ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Priorisierung: Diskurs in der Ärzteschaft geht weiter

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Priorisierung: Diskurs in der Ärzteschaft geht weiter

Dtsch Arztebl 2013; 110(23-24): A-1164 / B-1012 / C-1006

Gerst, Thomas

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Erstattete den Zwischenbericht über die Arbeitsgruppe „Priorisierung im Gesundheitswesen“ – Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. Auf dem nächsten Ärztetag soll das Thema ausführlich behandelt werden.
Erstattete den Zwischenbericht über die Arbeitsgruppe „Priorisierung im Gesundheitswesen“ – Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer. Auf dem nächsten Ärztetag soll das Thema ausführlich behandelt werden.

Hervorgehoben wurden die positiven Erfahrungen, die man in Schweden mit der Priorisierung medizinischer Leistungen gemacht habe. Es gehe darum sicherzustellen, dass notwendige Leistungen auch weiterhin zur Verfügung stünden, betonte Berichterstatter Jan Schulze.

Als der damalige Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, 2009 auf dem 112. Deutschen Ärztetag in Mainz eine öffentliche Debatte über die Priorisierung von Gesundheitsleistungen anstoßen wollte, erntete er aus der Politik, aber auch aus der Ärzteschaft selbst viel Ablehnung. „Manchmal schmerzt die Wahrheit, aber manchmal muss man auch den Mut haben, sie trotzdem auszusprechen“, erklärte er damals. Mit seinem Vorstoß wollte Hoppe ein Tabu brechen und eine Diskussion darüber auslösen, wie die knappen Mittel im Gesundheitswesen künftig verteilt werden sollen.

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Mittlerweile ist die Auseinandersetzung über die Priorisierung in ein ruhigeres Fahrwasser geraten, nachdem mehr Klarheit bei der Verwendung der Begrifflichkeiten gewonnen wurde. Priorisierung sei auf keinen Fall gleichzusetzen mit der Rationierung medizinischer Leistungen, erläuterte der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, als er dem Ärztetag einen Zwischenbericht zu der vom BÄK-Vorstand eingesetzten Arbeitsgruppe „Priorisierung im Gesundheitswesen“ vortrug. Priorisierung solle ganz im Gegenteil sicherstellen, dass notwendige Leistungen in der medizinischen Versorgung weiterhin zur Verfügung stünden. Es gehe um die gerechte Ressourcenzuteilung im Gesundheitswesen. Die vorhandenen Kapazitäten müssten sinnvoll eingesetzt werden.

Die BÄK-Arbeitsgruppe gibt es seit 2012. Ziel bei ihrer Einsetzung sei es vor allem gewesen, den gesellschaftlichen Diskurs über Priorisierung voranzutreiben. Schulze verwies auf die Ausführungen der Arbeitsgruppe im DÄ, Heft 22/2013 (Ärztlich unterstützte Priorisierung ist notwendig und hilfreich). Die Arbeitsgruppe sei zu der Überzeugung gelangt, betonte Schulze, dass auch innerhalb der Ärzteschaft die Auseinandersetzung mit dem Thema noch fortgeführt werden müsse. In Zusammenarbeit mit den Ärztekammern seien dazu Veranstaltungen geplant.

Der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer hob die positiven Erfahrungen hervor, die man in Schweden mit der Priorisierung medizinischer Leistungen gemacht habe. Das schwedische Modell hat für die BÄK-Arbeitsgruppe bei der Umsetzung hierzulande Vorbildcharakter. Ein wichtiges Instrument seien dabei Leitlinien, deren Entwicklung gemeinsam mit dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) vorangetrieben werden solle.

Thomas Gerst

Fazit der Arbeitsgruppe

Die Arbeitsgruppe hält das schwedische Modell in seinen Grundintentionen, Grundlegungen und Verfahren für vorbildlich und schlägt vor, es mit angemessenen Modifikationen unter Berücksichtigung der Vorarbeiten der Zentralen Ethikkommission und der Deutschen Ärztetage zur Basis des Priorisierungsprojekts der BÄK zu machen. Vorbereitend ist die Ärzteschaft für ein deutsches Priorisierungsprojekt zu gewinnen. Schon auf dieser Stufe ist über angemessene Formen der Beteiligung weiterer Gesundheitsberufe, von Patienten- und Verbraucherorganisationen sowie Bürgern nachzudenken.

FAZIT

TOP VI: Tätigkeitsbericht, Zwischenbericht der Arbeitsgruppe „Priorisierung im Gesundheitswesen“

  • Die Priorisierung eröffnet Perspektiven.
  • Der Diskurs soll auch in der Ärzteschaft fortgeführt werden.
  • Das schwedische Modell hat Vorbildcharakter.

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