ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Börsebius: Selektion ist Trumpf

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Börsebius: Selektion ist Trumpf

Dtsch Arztebl 2013; 110(23-24): A-1211 / B-1055 / C-1047

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Ziemlich oft werde ich von Lesern nach der Deutschen Post gefragt, genauer, ob der Wert denn jetzt noch gekauft werden könne. Hintergrund der Ratsuchenden ist mein Beitrag „Goldgelbe Zukunft“ (DÄ, Heft 48/2011), in dem ich der Aktie auf dem damaligen irrsinnig niedrigen Niveau um rund elf Euro „eine Kurschance von 30 bis 40 Prozent“ eingeräumt habe, dies allerdings „vielleicht erst in eineinhalb oder zwei Jahren“.

Just hat die Börsennotiz des weltweit tätigen Logistikkonzerns tatsächlich eben die Marke von 20 Euro geschafft, und damit sind natürlich auch die Fragen nach Gewinnmitnahmen ziemlich plausibel. Nun meldet die Deutsche Post in der Tat exzellente Geschäftszahlen für das erste Quartal, für das vergangene Geschäftsjahr sowieso. Einer alten Börsenregel zufolge soll ja bei „good news“ verkauft werden, zumal manche auch auf fetten Kursgewinnen sitzen. Ich würde allerdings dazu neigen, die Gewinne noch eine Weile laufen zu lassen. Die Grundaussagen – boomendes Internetgeschäft für die Tochter DHL – sind nach wie vor noch nicht ausgereizt. Bis auf 25 Euro kann die Aktie durchaus noch zulegen.

Wenn der Deutsche Aktienindex, DAX, nach oben stürmt, wird die Luft bei den deutschen Blue Chips naturgemäß dünner. Da gilt es, bei der Titelauswahl genau zu selektieren, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Automobiltitel würde ich etwa meiden, und dafür die ziemlich gebeutelten Energieversorger favorisieren.

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Vielleicht lohnt sich aber auch ein Blick in kleinere Börsensegmente. Dort gefällt mir unter anderen Adler-Modemärkte ganz gut. Das Bekleidungsunternehmen hatte eine Zeit lang seine „mittelalte“ Stammkundschaft ziemlich verprellt und wollte sich jüngere Käuferschichten erschließen, was aber sprichwörtlich ziemlich in die Hose ging. Nun hat man sich dort aber wieder auf das Kerngeschäft konzentriert und damit auf die alten Stärken besonnen. Das scheint mir eine gute Entscheidung zu sein.

Meine negative Einschätzung der Commerzbank halte ich übrigens bei, auch danach fragten etliche Leser. Die renommierte Ratingagentur Standard & Poor’s senkte eben die Kreditwürdigkeit des Geldhauses auf „A-/A-2“. S & P befürchtet, dass die Commerzbank bei einer schwachen Konjunktur mit dem Abbau seiner Risiken Problem haben könnte. Das ist nun wirklich kein gutes Zeichen. Und wenn es ganz hart kommt, fliegt die Commerzbank auch noch aus dem DAX. Das könnte dann passieren, wenn der Kurs unter 4,50 Euro gerät. Sollte das passieren, müssten viele Fondsgesellschaften die Aktie aus dem Portfolio nehmen.

Selektion ist also Trumpf, das gilt sowohl für den Kauf von Aktien als auch für die rechtzeitige Veräußerung. Auf das richtige Timing kommt es eben auch an.

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