et al.: Selective oestrogen receptor modulators in prevention of breast cancer: an updated meta-analysis of individual participant data. Lancet 2013; e-pub before print: doi: 10.1016/S0140-6736(13)60140-3.

Kumulative Inzidenz für Mammakarzinome inklusive duktaler Karzinome in situ
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