ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Geburten: Die anonyme Geburt einbeziehen
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Im Referentenentwurf vom 25. Januar 2013 für eine vertrauliche Geburt schafft der Staat Handlungssicherheit und steckt den Rahmen für qualifizierte Hilfen für Schwangere in besonders schwierigen Lebenslagen ab. Das Angebot der vertraulichen Geburt gilt aber nur für die Frauen, die ihre Personenstanddaten angeben. Es ist ein Zweiklassen-hilfssystem für Schwangere in schwierigen Lebenssituationen. Entscheidend, ob der Staat Hilfen sichert, ist nicht die Not der Frau, sondern ob sie überprüfbare Personaldaten angibt. Dabei sind erfahrungsgemäß die Frauen, die auf keinen Fall ihren Namen und ihre Anschrift aus ihrer subjektiven Sicht angeben können, oft in ganz besonderen, ausweglos erscheinenden Lebenslagen. Gerade sie bräuchten zum Abbau ihrer Ängste Rechtssicherheit für qualifizierte Hilfen. Nur ein möglichst niedrigschwelliges Hilfsangebot ist geeignet, allein und geheim durchgeführte Geburten zu verhindern. Auch die Beratungsstellen brauchen zur Bearbeitung für solche schwierigen Fälle Rechts-, Handlungs- und Finanzierungssicherheit, um ein tragfähiges Vertrauen zu den Frauen aufbauen zu können. Ein solches Vertrauen ist die Grundlage, um mit der Frau mögliche Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu erarbeiten. Seit 1999 führt Donum Vitae das wissenschaftlich betreute Moses-Projekt durch (www.moses-projekt.de) . . . Unter Wahrung der Anonymität werden Frauen von qualifizierten Beratungsstellen während Schwangerschaft und Geburt begleitet, frauenärztlich betreut und entbinden in einer Klinik.

Anonymität wird zugesichert, solange dies von der Mutter gewünscht wird. Gleichzeitig werden umfassende Maßnahmen getroffen, um dem Kind später Informationen über die Mutter, ihre Lebenssituation und ihre Beweggründe übermitteln zu können, bis hin zur möglichen Kontaktaufnahme.

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Die voraussichtliche gesetzliche Regelung der vertraulichen Geburt entspricht in weiten Teilen dem Leitfaden des Moses-Projekts. Sie wäre sehr gut geeignet, auch die anonyme Geburt miteinzubeziehen. Statt der Personenstanddaten der Mutter würden im Herkunftsnachweis die Entscheidungsgründe für die anonyme Geburt in einer Begründungsurkunde hinterlegt und vorschriftsmäßig verwaltet. Damit das anonym geborene Kind die Chance erhält, die Mutter kennenzulernen, wird zwischen Mutter und der Beraterin vereinbart, wie sie miteinander korrespondieren und ein Treffen zwischen Mutter und Kind organisieren können. Solche Vereinbarungen wurden im Moses-Projekt auf Wunsch der Mutter immer wieder getroffen. Die wissenschaftliche Evaluation des Moses-Projekts hat gezeigt, dass die Frauen besonders ihrem Umfeld gegenüber anonym bleiben wollen, weniger dem Kind gegenüber . . .

Prof. Dr. Anton Scharl, Direktor der Frauenklinik mit Perinatalzentrum, Klinikum St. Marien,
92224 Amberg

Maria Geiss-Wittmann, Donum Vitae in Bayern e.V., 92224 Amberg

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