KULTUR

Fotoausstellung „Veränderung“: Zauberhafte Augenblicke

Dtsch Arztebl 2013; 110(23-24): A-1205 / B-1051 / C-1045

Manteuffel, Leonie von

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Die Ausstellung zeigt Aktfotografien von zehn krebskranken Frauen, die ihre eigene Schönheit wiederentdeckt und neuen Lebensmut gewonnen haben.

Aktfoto aus der Fotoausstellung „Veränderung“, Foto: Gerhard Zerbes
Aktfoto aus der Fotoausstellung „Veränderung“, Foto: Gerhard Zerbes

Narben, eine Amputation oder brusterhaltende Operationen verletzen die körperliche Unversehrtheit. Viele Patientinnen zweifeln an der eigenen Attraktivität und ziehen sich zurück. „Die Möglichkeiten der Behandlung haben sich in den letzten Jahrzehnten verbessert, trotzdem führen die mit der medizinischen Therapie verbundenen Maßnahmen zu erheblichen Belastungen von Körper und Seele der betroffenen Frauen“, sagt Prof. Dr. med. Peter Mallmann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsklinik Köln. Er verhalf der ungewöhnlichen Fotoausstellung „Veränderung“ zu ihrem Debüt: Etwa zwei Monate waren Akte von krebskranken Frauen in einem Konferenzraum der Klinik zu sehen. Anschließend wurden die Bilder von den Kliniken Essen-Mitte gezeigt. Die nächsten Stationen sind das lesbisch-schwule Beratungszentrum Rubicon in Köln (28. bis 30. Juni) und das MarienhausKlinikum in Neuwied (7. August bis 4. September).

Das Ausstellungsprojekt begann mit der Traurigkeit von Melanie Gehring-Decker, die mehrere Operationen und Chemotherapien hinter sich hatte. Ihr Mann, berichtet sie, wollte sie trösten und unterstützen: Er schenkte ihr eine Sitzung bei dem Kölner Fotografen Gerhard Zerbes, den er persönlich kannte. Lange zögerte sie. „Ich habe vor dem Spiegel nur noch meine Narben gesehen“, erinnert sie sich. Doch als sie sich schließlich ein Herz fasste, schwand ihre Unsicherheit in der kreativen, professionellen Studioatmosphäre rasch. Accessoires wurden ausprobiert; Zerbes zeigte ihr erste Aufnahmen am Bildschirm. Überrascht betrachtete sie die ästhetischen Ansichten ihres Körpers. „Ich merkte, wie ich mich aufrichtete und wieder stark und selbstsicher fühlte“, erzählt die 39-Jährige. Damit war die Idee geboren, auch anderen Brustkrebspatientinnen diese heilsame Erfahrung zu ermöglichen.

Projektteam „Veränderung“: Initiatorin Melanie Gehring-Decker (rechts), Mitinitiatorin Anne-Heike Maretzke (links) und Fotograf Gerhard Zerbes (Mitte) Foto: Alena Zerbes
Projektteam „Veränderung“: Initiatorin Melanie Gehring-Decker (rechts), Mitinitiatorin Anne-Heike Maretzke (links) und Fotograf Gerhard Zerbes (Mitte) Foto: Alena Zerbes

So brachten schließlich zehn Frauen im Alter zwischen 30 und Mitte 60 den Mut auf, mit ihrer verwundeten Weiblichkeit vor der Kamera zu posieren. In der Ausstellung sind sie beeindruckend mit Perlen, Fächer und Federboa, Schals, Handschuhen und Dessous in Szene gesetzt. Eine nahezu makellose Sinnlichkeit lässt kaum Blessuren erahnen. Er habe jedoch nicht retuschiert, sondern ausschließlich mit Licht- und Schat-teneffekten gearbeitet, betont der Fotograf. Motive zerbrechlicher Schönheit findet man eher in einer digitalen Bildershow, die während Vernissage, Finissage und bei Lesungen läuft. Dort sind zauberhafte Augenblicke von Nähe und Melancholie, verhaltener Erotik und Tapferkeit im Bild eingefangen. Zum Verständnis der seelischen Prozesse trägt der Katalog (Untertitel: „Verletzte Weiblichkeit im Wandel“) bei, in dem sich die Porträtierten mit Stichworten zur Krankengeschichte, mit ihren Bewältigungsstrategien und den wahrgenommenen Effekten nach der Fotoaktion vorstellen.

Die Ausstellung soll bundesweit weiterwandern und kann von Kliniken und Institutionen gebucht werden. Weitere Informationen: www.veraenderung.net

Leonie von Manteuffel

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