ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Gesundheitliche Situation von langzeitarbeitslosen Menschen

MEDIZIN: Übersichtsarbeit

Gesundheitliche Situation von langzeitarbeitslosen Menschen

Health in the long-term unemployed

Dtsch Arztebl Int 2013; 110(23-24): 413-9; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0413

Herbig, Britta; Dragano, Nico; Angerer, Peter

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Hintergrund: Trotz der in Deutschland momentan niedrigeren Arbeitslosenrate sind mehr als 1 Million Menschen länger als ein Jahr arbeitslos. Der Gesundheitszustand dieser Personengruppe, die Auswirkung von Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit und der Einfluss von Makroökonomie sowie Sozialpolitik sind Gegenstand dieser Übersicht.

Methoden: Die vorliegende Arbeit basiert auf einer selektiven Literaturrecherche in der Datenbank PubMed.

Ergebnisse: Große Metaanalysen und systematische Reviews zeigen, dass Langzeitarbeitslose ein mindestens verdoppeltes Risiko für psychische Erkrankungen, insbesondere Depression und Angststörungen, haben gegenüber erwerbstätigen Personen. Die Mortalität ist um das 1,6-fache erhöht. Arbeitslosigkeit scheint nicht nur Folge (Selektionseffekt), sondern auch Ursache (Kausalitätseffekt) für Erkrankungen zu sein. Erlernte Hilflosigkeit ist ein wesentlicher psychologischer Erklärungsmechanismus. Es gibt begrenzte Evidenz für eine etwas höhere Prävalenz von Alkoholerkrankungen unter langzeitarbeitslosen Menschen, die sowohl Ursache als auch Folge der Arbeitslosigkeit sein können. Ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle scheint mit Arbeitslosigkeit assoziiert zu sein. Krebserkrankungen können zu Arbeitslosigkeit führen. Makroökonomische Krisen verstärken, sozialstaatliche Maßnahmen schwächen den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit ab.

Schlussfolgerung: Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit tragen – vor allem in Bezug auf die psychische Gesundheit – eine deutlich höhere Krankheitslast als erwerbstätige und kurzzeitarbeitslose Personen, die mit der Dauer der Arbeitslosigkeit tendenziell zunimmt. Um den Teufelskreis zwischen Arbeitslosigkeit und Krankheit zu durchbrechen, sind gemeinsame Anstrengungen der Regelversorgung, spezieller Gesund­heits­förder­ung und der Sozialpolitik notwendig.

Nach der aktuellen Statistik sind in Deutschland mehr als 1 000 000 Menschen länger als ein Jahr ohne Arbeit (e1). Bereits seit der – heute noch einflussreichen – „Marienthalstudie“, die die Folgen des wirtschaftlichen Niedergangs dieses österreichischen Ortes in den 1930er Jahren untersuchte (e2, e3), ist bekannt, dass schlechte Gesundheit die Aufnahme einer Arbeit erschwert und dass Arbeitslosigkeit mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergeht. Letzteres bestätigen aktuelle Ergebnisse aus Deutschland (1).

In diesem Beitrag soll ein Überblick über den Zusammenhang von Gesundheit und dem Verlust des Arbeitsplatzes gegeben werden. Vor dem Hintergrund, dass trotz der positiven Arbeitsmarktentwicklungen der letzten Jahre die Reintegration langzeitarbeitsloser Menschen bisher kaum gelingt, soll ein besonderer Schwerpunkt auf der gesundheitlichen Situation von Langzeitarbeitslosen liegen.

Methode

Die vorliegende Arbeit basiert auf einer selektiven Literaturrecherche in der Datenbank PubMed. Aufgrund der Themenbreite und der Vielzahl der Artikel wurde die Suche primär auf „reviews“, „systematic reviews“ und „meta-analysis“ der letzten 10 Jahre beschränkt. Wenn keine Reviews zu einem Thema vorlagen, wurden Originalarbeiten herangezogen, die im Text entsprechend beschrieben sind. Als relevant für diese Arbeit wurden von den drei Autoren zunächst unabhängig und anschließend im Konsens die im Folgenden aufgeführten Publikationen identifiziert. Ergänzt wurden die Arbeiten um deutsche Publikationen (Artikel, Bücher, Berichte) aus den Literatursammlungen der Autoren.

Suchstrategie und Suchworte

Die Auswahl der spezifischen gesuchten Erkrankungen wurde iterativ, das heißt nach den in den Übersichten gefundenen Hinweisen auf erhöhte Prävalenzen und unter anderem auf Basis der Arbeit von Grobe und Schwartz (2) getroffen. Verwendete Suchworte waren:

  • Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit: „unvoluntary job loss“, „unemployment“, „long term unemployment“)
  • gesundheitsbezogene Erkrankungen und Risikofaktoren: „health“, „disease“, „mortality“, „mental health“, „depression“, „anxiety“, „schizophrenia“, addiction/substance abuse/alcoholism“, „heart disease“, „cardiovascular disease“, „cancer“, „diabetes“, „obesity“ und „asthma“.

Gesundheitliche Störungen

Assoziation zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit

Kausale Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit sind seit vielen Jahren Gegenstand von Untersuchungen. Diskutiert werden Zusammenhänge in zwei Richtungen: Selektion und Kausalität.

Selektion Diese Richtung bedeutet, dass chronisch erkrankte Personen ein erhöhtes Risiko haben, arbeitslos zu werden. In der Folge sind Menschen mit solchen Erkrankungen in der Gruppe der Arbeitslosen überrepräsentiert (Krankheit verursacht Arbeitslosigkeit). Solche Effekte können aus verschiedenen Gründen auftreten:

  • Kündigung aufgrund der Erkrankung (3)
  • Kündigung wegen vermehrter Arbeitsunfähigkeit (4)
  • erschwerter Wiedereinstieg, insbesondere bei Behinderung (5, 6)
  • geringe berufliche Qualifikation, die sowohl mit einem erhöhten Krankheitsrisiko als auch mit verminderten Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbunden ist (7).

Kausalitätseffekt Diese Richtung hingegen beschreibt, dass Arbeitslosigkeit selber zu einem Auslöser von Erkrankungen werden kann. Arbeitslosigkeit stellt einerseits eine schwere psychische Belastung für die Betroffenen dar, die besonders auf längere Sicht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko mit sich bringt. Andererseits ist ökonomische Armut eine wichtige Determinante von Gesundheit und Lebenserwartung – weil zum Beispiel gesunde Ernährung, Lebensumwelt, die Teilhabe an sozialen Aktivitäten und der Zugang zu medizinischer Versorgung vom Einkommen abhängen (8).

Zur Frage, ob Arbeitslose aufgrund von Selektion oder Kausalität kränker sind als Erwerbstätige, wurden in den letzten Jahren drei Metaanalysen publiziert (911, e4). Sie kommen auf der Basis longitudinaler Studien zu dem eindeutigen Schluss, dass sowohl Selektion als auch Kausalität für Morbidität und Mortalität von Arbeitslosen verantwortlich sind. Da die detaillierte Bearbeitung dieser Frage zu Ursache und Wirkung den Rahmen des vorliegenden Beitrags sprengen würde, sei auf diese Arbeiten verwiesen.

Selektion und Kausalität interagieren und verstärken sich im Sinne eines Teufelskreises, indem eine chronisch kranke Person arbeitslos wird (Selektion) und die Arbeitslosigkeit dann die Krankheit verschlimmert (Kausalität), was wiederum die Chancen vermindert, wieder einen Arbeitsplatz zu finden.

Gesamtmortalität

Eine der größten aktuellen Metaanalysen (11) mit 42 eingeschlossenen Längsschnittstudien aus verschiedenen Ländern und über 20 Millionen Personen zeigt einen durchschnittlichen Risikoquotienten (Hazard Ratio [HR]) von 1,63 (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 1,49–1,79) für die Gesamtmortalität bei Arbeitslosen. Dieses Risiko bleibt erhöht, wenn für Alter und weitere Kovariaten kontrolliert wird. Das heißt, Arbeitslosigkeit ist laut dieser Metaanalyse mit einem 63 % höheren Sterblichkeitsrisiko verbunden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung (Beschäftigte und Nicht-Beschäftigte; beim Vergleich nur mit Beschäftigten war der Unterschied noch größer (HR: 1,75; 95-%-KI: 1,54–1,98).

Auch speziell für Deutschland konnte eine erhöhte Mortalität nachgewiesen werden, die zudem mit der Dauer der Arbeitslosigkeit anstieg: Bei Versicherten der Gmünder Ersatzkasse (GEK) mit 1 bis unter 2 Jahren Arbeitslosigkeit zeigte sich im Vergleich zu den durchgängig Berufstätigen eine 1,6-fach erhöhte Mortalität, bei Personen mit mindestens 2 Jahren Arbeitslosigkeit in den vorangehenden 3 Jahren war im Folgezeitraum das Mortalitätsrisiko 3,4-fach erhöht (2).

In der Arbeit von Roelfs et al. (11) wurden differenzierte Analysen für verschieden lange Follow-up-Zeiten – als eine Annäherung an die Dauer der Arbeitslosigkeit – durchgeführt. Die Ergebnisse ergaben während der ersten fünf Jahren des Follow-up ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko bei Arbeitslosen von 73 % (HR: 1,73; 95-%-KI: 1,44–2,06). Diese Erhöhung blieb für die Follow-up-Dauer von 5–10 Jahren in etwa stabil (HR: 1,76; 95-%-KI: 1,55–2,00), sank bei einer Dauer von mehr als 10 Jahren dann jedoch auf 42 % ab (HR: 1,42; 95-%-KI: 1,22–1,64), ohne dass sich ein signifikanter Trend zeigte.

Psychische Erkrankungen

Tabelle 1 gibt einen Überblick über Ergebnisse von Metaanalysen und systematischen Reviews, die sich mit psychischen Erkrankungen bei Arbeitslosen beschäftigt haben. Zwei Metaanalysen weisen mit hohen Effektstärken eine deutlich schlechtere psychische Gesundheit von Arbeitslosen im Vergleich zu Erwerbstätigen nach (9, 12, e4). Der Anteil klinisch relevanter Symptome ist bei Arbeitslosen im Schnitt doppelt so hoch. Die Effekte der Dauer der Arbeitslosigkeit unterscheiden sich zwischen beiden Metaanalysen: Bei Brown et al. (12) ist hierzu kein eindeutiger Trend zu finden, wohingegen Paul und Moser (9, e4) eine lineare Zunahme der Probleme mit Dauer der Arbeitslosigkeit verzeichneten. Auch einzelne Studien bestätigen eher eine Zunahme der Probleme (1315).

Prävalenzen von psychischen Erkrankungen und Unterschiede zwischen Erwerbstätigen und (Langzeit-)Arbeitslosen
Prävalenzen von psychischen Erkrankungen und Unterschiede zwischen Erwerbstätigen und (Langzeit-)Arbeitslosen
Tabelle 1
Prävalenzen von psychischen Erkrankungen und Unterschiede zwischen Erwerbstätigen und (Langzeit-)Arbeitslosen

Depression

Die am häufigsten in der Literatur diskutierte Diagnosegruppe ist die Depression. In der Arbeit von Paul und Moser (9) wurde nahezu eine Verdopplung des Anteils an Personen mit klinisch relevanten depressiven Symptomen bei Arbeitslosen gefunden. In einer eigenen Studie mit Langzeitarbeitslosen im Alter über 50 Jahren (19) zeigten sich – erfasst mit dem Patient Health Questionnaire (PHQ) und validiert durch Experteneinschätzungen – noch höhere Werte (Tabelle 2).

Depression nach Patient Health Questionnaire (PHQ) in einer Stichprobe älterer Langzeitarbeitsloser (N = 104) (Diagnosehäufigkeit und Symptomstärke)
Depression nach Patient Health Questionnaire (PHQ) in einer Stichprobe älterer Langzeitarbeitsloser (N = 104) (Diagnosehäufigkeit und Symptomstärke)
Tabelle 2
Depression nach Patient Health Questionnaire (PHQ) in einer Stichprobe älterer Langzeitarbeitsloser (N = 104) (Diagnosehäufigkeit und Symptomstärke)

Auch eine weitere eigene Studie, in der Daten mit der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) bei 365 Langzeitarbeitslosen unterschiedlichen Alters erhoben wurden, ergab bei 37 % der Teilnehmer Hinweise auf eine depressive Störung (20).

Angststörungen

In der Allgemeinbevölkerung haben unter den psychischen Erkrankungen Angststörungen die höchste Prävalenz (18). Einige Studien (9, 20, e4) weisen auch hier auf eine deutlich höhere Auftrittswahrscheinlichkeit bei Arbeitslosen hin. In Limm et al. (20) hatten 47 % der Langzeitarbeitslosen Anzeichen einer Angststörung. Auch Margraf und Poldrack (16) konnten in einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe zeigen, dass Vollzeiterwerbstätige eine signifikant geringere durchschnittliche Angstintensität haben als Arbeitslose.

Alkoholismus

Obwohl Alkoholismus bekanntermaßen ein Grund ist, arbeitslos zu werden, ist die Kausalität von Alkoholismus durch Arbeitslosigkeit trotz hoher Augenscheinvalidität bisher kaum untersucht und in seinem Ausmaß nur schlecht abzuschätzen. Die Arbeit von Henkel (17) zeigt hohe Streuungen der Prävalenzen und Odds Ratios sowie deutliche Selektionseffekte (Tabelle 1). Mittelbar spricht der Befund von Eliason und Storrie (21) für einen ebenfalls vorhandenen kausalen Zusammenhang: Die Autoren fanden bei Arbeitslosigkeit nach Betriebsschließungen in den folgenden zwölf Jahren ein erhöhtes Risiko für Krankenhausbehandlungen in Folge alkoholbedingter Erkrankungen.

Psychotische Erkrankungen

Psychotische Erkrankungen stellen im Sinne der Selektion einen Grund für Arbeitslosigkeit dar, neu ist der Befund, dass psychosoziale Risikofaktoren im Sinne der Kausalität die Manifestation dieser Erkrankungen fördern könnten: Eine 18 Jahre andauernde Studie (22) zeigt, dass die Inzidenz der Schizophrenie bei Personen mit psychosozialen Risikofaktoren (darunter auch Arbeitslosigkeit) nahezu doppelt so hoch ist wie in der Bevölkerung ohne Risikofaktoren

Psychologische Wirkmechanismen

Soziale Ungleichheit kann über vielfältige Mechanismen zu Einschränkungen der Gesundheit führen (zum Beispiel e7). Für Arbeitslosigkeit im Speziellen gibt Wanberg (23) einen Überblick über potenzielle Mechanismen:

Direkte Effekte – Diese können unmittelbar auf die manifeste Funktion von Arbeit im Sinne Jahodas (e3) bezogen werden. So löst fehlendes Einkommen Stressreaktionen aus und erschwert unter Umständen einen gesunden Lebensstil. Direkte Effekte sind sicherlich stärker ausgeprägt in Ländern ohne (gute) soziale Absicherung.

Indirekte Effekte – Solche, die eng mit den latenten Funktionen von Arbeit zusammenhängen (sozialer Kontakt und Einbindung, Aktivität beziehungsweise Aktivierung, Erleben von Sinnhaftigkeit, Zeitstrukturierung, Erleben von Kontrolle, persönlicher Status und Identität) lassen sich im Wesentlichen über das kognitive Stressmodell nach Lazarus und Folkman (24) erklären. Je zentraler die Rolle der Arbeit ist, desto bedrohlicher wird die Situation der Arbeitslosigkeit (10). Das kognitive Stressmodell kann auch den kontraintuitiven Befund erklären, dass stärkere Bewerbungsaktivitäten mit schlechterem psychischem Befinden einhergehen (25): Wiederholte Misserfolgserlebnisse oder Coping-Anstrengungen ohne sichtbaren Erfolg führen zu Hilflosigkeits- und Kontrollverlusterfahrungen, die wiederum Passivität und negative Gesundheitseffekte zur Folge haben.

Körperliche Erkrankungen

Krankheitsspezifische Mortalität

Eine große Kohortenstudie (26) untersuchte die krankheitsspezifische Mortalität von Personen, die initial eine bezahlte Arbeit hatten und während der Rezession in Schweden (19921996) arbeitslos wurden. Die Mortalität stieg insgesamt mit Dauer der Arbeitslosigkeit an, bei Männern stärker als bei Frauen. Bei Frauen war hierfür hauptsächlich eine Zunahme alkoholbedingter Erkrankungen sowie äußerer Ursachen (zum Beispiel Unfälle, ohne Suizid oder Verkehrsunfälle) verantwortlich. Bei Männern stieg die Mortalität durch Krebserkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) und alkoholbedingte Erkrankungen bis gegen Ende des dritten Jahres der Arbeitslosigkeit an und sank dann wieder. Äußere Todesursachen stiegen zu Beginn und nochmals zum Ende der Beobachtung nach 4 und 5 Jahren stark an, die Sterblichkeit durch Suizid und Verkehrsunfälle nahm weniger stark aber kontinuierlich zu (26).

Prävalenz verschiedener Erkrankungen

Im Bundesgesundheitssurvey von 1998/1999 fiel beim Vergleich von Erwerbstätigen mit Arbeitslosen bei Männern eine höhere Quote von Asthma bronchiale (OR = 2,58), Diabetes mellitus (OR = 2,48) und arterieller Hypertonie (OR = 1,53) auf. Bei Frauen waren diese Zusammenhänge inkonsistenter und nicht signifikant. Im telefonischen Bundesgesundheitssurvey von 2003 wurden von langzeitarbeitslosen Männern chronische Bronchitis, Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Schwindel angegeben. Bei Frauen waren insbesondere die Kurzzeitarbeitslosen häufiger krank (27). 34 % der berufstätigen und 49 % der arbeitslosen Männer gaben an, zum Zeitpunkt der Befragung täglich zu rauchen. Die Unterschiede bei Frauen fielen mit 28 % gegenüber 31 % geringer aus (2).

Krebserkrankungen

Eine Metaanalyse mit weltweiten Daten (vor allem aus USA und Europa) zu Krebserkrankungen und Arbeitslosigkeit fand bei Personen nach überlebter Krebserkrankung ein erhöhtes Risiko für Arbeitslosigkeit (relatives Risiko [RR]: 1,37; 95-%-KI: 1,21–1,55). Das Risiko war für Frauen mit bösartigen Tumoren der Brust oder der Reproduktionsorgane, und für Männer und Frauen mit gastrointestinalen Tumoren erhöht. Blut-, Prostata oder Hodenkrebs erhöhte das Risiko nicht (28).

Koronare Herzkrankheit und andere kardiovaskuläre Erkrankungen

Auswertungen von Krankenkassendaten von Personen, die aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus in die Arbeitslosigkeit gerieten, zeigten, dass Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinfarkten mit der Dauer der Arbeitslosigkeit anstiegen: In den ersten 8 Monaten betrug das relative Risiko 1,49 (95-%-KI: 1,04–2,13), nach 8 bis 16 Monaten 1,82 (95-%-KI: 1,21–2,74) und nach mehr als 16 Monaten 3,08 (95-%-KI: 1,84–5,17) (29). Eine US-amerikanische Studie untersuchte über einen Zeitraum von zehn Jahren mehrere Tausend Personen im Alter von über 50 Jahren. Die Untersuchung ergab, dass – unter Kontrolle anderer kardiovaskulärer Risikofaktoren – das Risiko für einen Herzinfarkt (HR: 2,48; 95-%-KI: 1,49–4,14) und einen Schlaganfall (HR: 2,43; 95-%-KI: 1,18–4,98) nach Eintritt einer unfreiwilligen Arbeitslosigkeit um mehr als das Doppelte anstieg im Vergleich zu weiterhin berufstätigen Personen (30). Eine schwedische Studie, die die Auswirkung des Arbeitsplatzverlustes durch Schließung von Betrieben untersuchte, fand hingegen keinen Anstieg der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinfarkten und Schlaganfällen (21). Zusammenfassend ergibt sich also für diese Erkrankungen ein nicht ganz einheitliches Bild, das möglicherweise auch kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland, USA und Schweden geschuldet ist.

Makroökonomische Aspekte, Sozialpolitik und gesundheitliche Situation von Arbeitslosen

Zu gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen finden sich nach einem Review von Falagas et al. (31) sowohl Studien, die zeigen, dass sich in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit auch die Sterblichkeitsrate ungünstig entwickelt, als auch Studien, in denen azyklische Trends beobachtet wurden – also ein Anstieg der Arbeitslosigkeit mit sinkender Mortalität assoziiert war. Diese Ergebnisse sind aber nicht zwingend widersprüchlich. Unterschiedliche Verläufe sind unter anderem dadurch erklärbar, dass manche Sozialsysteme in der Lage sind, kurzzeitige Schwankungen auszugleichen. Weiterhin ist denkbar, dass gesundheitliche Effekte erst verzögert auftreten, so dass die gesundheitlichen Folgen von wirtschaftlichen Krisen erst sichtbar werden, wenn sich der Arbeitsmarkt bereits erholt hat.

Konsistente Ergebnisse liegen für Suizide vor: Bereits in der Weltwirtschaftskrise 1929 kam es zu einem Anstieg der Anzahl an Suiziden (32). In ähnlicher Form wiederholt sich dies in der heutigen Europäischen Finanzkrise, wie Daten aus Griechenland, Italien, Großbritannien und Gesamteuropa zeigen (e8e11). Stuckler und Kollegen (33) berechneten in einer Analyse der Mortalitätstrends in den 26 Staaten der Europäischen Union für die Jahre 1970 bis 2007, dass ein Anstieg der Arbeitslosenquote um 1 % mit einer Erhöhung der Suizidrate von 0,79 % einherging.

Weitere Hinweise auf eine steigende ursachenspezifische Sterblichkeit in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit gibt es für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (34), Infektionskrankheiten (35) und Mordraten (33). Die Gesamtzahl von Unfällen scheint hingegen häufig zu sinken, wenn weniger Menschen beschäftigt sind (32).

Stuckler et al. (33) untersuchten, ob gesamtgesellschaftliche Auswirkungen von Arbeitslosigkeit durch sozialstaatliche Regelungen modifiziert werden können. Sie zeigten, dass der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Suiziden unter staatlichem Investment in aktive Arbeitsmarktprogramme schwächer ist. Den Einfluss der Art des wohlfahrtsstaatlichen Systems bestätigen auch Bambra und Eikemo (36).

Resümee

Während die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit, Gesamtmortalität und psychischen Erkrankungen durch Metaanalysen gut belegt sind, ist die Datenlage zur Assoziation mit körperlichen Erkrankungen schwächer. Auch lassen viele Studien keine Aussage darüber zu, ob es sich um gesundheitliche Auswirkungen von Kurz- oder Langzeitarbeitslosigkeit handelt.

Arbeitslose suchen trotz vorhandener Notwendigkeit seltener Hilfe im Gesundheitssystem; dieser Effekt bleibt auch bestehen, wenn für soziodemografische Variablen, soziale Unterstützung und persönliche Finanzen adjustiert wird (37).

Was dies für die Versorgung im Gesundheitswesen bedeutet, ist im Kasten dargelegt.

Wichtige Erkenntnisse für die ärztliche Praxis
Wichtige Erkenntnisse für die ärztliche Praxis
Kasten
Wichtige Erkenntnisse für die ärztliche Praxis

Für die berufliche Reintegration in Form von Qualifikationsmaßnahmen bedeuten diese Erkenntnisse, dass Gesund­heits­förder­ung ein integraler Bestandteil sein sollte. Eigene Interventionsstudien zeigen, dass individuelle Beratungen zwar positiv empfunden werden, aber wenige gesundheitliche Effekte zeitigen (19). Partizipative gruppenbasierte Aktivitäten in der Lebenswelt (Setting) hingegen waren hinsichtlich gesundheitlicher Verhaltensänderung und psychischer Gesundheit erfolgreich (20, 38).

Für die Politik ist eine wesentliche Schlussfolgerung, dass Arbeitslose eine gesundheitliche Risikogruppe darstellen. Eine erfolgreiche Arbeitsvermittlung und der Schutz beziehungsweise der Erhalt von Arbeitsplätzen fördert die Gesundheit. Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen zu verbessern, die bereits in Langzeitarbeitslosigkeit sind, verspricht einen Nutzen, sowohl für die Förderung der Gesundheit als auch für die Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Sowohl mit Hinblick auf das individuelle Leiden als auch auf gesellschaftliche und ökonomische Ziele scheint eine bessere gesundheitliche Versorgung und eine gezielte Gesund­heits­förder­ung für langzeitarbeitslose Menschen dringend geboten.

Interessenkonflikt

Dr. Herbig und Prof. Angerer bekamen Drittmittel für die wissenschafltliche Evaluation des Forschungsprojekts AmigA-M vom BMAS/Job Center, München.

Prof. Dragano erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 18. 10. 2012, revidierte Fassung angenommen: 31. 1. 2013

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Peter Angerer
Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät
Heinrich-Heine- Universität
Universitätstraße 1
40225 Düsseldorf
peter.angerer@uni-duesseldorf.de

Zitierweise
Herbig B, Dragano N, Angerer P: Health in the long-term unemployed.
Dtsch Arztebl Int 2013; 110(23–24): 413–9. DOI: 10.3238/arztebl.2013.0413

@Mit „e“ gekennzeichnete Literatur:
www.aerzteblatt.de/lit2413

The English version of this article is available online:
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Dr. phil. Herbig
Institut für Medizinische Soziologie, Medizinische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf:
Prof. Dr. phil. Dragano
Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf:
Prof. Dr. med. Angerer
Wichtige Erkenntnisse für die ärztliche Praxis
Wichtige Erkenntnisse für die ärztliche Praxis
Kasten
Wichtige Erkenntnisse für die ärztliche Praxis
Prävalenzen von psychischen Erkrankungen und Unterschiede zwischen Erwerbstätigen und (Langzeit-)Arbeitslosen
Prävalenzen von psychischen Erkrankungen und Unterschiede zwischen Erwerbstätigen und (Langzeit-)Arbeitslosen
Tabelle 1
Prävalenzen von psychischen Erkrankungen und Unterschiede zwischen Erwerbstätigen und (Langzeit-)Arbeitslosen
Depression nach Patient Health Questionnaire (PHQ) in einer Stichprobe älterer Langzeitarbeitsloser (N = 104) (Diagnosehäufigkeit und Symptomstärke)
Depression nach Patient Health Questionnaire (PHQ) in einer Stichprobe älterer Langzeitarbeitsloser (N = 104) (Diagnosehäufigkeit und Symptomstärke)
Tabelle 2
Depression nach Patient Health Questionnaire (PHQ) in einer Stichprobe älterer Langzeitarbeitsloser (N = 104) (Diagnosehäufigkeit und Symptomstärke)
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