ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Wie viel Markt verträgt die Medizin?

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Wie viel Markt verträgt die Medizin?

Dtsch Arztebl 2013; 110(23-24): A-1154 / B-1002 / C-996

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Das sagen Delegierte des Deutschen Ärztetags in Hannover.

Fotos: Jürgen Gebhardt
Fotos: Jürgen Gebhardt

„Der Markt kann allenfalls dazu dienen, die Ressourcen bereitzustellen für das Arzt-Patient-Verhältnis. Wenn er Selbstzweck wird, wie das oftmals in medizinischen Institutionen erfolgt, ist das mit dem ärztlichen Ethos nicht mehr zu vereinbaren.“

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Prof. Dr. sc. med. Wolfgang Sauermann (69), Sachsen

Foto: Eberhard Hahne
Foto: Eberhard Hahne

„Die Medizin braucht eine Ökonomie. Sie muss sich immer die Frage stellen, ob das Geld, das für Gesundheit ausgegeben wird, gut ausgegeben ist – auch im Vergleich zu Bildung und anderen Dingen, die in einem Sozialstaat ebenfalls erforderlich sind. Man kann nicht einfach sagen, jeder Euro, der für Gesundheit ausgegeben wird, wäre ein guter Euro. Das muss überprüft werden. Wir müssen den Beweis bringen, dass das, was wir mit dem Geld machen, auch wirklich zum Wohl des Patienten ist.“

Dr. med. Heinrich-Daniel Rühmkorf (46), Berlin

„Medizin verträgt sehr viel Markt. Die Grenze des Marktes sollte dort sein, wo die Interessen des Patienten dem Markt geopfert werden.“

Dr. med. Bernd Lücke (54), Niedersachsen

„Man muss überlegen, wie viel Wettbewerb man in die Medizin einbringt. Wettbewerb führt dazu, dass vielfach die Kosten im Vordergrund stehen und nicht immer der Patient selbst. Deshalb ist die Frage: Kann man den Wettbewerb immer weiter treiben oder muss es jetzt irgendwo mal eine Grenze geben? Sicher hat der Markt gewisse Vorzüge. Wir müssen unsere Ressourcen sinnvoll und überlegt einbringen. Aber auf reiner Basis des Wettbewerbs wird man Kranken nicht gerecht.“

Dr. med. Ulrike Beiteke (55), Westfalen-Lippe

„Das ist das wichtigste Thema des Ärztetags. Der Referent Professor Maio traut sich, das zu sagen, was wir alle fühlen. Ich finde, dass wir uns in eine bestimmte Richtung bringen lassen und uns zum Beispiel an Begriffe wie „Gesundheitswirtschaft“ gewöhnt haben. So empfinden wir uns aber eigentlich nicht. Wir sind Ärzte. Wir betreiben Heilkunde. Es ist eine große Frage, ob man damit in erster Linie Geld verdienen will oder ob es eine Leistung ist, die Ärzte für die Gesellschaft erbringen und dafür vergütet werden müssen.“

Priv.-Doz. Dr. med. Claudia Borelli (43), Bayern

„Die Öko­nomi­sierung ist zum Teil berechtigt. Aber in der Vergangenheit ist es etwas übertrieben worden. In den Kliniken ist die Arbeitsverdichtung enorm, die Stellenpläne wurden allerdings nicht in der Form ausgeweitet, wie es erforderlich gewesen wäre. Das wichtigste für die Arzt-Patienten-Beziehung ist aber, dass man genügend Zeit hat. Prinzipien der Fließbandproduktion werden dem Patienten nicht gerecht.“

Dr. med. Ulrich Voshaar (59), Baden-Württemberg

„Was wir vermeiden müssen sind Kliniken, die zu wenige, unzufriedene und gestresste Mitarbeiter haben, weil wir dann keine gute Medizin mehr machen können. Und im niedergelassenen Bereich ist es wichtig, dass die Ärztinnen und Ärzte angstfrei arbeiten könne. Es kann nicht sein, dass mir Gedanken über Regress, Rabattverträge und Budgetierung mehr durch den Kopf gehen als schwierige Krankheitsbilder von Patienten.“

Prof. Dr. med. Alexandra Henneberg (56), Hessen

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