ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Darmkrebsvorsorge: Immunologische Tests sind überlegen

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Darmkrebsvorsorge: Immunologische Tests sind überlegen

Dtsch Arztebl 2013; 110(23-24): A-1130 / B-982 / C-978

Zylka-Menhorn, Vera

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Für Untersuchungen auf verborgenes Blut im Stuhl wird seit mehr als 40 Jahren ein enzymatisches Nachweisverfahren (Guajak-Test) eingesetzt. Seit einigen Jahren sind darüber hinaus Testsysteme auf dem Markt, die den Blutfarbstoff Hämoglobin immunologisch über eine Antikörperreaktion nachweisen. Epidemiologen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum wiesen nun im direkten Vergleich beider Methoden die Überlegenheit der immunologischen Tests nach: Sie spüren doppelt so viele Karzinome und Krebsvorstufen auf und liefern weniger falschpositive Ergebnisse.

Prof. Dr. med. Hermann Brenner und seine Mitarbeiterin Sha Tao untersuchten 2 235 Probanden, die zwischen 2005 und 2009 an einer Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung teilnahmen; diese gaben vor der Untersuchung Stuhlproben ab, die mit beiden Verfahren auf verborgenes Blut untersucht wurden. Anschließend glichen die Forscher die Testergebnisse mit den Resultaten der Darmspiegelung ab.

Der enzymatische Test spürte ein Drittel aller Fälle von Darmkrebs auf; etwa neun Prozent der fortgeschrittenen Vorstufen (Adenome) und circa fünf Prozent der frühen Vorstufen. Mit den drei untersuchten immunologischen Tests dagegen wurden etwa doppelt so viele der Krebserkrankungen (60,0; 53,3 und 73,3 Prozent) und rund dreimal so viele der fortgeschrittenen Krebsvorstufen gefunden. Dabei lag ihre Spezifität noch etwas höher als beim enzymatischen Test.

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Nur einem knappen Drittel (31 Prozent) aller positiven enzymatischen Tests lag tatsächlich eine Gewebeveränderung zugrunde. Unter den positiven Befunden der immunologischen Tests dagegen bestätigte die Darmspiegelung in etwa zwei Dritteln aller Fälle (57 bis 68 Prozent) eine Veränderung. „Wir haben hier erstmalig in einem Direktvergleich gezeigt, dass die diagnostische Aussagekraft der immunologischen Stuhltests bei einer gleichen Rate positiver Ergebnisse deutlich höher ist als die des Enzymtests“, sagt Brenner. Er hofft, mit seiner Forschung Überzeugungsarbeit bei den Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen zu leisten: „Die Tests auf verborgenes Blut im Stuhl werden weiterhin einen wichtigen Bestandteil der Früherkennung von Darmkrebs darstellen. Daher wären wir gut beraten, die immunologischen Tests auch in Deutschland in das Krebsfrüherkennungsangebot aufzunehmen.“ In mehreren anderen europäischen Ländern, die Programme zu Krebsfrüherkennung anbieten, sind die immunologischen Tests inzwischen Standard. zyl

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